Die Königin des hintergründigen Humors

München - Evelyn Hamann, beliebte Schauspielerin und einstige Partnerin von Loriot, ist in der Nacht zum Montag nach schwerer Krankheit im Kreis ihrer Angehörigen gestorben. Sie wurde 65 Jahre alt.

Nichts hat die Öffentlichkeit über Evelyn Hamanns Erkrankung erfahren. Dass diese schon seit längerem der Schauspielerin zusetzte, darüber sprach ihr Manager erst gestern. Diese Tatsache verrät einiges über Hamann, die ihr Privatleben - im Gegensatz zu vielen ihrer Kollegen - eben auch strikt privat hielt. Zurückgezogen lebte sie zuletzt im Stadtteil Eppendorf ihrer Geburtsstadt Hamburg, mit Journalisten sprach sie selten, und selbst ihren 65. Geburtstag feierte sie heuer am 6. August in kleiner, privater Runde irgendwo im Ausland.

Evelyn Hamann brauchte diese klare Trennung von Privatem und Öffentlichem. Haltung zu wahren - das hätte sie sicher als eine positive Eigenschaft bezeichnet. Nur so gelang es ihr, den Charakteren, mit denen sie sich ihrem Publikum präsentierte, jenen schräg-traurigen Witz, jene melancholische Lebendigkeit und auch jene Gelassenheit im Anblick eigener Unperfektheit zu verleihen. Denn auch ihre Figuren mühten sich redlich, Haltung zu wahren - und bezogen oftmals daraus ihre ganz besondere, weil menschliche Komik. Auf diese Weise hat Evelyn Hamann unvergessliche Augenblicke und Höhepunkte der deutschen Fernsehunterhaltung geschaffen.

Natürlich denken viele, wenn ihr Name genannt wird, automatisch auch an Vicco von Bülow alias Loriot. Und es stimmt schon: Die Reisen, die beide zwischen 1976 und 1978 im Fernsehen unter dem Titel "Loriot I­VI" ins Absurdistan der bundesdeutschen Bürgerlichkeit unternommen haben, wären ohne den jeweils anderen unfertig. Unbestritten ist auch, dass Hamann durch diese Sendungen einem Millionenpublikum bekannt wurde.

Dabei hatte Loriot zunächst eine ganz andere Vorstellung von seiner Sketch-Partnerin. Die sollte eigentlich dem "Typus blonde pummelige Hausfrau" entsprechen. Der 19 Jahre ältere von Bülow versuchte damals zunächst, seine künftige Arbeitskollegin, die ihm schlank und brünett gegenüber saß, zu überzeugen: "Liebe Frau Hamann, wenn Sie auf unsere Kosten mehrere Wochen täglich Schweinshaxen essen, meinen Sie, Sie werden dann fülliger?" Wollte sie nicht, und Loriot musste umdenken. "Dann eben nicht pummelig".

Als die beiden sich 1975 trafen und ein Jahr später erstmals zusammen auf dem Bildschirm zu sehen waren, konnte Hamann bereits auf einiges an Bühnenerfahrung zurückgreifen: Sie war als Schauspielschülerin an der Hamburger Hochschule für Musik und Darstellende Kunst, übernahm bereits währenddessen kleinere Rollen am Thalia Theater und war von 1968 an in Göttingen, Heidelberg und Bremen engagiert.

Die vielleicht berühmteste Szene von Hamann und Loriot ist der "Nudel-Sketch". Wie gebannt und tiefernst beobachtet Hamann als Fräulein Hildegard die wenigen Zentimeter Teigware, die sich das Gesicht ihres Gegenübers zu erwandern scheinen. Der konzentriert sich indes so auf den Heiratsantrag, den er zu formulieren im Begriff ist, dass er blind für ihre vornehmen Hinweise zu sein scheint: "Hildegard, sagen Sie jetzt nichts." Hamann wurde zu Loriots "besserer Hälfte", von ihm lernte sie, wie Komisches im Fernsehen richtig gut wirkt: Genauigkeit, Zeit-gefühl und Detailliebe - "Die Inszenierung von Humor erfordert Strenge, Kunstfertigkeit und Disziplin", sagte sie einmal.

Wie gut sie das beherrschte, konnten die Zuschauer etwa bei jenem Sketch erleben, in dem Hamann eine Fernsehansagerin spielte, die zwar komplizierte englische Worte wie "Northcoffelstonehall" und "Middlefritham" fehlerfrei ausspricht, um dann grandios bei dem Wort "Schlips" zu scheitern. Evelyn Hamann liebte das Medium Fernsehen und erkannte dessen Chance, viele Menschen gut zu unterhalten. Sie war vielseitig, spielte ernste, tragische Frauengestalten etwa im "Tatort" und im "Alten", war aber auch beim "Landarzt" oder auf dem "Traumschiff" zu sehen. Als resolute Haushälterin Carsta Michaelis erspielte sie sich in der "Schwarzwaldklinik" die Herzen der großen Masse.

Ihr letzter großer Erfolg war die locker erzählte Krimireihe "Adelheid und ihre Mörder", bei der im Schnitt sechs Millionen Zuschauer einschalteten. 65 Fälle löste Hamann als Polizeisekretärin Adelheid Möbius von 1992 an. Im Mai 2006 wurde der letzte abgedreht - Hamann hatte um eine Pause gebeten.

Vielleicht ist das Geheimnis des Erfolgs und der Beliebtheit von Evelyn Hamann, dass sie ihre Arbeit stets in den Dienst der Zuseher gestellt und dabei nie ihre Figuren der Lächerlichkeit preisgegeben hat. Mögen diese noch so neurotisch gewesen sein.

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