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(“Mit Holz aus dem Baumarkt„: Johannes B. Kerner bei der Premiere seines neuen Magazins auf Sat.1.

Kerners neue Show: Alltagsnähe ohne Starrummel

Hamburg - Baustellenchaos, Justizirrtümer, Auswüchse aus der Arbeitswelt: Mit diesen Themen startete Johannes B. Kerner sein Magazin auf Sat.1. Sein neues Motto: Bürgernähe statt Promi-Rummel.

Beim Start war noch Sand im Getriebe. Johannes B. Kerners erster Magazin-Auftritt lag unter den Erwartungen des Senders. 1,83 Millionen Zuschauer (Marktanteil: 6,5 Prozent) schalteten um 21.15 Uhr das abendfüllende Format mit dem Sat.1- Neuzugang ein, in der für den Privatsender wichtigen Zielgruppe der 14- bis 49-jährigen Zuschauer betrug der Marktanteil nur 7,6 Prozent. Nicht nur das: Auch die Kritiken fielen am Dienstag gedämpft aus.

Das “Hamburger Abendblatt“ überschrieb seine Rezension mit den Worten: “Die Wiederkehr des Immergleichen“. Das Internet-Fachmagazin Meedia bezeichnete die Sendung als “müden Stern TV-Abklatsch“, das Maßstäbe in Sachen “Langeweile und Uninspiriertheit gesetzt habe. DWDL.de meinte über “Kerner“: “Deutlich zu beliebig“. Und Spiegel.de schrieb, dass der Ex-ZDF-Talker seine Identität noch finden müsse.

Süddeutsche.de zitierte den Rechtsanwalt Ralf Höcker aus Kerners Sendung mit dem aus dem Zusammenhang genommenen Satz “Das ist natürlich zum großen Teil Käse“ und fuhr fort: “Womit er zugleich recht treffend den 95-minütigen Abend charakterisiert hätte.“ Nicht nur für die Fachwelt, auch vielen Zuschauern dürfte das neue Magazin tatsächlich wie eine Mischung von “Stern TV“, ein wenig ZDF-Kerner, vermengt mit einem Hauch von “Schreinemakers live“ vorgekommen sein.

Dunkler Anzug mit Krawatte - so führte Johannes B. Kerner am Montagabend durch sein neues, 105 Minuten langes Sat.1- Magazin. Danach war der 44-Jährige schnell wieder umgezogen, Pullover mit wetterfester Weste, dicke Freizeitkleidung. Warm anziehen muss sich “Kerner“ - so auch der Titel der Sendung - auf jeden Fall in seinem neuen TV-Umfeld, denn die Mischung seiner neuen Show muss der Konkurrenz wie dem RTL-Knüller “Bauer sucht Frau“ standhalten.

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Ob er das mit den Auftaktthemen wie Baustellenchaos, Justizirrtümer, Auswüchse aus der Arbeitswelt oder Menschen, die mit Toten sprechen, auch auf Dauer kann? “Ich finde, wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte der Moderator optimistisch kurz nach der Aufzeichnung seiner Show im Studio Hamburg. “Wir wollen niemanden vor die Nase stoßen, präsentieren ein rein journalistisches Magazin, in dem es nicht darum geht, ob Star XY jetzt blonde Haare trägt oder nicht.“

Die neue Kulisse (“Mit Holz aus dem Baumarkt“, wie der Einheizer zur Einstimmung des Saalpublikums witzelte) erinnerte an Kerners ZDF- Talk: Der Chef saß mit seinem Schreibtisch quer zum Publikum, seine Gäste guckten frontal zur Kamera. Der Inhalt der Show dagegen ähnelte nicht dem ZDF-Kerner, sondern rief bei manchen Zuschauern eher Erinnerungen an Margarethe Schreinemakers hervor. Sat.1- Geschäftsführer Guido Bolten wollte sich auf diesen Vergleich nicht einlassen: “Ich habe Schreinemakers nicht gesehen. Ich wüsste auch nach der Premiere nichts, was man besser machen könnte.“

Kerner operierte bewusst verbrauchernah: Wer leidet nicht unter dem Baustellenchaos auf deutschen Verkehrswegen? 1,8 Milliarden Euro sind für den Straßenbau aus dem Kojunkturpaket geflossen, die müssen jetzt verbraten werden, sagte ein Experte im Studio. Eine Frau erzählte bei Kerner, dass sie jetzt bis zu acht Stunden mit dem Auto jedes Wochenende zu ihrem Freund pendeln müsse. Ja und die Bahn? “Die hat kein Preis-Leistungs-Verhältnis.“ Die Bahn sei auch nicht so ihr Ding.

Zu Gast bei Kerners Sat.1-Premiere war auch Romy Büssow, über deren Entlassung beim Discounter Aldi der vorletzte “Spiegel“ berichtete. Sie sei im Geschäft von drei Aldi-Managern vor die Wahl gestellt worden: Entweder den Aufhebungsvertrag unterzeichnen oder eine Eigenkündigung formulieren, die ihr diktiert worden sei. In erster Instanz wurde ihre Klage abgelehnt, der Anwalt äußerte die Hoffnung, dass das Landesarbeitsgericht in Kiel ein anderes Urteil fällen werde.

Der Schweizer Pascal Voggenhuber, der sich für ein Medium hält, verriet, dass jeder Lebende ein bis zwei Tote mit sich herumführe. Viele Leute im Studio guckten um sich herum, zu sehen war keiner. Reden könne er mit den Verblichenen auch nicht, schränkte Voggenhuber ein, aber er spüre ihre Emotionen und sehe Bilder. Und das schon seit dem zarten Alter von drei Jahren. Der vierfache Vater Kerner wandte ein, dass er in so einem Fall, sollte eines seiner Kinder auch solche Wahrnehmungen haben, überlegen würde, einen Arzt zu konsultieren.

Für Gelächter sorgte der Komiker Mario Barth, der von seinem ersten Auftritt vor neun Jahren erzählte, als nur sechs Besucher erschienen. Bei solch einem Andrang habe er überlegt, einen wegzuschicken. Vor kurzem hat Barth eine Stimmband-Operation über sich ergehen lassen. “Dass man danach nicht reden muss, ist das Schöne daran.“ Seine Freundin habe ihn nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus gefragt, ob er Hunger habe. Da habe er noch nicken können. Die nächste Frage war dann: “Was willst Du denn essen?“

Spätestens bei Mario Barths Auftritt wurde dem ein oder anderen Besucher der Show schon etwas frostig. Das lag aber an der Klimatisierung des TV-Studios. “Nächstes Mal“, versprach Kerner seinem Publikum, als die Kameras aus waren, “da schalten wir dann auch die Heizung an.“

Von Carsten Rave (dpa)

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