Mit Klischees muss man leben

- Heinz Rühmanns "Pater Brown" aus den Sechzigern stand Pate. Zum zehnten Mal ermittelt morgen im Ersten "Pfarrer Braun" alias Ottfried Fischer in einem Mordfall, anstatt sich um seine Schäfchen zu kümmern. Damit man dem Schauspieler den Geistlichen auch abnimmt, liest mit Dietmar Heeg auch ein "echter Pfarrer" die Drehbücher.

Der 42-jährige Frankfurter ist neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit Beauftragter der katholischen Bischöfe für die beiden großen Privatsendergruppen und verantwortet in dieser Eigenschaft unter anderem Formate wie den "Bibelclip" (RTL) und "So gesehen" (SAT1).

Ein Christus-Bild, das "echte" Tränen weint, Gläubige, die an den Ort des Geschehens pilgern und das Ganze für ein Wunder halten - recht kirchenkritisch, der Plot von "Ein Zeichen Gottes", oder?

Dietmar Heeg: Nein, ganz realistisch, denn wir hatten in den letzten Jahren einige Vorkommnisse dieser Art, etwa in Marpingen im Saarland, wo es Marienerscheinungen gegeben haben soll. So etwas zieht die Leute an. Die Kirche hat aber immer gut daran getan, solche Dinge kritisch zu sehen, und das tut sie ja in der Person von Pfarrer Braun.

Der Bischof im Film glaubt den Schmarrn aber auch ...

Heeg: Das ist eben das komische Element in den Pfarrer Braun-Filmen, dass hier der vermeintlich Kleine am Ende klüger ist als der vermeintlich Große.

Wie sind Sie zu dem Job gekommen?

Heeg: Ich habe schon zu Beginn meiner Tätigkeit in der katholischen Medienarbeit Mitte der Neunzigerjahre an den Drehbüchern zur SAT\x0f1-Serie "Schwarz greift ein" mit Klaus Wennemann mitgearbeitet. Ich hatte also ein bisschen Erfahrung damit. Und wohl deshalb hat mich die Produktionsfirma angefragt.

Haben Sie den Segen der Bischöfe?

Heeg: Ich muss nicht Kardinal Lehmann fragen, ob ich ein Drehbuch lesen darf. Die Kirche selbst ist sehr daran interessiert, dass das, was sie tut, auch im Film richtig rüberkommt.

Welche Probleme gibt‘s mit Autoren und Regie? Manches strotzt ja vor Klischees. Das fängt schon bei der Kleidung an.

Heeg: Mit Klischees muss man leben. Ich kann nicht von den Machern verlangen, dass der Protagonist nicht mehr als Priester erkennbar sein darf, weil ja auch viele Kapläne keine Priesterkleidung mehr tragen. Ganz im Gegenteil: Als Medienmensch weiß ich, dass man im Fernsehen im Allgemeinen und im fiktionalen Fernsehen im Besonderen eine Uniform braucht, um erkannt zu werden. Deshalb trägt der Arzt einen weißen Kittel und der Priester eben die Priestersoutane oder wenigstens den weißen Priesterkragen.

Und es kommt auch kaum eine Produktion dieses Genres ohne Szene im Beichtstuhl aus.

Heeg: Ich habe bei "Schwarz greift ein" Autoren und Regisseure darauf hingewiesen, dass es nicht nur Beichtstühle gibt, sondern auch Beichtzimmer. Bis ich irgendwann gesagt bekam: "Herr Pfarrer, Sie nehmen uns unsere schönsten Bilder!" Wenn ich Regisseur wäre, würde ich das wahrscheinlich genau so sehen.

Bei den Dialogen und insbesondere bei den liturgischen Formeln hört man aber auf Sie?

Heeg: Ja, wenn ein Gebet falsch ist oder der Ablauf des Gottesdienstes nicht stimmt. Manchmal täte da schon ein Blick ins Messbuch gut, das man sich vom Pfarrer nebenan leihen kann. Es gibt aber auch Autoren, die sich gut vorbereiten, die vorher anrufen und sich alles erklären lassen. Ottfried Fischer selbst ist übrigens sehr auf Authentizität bedacht.

Pfarrer und Nonnen sind im Fernsehen ganz beliebte Figuren. Das steht im Gegensatz zur Realität, wo sich die Kirchen immer mehr leeren ...

Heeg: Ich glaube, dass trotz allem der Pfarrer und die Nonne Identifikationsfiguren sind. Zwar hat nicht jeder gute Erfahrungen mit Kirchenvertretern gemacht, aber grundsätzlich gilt, und das ist auch meine Erfahrung als Priester, dass sich die Menschen nach wie vor uns anvertrauen. Klar werden manche vielleicht sagen: "So einen Pfarrer wie im TV würde ich mir auch mal wünschen." Aber es gibt auch außerhalb des Fernsehens wirklich gute Priester in Deutschland.

Fiktion als Werbung für die Kirche? Eine Botschaft im theologischen Sinne gibt‘s ja wohl nicht in einem Krimi ...

Heeg: Es sind Basisbotschaften, etwa wenn der kirchenkritische Zuschauer sagt: "Mensch, das war jetzt ganz klug, wie der Pfarrer reagiert hat." Oder wenn durch die Bibelzitate, die Otti Fischer oft augenzwinkernd benutzt, vermittelt wird, dass Bibel nichts von gestern ist, sondern uns auch heute noch etwas zu sagen hat.

Ihre Lieblingspfarrerserie?

Heeg: Nach wie vor "Don Camillo und Peppone". Das ist ja sozusagen die Mutter aller Serien rund um Kirche und Welt, wie sie ja jetzt in "Um Himmels willen" mit leicht verändertem Personal wieder auflebt. Auch davon lasse ich mich gern unterhalten. Und bei "Pfarrer Braun" schau ich ein bisschen genauer hin, ob die Dinge, die ich angeregt habe, auch wirklich umgesetzt wurden.

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

ARD, morgen (29. März 2007), um 20.15 Uhr, zwei weitere Folgen jeweils donnerstags zur gleichen Zeit

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