Keine "Petersilienbeilage"

- Der Abschied fiel ihr nicht schwer. Nach ungezählten Folgen der ZDF-Serie "Forsthaus Falkenau" wird Bruni Löbel im kommenden Herbst ein letztes Mal als Oma Herta über den Bildschirm flimmern. Zusammen mit Fernsehförster Christian Wolff alias Martin Rombach verlässt auch sie nach mehr als 16 Jahren die Erfolgsserie. "Mit dem neuen Förster (Hardy Krüger jr., Red.) verbindet mich nichts", sagt Löbel, die heute ihren 85. Geburtstag feiert: "Er bringt seine eigene Familie mit."

Außerdem sei die Rolle immer kleiner geworden. "Am Anfang war ich der Mittelpunkt. Ich habe die Kinder huckepack getragen und ins Bett gebracht. Aber jetzt sind sie alle erwachsen geworden. Und nur Petersilienbeilage zu sein, lag mir noch nie", meint die populäre Darstellerin, die schon als 15-Jährige in Moliè`res "Der eingebildete Kranke" in ihrer Heimatstadt Chemnitz auf der Bühne stand.

Nach ersten Kinder- und Backfischrollen ging es mit Bruni Löbels Schauspielkarriere steil bergauf, als sie 1939 in "Heimatland" ihre erste Filmrolle bekam. Fortan spielte sie als "muntere Naive" zahlreiche Hauptrollen, so unter anderem in "Wenn die Sonne wieder scheint" (1943), "Kein Platz für Liebe" (1947), "Wirbel um Irene" (1953) und "Der Pauker" (1958).

Doch ihre eigentliche Liebe gehörte immer dem Theater. Einen großen Bühnenerfolg erzielte sie zusammen mit Heinz Rühmann in "Der Mustergatte". Nach dem Krieg ging Löbel zunächst zusammen mit Kollegin Margot Hielscher auf Tournee, bevor sie über Berlin, Düsseldorf und Hamburg im Jahr 1958 nach München kam. Besonders gern und mit großem Erfolg stand sie dort in der "Kleinen Komödie" auf der Bühne.

Einem großen Publikum wurde die vielseitige und liebenswerte Künstlerin, die 1962 den Roman "Kleine unbekannte Größe" und 1995 ihre Lebenserinnerungen "Eine Portion vom Glück" veröffentlichte, vor allem durch ihre zahlreichen Fernsehrollen bekannt, so unter anderem in "Polizeiinspektion 1" (1977), "Timm Thaler" (1979), "Ich heirate eine Familie" (1983) und zuletzt "Forsthaus Falkenau". Gerne hätte sie daneben noch mehr Theater gespielt, "doch die Serien nahmen einfach überhand und ließen einem kaum noch für etwas anderes Zeit", erzählt sie.

Aber das soll in Zukunft anders werden. "Jetzt kann ich endlich zu mir selbst kommen", meint die Jubilarin, die ihren Geburtstag irgendwo fernab von zu Hause mit ihrem Sohn und einigen Freunden feiern will. "Alt werden ist nichts für Feiglinge, aber ich bin mutig", sagt sie.

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