Im Krimi die Gesellschaft erklärt

Zum Tod von Herbert Reinecker: - Der Erfinder von ZDF-Krimiserien wie "Derrick" oder "Der Kommissar" hat es sich nie leicht gemacht. "Man muss den Lauf der Welt in einem großen Zusammenhang sehen", sagte Herbert Reinecker anlässlich seines 90. Geburtstages im Dezember 2004. Moralische Schranken gebe es nicht mehr. Reinecker selbst befand, es sei nicht gut, wenn Krimis nur der Unterhaltung dienten.

Er wollte die Gesellschaft erklären -­ und zugleich die Menschen mahnen. Seine Geschichten handelten stets von schuldhafter Verstrickung. Der Autor vieler hundert Drehbücher starb bereits am 26. Januar im Alter von 92 Jahren in seinem Haus in Berg (Landkreis Starnberg).

Über 400 Krimis hat Reinecker verfasst, davon allein 281 für die Fernsehserie "Derrick" mit Horst Tappert in der Titelrolle. Tappert klagte über die ersten Drehbücher, der Autor habe ihm "Sätze in den Mund gelegt, die auch "Der Kommissar" hätte sprechen können". Der Schauspieler musste sich an Reineckers Stil erst gewöhnen. Er hatte auch keine andere Wahl: "Ich hatte immer völlig freie Hand bei der Wahl meiner Geschichten. Die wurden dann auch so verfilmt", betonte Reinecker einmal.

Mit den Kriminalfilmen des ausgehenden 20. Jahrhunderts konnte er sich nicht mehr identifizieren: "Heute wird die Qualität eines Textes nur noch am Unterhaltungswert und an den Quoten gemessen." Das sei bei ihm noch anders gewesen.

Der im nordrhein-westfälischen Hagen geborene Sohn eines Bahnbeamten prägte ein ganzes (Krimi-)Genre. Vor "Derrick" hatte er die nicht weniger populäre Serie "Der Kommissar" erfunden, für die er von 1969 bis Anfang 1976 knapp 100 Folgen schrieb. Die Zeiten, in denen er noch etwas habe "loswerden müssen", seien vorbei. "Alles hat seine Zeit. So wie ich Krimis geschrieben habe, so verfasst sie heute keiner mehr", sagte er, nachdem "Derrick" 1998 in den Ruhestand geschickt worden war.

Sein Leben "nach Derrick" verbrachte Reinecker gemeinsam mit seiner Frau Holly in einem Haus am Starnberger See. "Ich bin sehr glücklich, auch wenn ich manchmal nur einen Satz am Tag schreibe", sagte er. Nur durch die Hilfe seiner Frau könne er trotz eines Augenleidens noch aktiv am Leben teilhaben.

Die Karriere Reineckers hatte auch ihre Schattenseiten. Nach seinem Eintritt 1932 in die Hitlerjugend wurde er Propagandaschreiber beim "Reichsjugendführer" in Berlin. Im Zweiten Weltkrieg war er Kriegsberichterstatter. Im Jahr 1953 entstand sein Bestseller "Kinder, Mütter und ein General", der nach seinem Drehbuch auch erfolgreich verfilmt wurde. Für sein Werk zum Kinoerfolg "Canaris" erhielt er das Filmband in Gold.

Zum Fernsehen fand er in den sechziger Jahren durch die Zusammenarbeit mit dem Produzenten Helmut Ringelmann. In dieser Zeit haben ihm vor allem die Drehbücher für seine pfiffige Rentnerserie "Jakob und Adele" mit Carl Heinz Schroth und Brigitte Horney berühmt gemacht. Der passionierte Golfspieler Reinecker war zwei Mal verheiratet und hat zwei Kinder aus erster Ehe. Im Februar 2003 kündigte er an, seinen beruflichen Nachlass -­ fast 500 Drehbücher, Manuskripte und Briefe -­ dem Filmmuseum Berlin zu vermachen. "Herbert Reinecker verabschiedet sich von seinen Freunden", steht in der kleinen Todesanzeige, die jetzt erschien. Seine Familie wollte keinen Rummel um den Mann, der einst den Stoff lieferte, aus dem die Krimis sind.

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