Nur keine Blässe: "Die Stoiber-Story"

München - Den Titel als häufigster Talkgast dürfte Guido Westerwelle noch eine Weile verteidigen, doch in der Rubrik Fernsehporträts nahm geraume Zeit Edmund Stoiber eine Spitzenstellung ein. Über wenige amtierende Bundespolitiker wurde in den vergangenen Jahren so viel gesendet wie über den Noch-Ministerpräsidenten und langjährigen CSU-Parteichef.

Kurz vor dem Rückzug Stoibers aus der Politik überschlagen sich die Sender noch einmal mit Dokumentationen über Aufstieg und Fall des mächtigen Bayern.

Sehenswert die "Stoiber-Story" heute (26.06.2007)  um 23.30 Uhr im Ersten. Der Film hält sich nicht länger als nötig mit der Rebellion von Kreuth auf. Stattdessen bemühen sich die Autoren Andreas Bachmann und Jens Kuhn, den Lebensweg eines Politikers nachzuzeichnen, der sich seinen Erfolg hart erkämpfte, um ihn später wieder zu verspielen.

"Manche Politiker scheitern auch am Erfolg, wenn er zu groß ist oder zu lange dauert", sagt Michael Spreng, der zeitweilige Medienberater Stoibers. Er stand neben dem damaligen Kanzlerkandidaten, als dieser 2002 den Wahlsieg knapp verpasste - der Anfang vom Ende. Die Zweidrittelmehrheit in Bayern ein Jahr darauf nahm Stoiber zum Anlass für einen eigenmächtigen Schwenk in der Landespolitik - Stellenabbau in den Behörden, Paradigmenwechsel in der Schulpolitik, Sparen ohne Wenn und Aber. In der Fraktion hat man ihm diesen Stil bis heute nicht verziehen. Selbstkritik? Fehlanzeige.

Am Anfang des Films erzählt der Regent, seltsam entrückt, wie er zuweilen Zwiesprache halte mit Franz Josef Strauß: "Wenn ich ihn so anspreche da oben - Franz Josef, habe ich Dein Erbe gut verwaltet? - dann wird er sagen: ,Nicht nur gut verwaltet! Ein bisschen hast du sogar noch draufgelegt." Der leibhaftige Strauß lobt Stoiber bei der Ernennung zum Generalsekretär, dieser sei "nicht von der Blässe des Gedankens angekränkelt" und könne "auch mal kräftig zugreifen".

Das tut Stoiber dann auch, wenn er den Journalisten weiszumachen versucht, Strauß gehe nur deshalb nicht als Bundesminister nach Bonn, weil er niemandem den Platz wegnehmen wolle. Als er 23 Jahre später selbst vor einem Wechsel in die Hauptstadt kneift, schiebt Stoiber dann dreist die Probleme der SPD vor. So wiederholt sich die Geschichte.

Gibt Stoiber in der Amigoaffäre 1993 noch demütig eigene Versäumnisse zu, wähnt er sich in späteren Jahren völlig unangreifbar. Die beiden Autoren sagen, ihnen sei ein selbstzufriedener Politiker begegnet, "frei von jedem Zweifel, Geschichte geschrieben zu haben". Ihr Film dokumentiert nicht nur ein Politikerleben, sondern auch, wie die Politik ein Leben verändert.

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