Katja Kraft

Krimi nach Terroranschlag verlegt

Kommentar: Den "Tatort" zu verschieben ist heuchlerisch

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Die ARD hat sich nach dem Terroranschlag von Paris entschieden, zwei "Tatort"-Krimis zu verschieben. Merkur-Redakteurin Katja Kraft empfindet das als Betroffenheitskultur, die niemanden weiterbringt.

Auch einer, der Schweiger heißt, hält nicht immer den Mund. Dann zum Beispiel, wenn ein TV-Sender entscheidet, nach den Terroranschlägen von Paris den Ausstrahlungstermin für zwei neue „Tatort“-Folgen zu verschieben. Hauptdarsteller Til Schweiger findet’s falsch. 

Und damit hat er Recht. 

Die Sensibilität der Senderverantwortlichen für die Gefühle der Zuschauer in allen Ehren: Was ändert es, wenn stattdessen ein anderer Krimi gezeigt wird? Wer trauert, wird statt Schweiger ebenso wenig Furtwängler und Milberg als lockere Ablenkung im Ersten anschauen wollen. Und die Verschiebung auf Januar? Heuchlerisch – nach dem Motto: In zwei Monaten ist das Thema durch, Trauerbekundungen abgehakt. 

Das ist Betroffenheitskultur, die niemanden weiterbringt. Sondern denen in die Hände spielt, die mit ihrem Terrorismus doch vor allem eines möchten: verängstigen, verunsichern, Vernichter von Freiheit und Lebensfreude sein. „Tatort“, das ist Unterhaltung. Jedes Jahr passieren etliche Morde, Vergewaltigungen, Familiendramen – der Argumentation der Senderchefs zufolge dürfte die Reihe dann eigentlich gar nicht mehr gezeigt werden.

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