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Ehe gescheitert: Sascha Bukow (Charly Hübner).

Große Schauspielkunst

Kritik zum Polizeiruf aus Rostock: Bröckelnde Fassaden

München - Der Polizeiruf 110 aus Rostock war große Schauspielkunst. Er zeigte, dass Ermittler mit Privatleben extrem spannend sein können. Und das, obwohl der Plot doch gewagt war.

Schon allein das Gesicht von Charly Hübner als Alexander „Sascha“ Bukow macht diesen Krimi sehenswert. Wie es beim Gespräch mit der (Ex-)Frau kurz vor Schluss jäh verhärtet, zum Bunker zu werden scheint, an dem die scharfkantigen Scherben seiner zu Bruch gehenden Ehe abprallen sollen – das ist große Schauspielkunst.

Christian von Castelbergs jüngster, insgesamt dritter „Polizeiruf 110“ aus Rostock ist – unter anderem – ein Männerfilm. Der Regisseur zoomt sich immer wieder nah heran an die bröckelnden Fassaden seiner Protagonisten, er zeigt einen jungen Mann (Christian Friedel), der den Coup seines Lebens landen wollte und nun panisch sein verlorenes Gedächtnis sucht. Er zeigt einen Unternehmer in Angst vor der Entdeckung seiner krummen Touren, einen schwitzenden Killer und zwei Kriminaler im Liebesfrust.

Diese fein inszenierten Studien erden einen Film, dessen Plot (Florian Oeller) vom Mörder wider Willen doch recht gewagt erscheint. Die kindliche Zeugin, die plötzlich im Geld schwimmt, die Erpressung, die zur Bluttat eskaliert, die politische Dimension eines ambitionierten Wirtschaftsprojekts – geschickt fügt von Castelberg die losen Enden der Story nach und nach zusammen und kommt dabei (fast) ohne die bekannten Stereotypen des Subgenres Politthriller aus.

Und immer im Hintergrund die persönlichen Schicksale der Akteure. Es ist aber einfach auch ein außerordentlich gutes Team, das die Macher da versammelt haben – mit Hübner, mit Andreas Guenther und Josef Heynert als Pöschel und Thiesler und vor allem mit der wunderbaren Anneke Kim Sarnau, die als Katrin König hart aber weiblich den Kerlen Paroli bietet.

Ermittler mit Privatleben sind nicht automatisch Garanten für gelungene Krimis – aber wenn Polizisten auch außerberuflich stattfinden sollen, dann so wie hier. Nach dem verstörenden „Familiensache“ schon wieder ein sehr guter „Polizeiruf“ aus dem Norden. Man freut sich auf den nächsten.    

Rudolf Ogiermann

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