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Schillernder und prägender Teil einer wilden Zeit: Rudolph Moshammer ist Hauptfigur einer Gesellschaftssatire mit dem Arbeitstitel „Ich und R“.

Film über Rudolph Moshammer

Kritik am geplanten TV-Film: Verunglimpft unseren Mosi nicht!

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„Licht für Obdachlose“-Chef Florian Besold fürchtet durch den geplanten TV-Film eine Verunglimpfung von Mosis Andenken. Der Produzent jedoch verteidigt das Projekt. 

München - Der Bayerische Rundfunk bringt Rudolph Moshammers Leben ins Fernsehen – als Gesellschaftssatire! Wie berichtet, soll der Film ausdrücklich keine Biografie werden, er ist lediglich angelehnt an das Leben des Münchner Modekönigs, der vor zwölf Jahren ermordet wurde. Im Mittelpunkt des Neunzigminüters, der 2018 im Ersten ausgestrahlt werden soll, steht eine Freundschaftsgeschichte, die es in Wahrheit nie gegeben hat, nämlich zwischen Mosi (gespielt von Thomas Schmauser) und einer jungen Frau namens Evi (Lena Urzendowsky), mit deren Hilfe der Unternehmer Moshammer die „Herzen und Geldbörsen der wahrhaft Reichen“ (BR) gewinnen will.

Ein Film über Rudolph Moshammer (in dem der Protagonist tatsächlich so heißt wie das Original), der wesentliche Aspekte seines wahren Lebens ausspart? Kann das gut gehen? Florian Besold hat zumindest seine Zweifel. Der Münchner Rechtsanwalt ist Vorsitzender des Vereins „Licht für Obdachlose“, der einst als Stiftung von Mosi gegründet wurde, und ein großer Kämpfer, wenn es um den Erhalt von Mosis Andenken geht. „Vor einiger Zeit hat mich die Produktionsfirma des Films über das Projekt in Kenntnis gesetzt“, erzählt Besold im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Inhalt von „Ich und R“, so der Arbeitstitel, sei ihm grob umrissen worden: „Ich hatte schnell das Gefühl, dass es sich eher um ein Fantasiestück handelt als um eine filmische Biografie“, so der Jurist, dessen größte Sorge es ist, dass in dem Film Mosis immenses soziales Engagement in Misskredit gerät. „Da werde ich ganz genau hinschauen“, kündigt er an. „Und dem Bayerischen Rundfunk gegebenenfalls schwer auf die Finger klopfen.“

Die Hauptfigur sollte nicht Moshammer heißen: Florian Besold (hier an Mosis Grab) sieht das Projekt skeptisch.

Florian Besold weiß natürlich, dass gerade die Satire in Deutschland unter besonderem Schutz steht. Das Projekt genießt künstlerische Freiheit. Aber dennoch hätte er das Drehbuch von Autor und Regisseur Alexander Adolph gerne in Gänze gekannt, bevor die Kameras in Prag und München zu laufen beginnen (Drehstart war Anfang dieser Woche). Außerdem – wenn die Geschichte schon so frei erzählt wird, mit komplett erfundenen Passagen, die mit Mosis Leben nichts zu tun haben, dann hätte er sich gewünscht, dass die Hauptfigur des Films nicht den Namen Rudolph Moshammer trägt. Das habe er der Produktionsfirma auch empfohlen, so Besold.

Sehr frei nacherzählt: Thomas Schmauser und Hannelore Elsner als Rudolph und Else Moshammer.

Offensichtlich ohne Erfolg. Produzent Christian Popp kann die Diskussion nicht verstehen. „Dass wir den Namen Rudolph Moshammer eins zu eins übernehmen, liegt doch in der Natur der Sache“, sagt er. „Stellen Sie sich vor, Sie sehen Thomas Schmauser im Film, mit diesem Kostüm, diesen Haaren – und dann heißt er Peter Moshummer oder so. Das wäre doch absurd.“

Abgesehen davon – nicht nur der federführende BR, auch Produzent Popp ist sich sicher, dass dieses jetzt schon schlagzeilenträchtige Projekt der schillernden Persönlichkeit Rudolph Moshammers gerecht wird. „Nichts liegt uns ferner, als ihn mit unserem Film zu diskreditieren“, sagt Popp. „Wir erzählen vom München der Achtzigerjahre – von einer wilden Zeit.“ Und Moshammer sei nun mal ein schillernder und prägender Teil dieser Gesellschaft gewesen, eine Ikone. „Darüber erzählen wir mit den Mitteln einer Gesellschaftssatire“, so Popp. Vieles sei komplett erfunden, noch lebende Personen aus Mosis damaligem Umfeld kämen überhaupt nicht vor.

Ist der Sender also juristisch auf der sicheren Seite? „Die Persönlichkeit des Menschen wird auch über den Tod hinaus geschützt“, stellt ein Münchner Anwalt auf Anfrage unser Zeitung klar. Dies folge aus Artikel 1 des Grundgesetzes, wonach die Würde des Menschen unantastbar ist. Und weiter: „Einen auf dieses sogenannte ,postmortale Persönlichkeitsrecht‘ gestützten Abwehranspruch gegen eine mögliche Verunglimpfung können aber nur enge Verwandte des Toten geltend machen.“ Das heißt, selbst wenn Mosi in dem Film falsch dargestellt würde, hätte dies keine Konsequenzen. Es gibt schließlich keine Hinterbliebenen. Ein juristisches Gutachten, das von der Produktionsfirma in Auftrag gegeben wurde, beurteilt das Projekt zudem als unbedenklich.

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