Die Komik der Kommunalpolitik

München - Von der Großstadt geht's nun in die Provinz. In der fiktiven Marktgemeinde Schexing spielt der neueste Streich von Kultregisseur Franz Xaver Bogner (59), der zuletzt mit der preisgekrönten Serie "München 7" für Furore sorgte. Im Mittelpunkt der zunächst 22 Folgen (ab morgen jeweils freitags, um 21.35 Uhr im BR) steht der neue Bürgermeister des Ortes (Dieter Fischer), der "Kaiser von Schexing", der sich sein kleines Imperium erst erobern muss.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Serie über einen Bürgermeister, ein Rathaus auf dem Land zu machen?

Dafür gab es zwei Motive. Zum einen wollten wir nach "München 7" wieder eine eher studiobetonte Produktion machen. Zum anderen sollte das schon auch inhaltlich eine Art Rekurs sein auf frühere Sachen. Bei "Café Meineid" wurden die Geschichten verhandelt, bei "München 7" haben sie auf der Straße stattgefunden, das Rathaus ist nun der Ort, wo Ereignisse wie Nachbarschaftsstreitigkeiten oft ihren Anfang nehmen.

Haben Sie eigene Erfahrungen mit einer ländlichen Behörde, die da auch eine Rolle gespielt haben?

Nein. Überhaupt nicht.

Wie kommt man dann an solche Geschichten?

Naja, jeder weiß ja im Wesentlichen, wie so eine Gemeindeverwaltung funktioniert. Und auf die konkreten Geschichten kommt man, indem man sich auf die Leute stützt, die dafür sorgen, dass sie publik werden, und das sind die Lokaljournalisten. Man muss also sehr viel und sehr aufmerksam Zeitung lesen und Geschichten finden, die den Rahmen einer gewissen Kleinheit nicht sprengen.

Was heißt Kleinheit?

Man kann auch Alltag sagen. Ich finde nichts faszinierender als den sogenannten grauen Alltag. Weil ich glaube, dass dort das Wesentliche passiert. Dramatische Höhepunkte sind nicht mein Ding. Ich mag handlungsarme Situationen, in denen das Verhalten der Menschen im Vordergrund steht, weil dadurch die Schauspieler ­ sofern man gute hat ­ enorm viel Platz bekommen.

Würden Sie sagen, dass das, was Sie in "Der Kaiser von Schexing" erzählen, typisch bayerisch ist?

Vom Humor her ist das sicherlich typisch bayerisch, aber ich kann mir genauso gut vorstellen, dass man die Handlung sozusagen dialektanalog auch in Ostfriesland stattfinden lassen könnte. Letztlich haben diese beiden Mentalitäten vieles gemeinsam. Man tut permanent so, als sei man a bisserl deppert, um die Leute auflaufen zu lassen und am Ende den Vorteil davon zu haben.

Wie schwer war es denn für Sie, Schauspieler zu finden, die die Mundart sprechen, die Ihnen vorschwebt?

Nicht so schwer, wenn man wirklich gründlich sucht.

Wie sind Sie auf Dieter Fischer als Hauptdarsteller gekommen?

Dieter Fischer hat in "München 7" in der letzten Folge einen Penner gespielt, der früher Anwalt war. Und die Geschichte ging so, dass er sich vom Penner in den Anwalt zurückverwandelt. Und das hat er so perfekt gemacht, dass sogar einige aus dem Team ihn nicht mehr wiedererkannt haben. Da wusste ich, dass es da ein Potenzial gibt. Dass das gut gehen kann. Aber das geht nur mit viel Vertrauen, vor allem auch mit dem Vertrauen, das mir der Sender entgegenbringt.

Ottfried Fischer, Andreas Giebel, Jockel Tschiersch, Monika Gruber ­- Sie haben eine Affinität zu Kabarettisten . . .

Das sind Leute, die ich gut kenne und mit denen ich mich gut verstehe. Mit einigen, Jockel Tschiersch beispielsweise, bin ich sozusagen groß geworden. Die haben aufgrund der Tatsache, dass sie schnell denken und auf der Bühne sehr spontan reagieren müssen, viel Sinn für Szenenwitz. Und wenn man gut miteinander kann, sind Kabarettisten ein großer Gewinn für eine Produktion.

Würden Sie sich als streng empfinden?

Es gibt viele blöde Sprüche in unserem Beruf, wie: "Gute Stimmung, schlechter Film, schlechte Stimmung guter Film." Weil bestimmte Regisseure vielleicht meinen, dass sie nur durch sehr energisches Auftreten Schauspieler zu Spitzenleistungen bringen. Ich glaube, dass man als Regisseur eine gute Stimmung erzeugen sollte, zumal, wenn man Komödien dreht.

Ihrem Kollegen Helmut Dietl sagt man nach, er dulde nicht die kleinste Textänderung...

Ich achte schon auch darauf, dass das, was ich an Komik in einem Text vermute ­- vermuten muss, weil ich ihn selbst geschrieben habe ­, nicht kaputt geht. Aber ich hänge nicht dogmatisch an bestimmten Ausdrücken. Wenn ich merke, dass jemand damit Probleme hat, dann schmeiße ich den Satz schon mal weg. Der Reiz an diesem Beruf besteht ja darin, dass man Sachen ausprobieren kann. In Bezeichnungen wie Schauspieler oder Spielleiter kommt ja nicht von ungefähr das Wort "Spiel" vor. Man sollte als Regisseur schon darauf achten, dass dieser Begriff auch genügend Raum kriegt.

Ist "Der Kaiser von Schexing" nach den bereits fertig gestellten zwei Staffeln auserzählt?

Nein. Und die dritte Staffel ist auch schon beschlossene Sache. Die Dreharbeiten für die Folgen 23 bis 36 beginnen im September. Ich habe das Gefühl, dass die Figuren bisher noch gar nicht plastisch genug sind, dass man sie so richtig aufeinander loslassen könnte. Da steckt noch viel drin. Ich glaube ja sowieso, dass die Skurrilität, Merkwürdigkeit und Komik bayerischer Kommunalpolitik im Prinzip unerschöpflich ist.

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

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