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Grundguter Aktivist: Helmut Zierl im Bremer "Tatort".

TV-Kritik

Der Tatort aus Bremen: Wie ein Windrad bei Flaute

Windparks, die „offshore“, also vor der Küste, errichtet werden, gelten als besonders umweltfreundliche Kraftwerke – per definitionem ohne Anwohner, die sich von ihnen gestört fühlen könnten. Diesem Bild ein paar Macken zu versetzen haben sich die Macher des jüngsten „Tatort“ (ARD) aus Bremen vorgenommen.

Bei Drehbuchautor Wilfried Huismann steht also nicht wie sonst oft der Typus Chef eines Chemiekonzerns, der giftige Abwässer im Naturschutzgebiet versickern lässt, im Fokus, sondern ein (vermeintlicher) Saubermann.

Und wie das so ist in Krimis, in denen verschiedene (politische) Positionen besetzt werden müssen, gibt es für jede Meinung einen Kopf. In diesem Sinne bebildern Huismann und Regisseur Florian Baxmeyer ihre Episode „Wer Wind erntet, sät Sturm“ (dieser Titel allerdings hat etwas!) recht platt mit Charakteren, denen man die Gesinnung auf drei Seemeilen Entfernung ansieht.

Da gibt es den sturmerprobten, grundguten Aktivisten (Helmut Zierl), der eines dieser „zu groß geratenen Gänseblümchen“ entert und Bilder vom „gigantischen Vogelschredder“ verbreitet, da gibt es den jungen Fundamentalisten (Lucas Prisor), für den der kleinste Kompromiss Verrat ist, da gibt es die medienerfahrene Umweltschützerin (Annika Blendl), die – erkennbar vom Luxusleben infiziert – nicht länger nur Schwarz oder nur Weiß gelten lassen kann oder will. Und – als Krönung – den durch und durch skrupellosen Finanzhai (Rafael Stachowiak).

Doch diese Figurenkonstellation erzeugt ungefähr so viel (kriminelle) Energie wie ein Windrad bei Flaute. Zu konstruiert wirken die Konflikte zwischen den Parteien, zu künstlich die persönlichen Beziehungen der Kontrahenten, die einst – was sonst – Arm in Arm auf der „richtigen Seite“ standen. Hinzu kommt die oft allzu formel- und floskelhafte Sprache, mit der vor allem Thomas Heinzes „guter“ Unternehmer („An die Arbeit, Männer!“) zu kämpfen hat.

Dass am Ende fast alle tot sind und die rätselhafte Katrin ein Zelt, Symbol des Widerstands gegen naturgefährdende (Bau-)Projekte, pittoresk in Flammen aufgehen lässt, nimmt man nur achselzuckend zur Kenntnis. Nicht jeder (umwelt-)politische Konflikt eignet sich eben zum spannenden Politthriller.

Rudolf Ogiermann

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