Ich bin die Knoblauchmama

- Als Kind schwor sie ihrer Freundin, alles zu teilen, als junge Frau sah sie zu, wie diese den Vater ihrer Kinder heiratete. Als Mutter und Großmutter setzt Charlotte immer noch ihr geheimnisvolles Lächeln auf, während sie dem dritten Mann und vielleicht der lang ersehnten Liebe ihres Lebens gegenübersteht.

"Ich lieb' den über alles", sagt die 60-jährige Schauspielerin Marianne Sägebrecht über ihren neuen Film "Charlotte und ihre Männer" (Buch: Hannah Hollinger, Regie: Dirk Kummer), in dessen Hauptrolle als sanfte wie zähe Familienmutter sich die gebürtige Starnbergerin auch selbst gefunden hat.

In "Charlotte und ihre Männer" sieht man Sie fast 90 Minuten lang als die personifizierte Güte . . .

Marianne Sägebrecht: Ja, die zwei Gs, Güte und Geduld, anstelle von Geiz und Gier, sind sehr wichtig. Das hat einerseits sehr stark mit dem Älterwerden zu tun - man entwickelt sie, um über die Zeit zu kommen. Andererseits will Charlotte als Physiotherapeutin mit heilenden Händen - die ich persönlich auch habe - dem Menschen ohne Einschränkung Energie zuführen, will, dass er ein ganzer, selbstbewusster Mensch wird. Die Dreiecksgeschichte mit der Freundin gibt's schon in der Bibel, bei Jakob, Rachel und Lea. Am Ende ist die Frau, die wie Charlotte ohne lang zu überlegen dem Mann ein Kind gebiert und sich dem Leben hingibt, diejenige, die ihm ein Leben lang näher ist.

Charlotte ist eine Frau der großen, doch wenigen Worte. Mögen Sie es, wenn sich ein Großteil Ihres "Textes" in der Mimik abspielt?

Sägebrecht: Absolut, das lieb' ich über alles. Das kam auch schon sehr stark von Percy Adlon her, der mich entdeckt hat. Meine große Gabe ist, dass ich beim Drehen sehr viele Dinge erarbeiten kann, die im Innenleben ablaufen. Ich kann auch nicht sagen: Ich spiele. Denn ich kann nur leben, erleben. Sehr oft ist es so, dass die Sprache des Menschen und die Körpersprache zwei verschiedene Dinge sind. Was der Körper erzählt, ist die eigentliche Wahrheit.

Inwieweit kommt Ihnen die stille, unaufgeregte Charlotte persönlich nahe?

Sägebrecht: Ich war schon früher beim Kabarett immer die Vermittlerin. Ich bin die Knoblauchmama, auch im Film, ich kann die Menschen wahnsinnig gut aus sich herausholen, zu einem noch besseren Ganzen bringen und ihnen das Bewusstsein geben, dass wir doch alle eins sind. Ich mag nicht die Häme von Künstlern, die sich so wichtig finden. Ich mag lieber mich selber nehmen und was erzählen über meine kleinen Tücken und was ich erlebe. Es ist mir wichtiger, ehrlich zu bleiben mit mir.

Charlottes Traum vom eigenen Haus platzt, und der PR-Manager Leo hängt seinen Job an den Nagel, um ihr näher zu kommen. Ist der Film auch eine Parabel aufs Glücklichsein ohne Geld?

Sägebrecht: Ich glaub', er ist eine Parabel auf den Wandel, dass man Menschen, Kinder gehen lassen kann und dennoch einander nicht verliert. Das finde ich bei Charlotte das Schöne, dass die völlig frei ist. Man kann kommen, man kann gehen - so bin ich auch. Ich mag keinen Besitz, denn ich will in Bewegung bleiben. Charlotte hat ihre eigene Welt, und sie sagt einen schönen Satz: "Ich helfe gerne, aber nur, wenn ich es mag." Ich denke, sie hat einen gesunden Egoismus: Hauptsache, man traut sich was, traut sich auch mal was zu.

ARD, heute, um 20.15 Uhr.

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