Kritik am TV-Programm der Privaten

Hamburg/Freiburg - Unionspolitiker und Kirchenvertreter haben das Programm der privaten Fernsehsender an den Ostertagen wegen der zahlreichen Gewaltfilme kritisiert.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) sagte der "Bild am Sonntag", es wäre wünschenswert, dass auch die privaten Medien auf die religiösen Gefühle der Mehrzahl der Bürgerinnen und Bürger Rücksicht nehmen. An diesem Osterfest sei das nicht gelungen.

Ähnlich äußerte sich CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer. Die Ostertage sollten Tage des Friedens und des Miteinanders sein. Da sei Brutal-TV fehl am Platz. Auch der Medienbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, Markus Bräuer, kritisierte das Programm. Der Film "Stirb langsam" sei genauso unpassend wie der dazugehörige Trailer mit einem schmelzenden Osterhasen, sagte Bräuer.

Die Sender Sat.1 und RTL wiesen die Vorwürfe zurück. "Stirb langsam" sei ein beliebter Filmklassiker, sagte Sat.1-Sprecherin Kristina Faßler der Zeitung. RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer betonte, auch an christlichen Feiertagen werde ein ausgewogenes Programm für die ganze Familie und jeden Geschmack gezeigt. Nach Angaben der "Bild am Sonntag" summierten sich die Action- und Horrorfilme von Karfreitag bis Ostermontag aus knapp 40 Stunden.

Bischof Gebhard Fürst sagte dem "Spiegel" in seiner Funktion als Vorsitzender der publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz: "Offenbar gehen die Privatsender davon aus, dass Religion Privatsache ist und bei ihnen nicht vorkommen muss. Man schaut dort leider nur auf die Quoten. Das ist ein Angriff auf die öffentliche Ordnung." Wenn der Staat am Karfreitag Tanzveranstaltungen verbiete und es gleichzeitig im Fernsehen Mord und Totschlag gebe, "kann der Bürger die Plausibilität von staatlichen Regelungen nicht mehr nachvollziehen". Fürst bemerkte, dass die Kirchen im öffentlich-rechtlichen Radio "gut präsent" seien, aber bei den TV-Sendern "massive Probleme" hätten.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, ermahnte die Massenmedien in einem Pontifikalamt im Freiburger Münster am Ostersonntag zur sozialen Verantwortung. Zu den möglichen Gefahren der Medien gehöre, dass sie die Wirklichkeit nicht nur abbildeten, sondern "dass sie um einer höheren Quote willen bestimmte Ereignisse auf suggestive Weise selbst schaffen", sagte Zollitsch. Zugleich erinnerte er auch die Mediennutzer an ihre Verantwortung. "Jeder und jede von uns hat die Freiheit, sich bestimmte Dinge nicht anzuschauen oder rechtzeitig den Abschaltknopf zu bedienen." Zollitsch lenkte den Blick besonders auf die Erziehungsverantwortung der Eltern.

Auch der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Marx, kritisierte in einem Interview der "Bild am Sonntag" die Ausstrahlung von Gewalt- und Actionfilmen: "Ich schaue mir so etwas nicht an, und solche Sendungen sind natürlich auch kein angemessener Umgang mit der Osterbotschaft." Nach Ansicht des Erzbischofs sind auch die christlichen Parteien für das Niveau der Fernsehlandschaft verantwortlich. "Die CDU hat das Privatfernsehen doch gefördert - und glaubte, die TV-Qualität werde sich bessern. Ich war da immer schon skeptisch. Nicht immer sorgt der freie Markt für Qualität." Es greife aber zu kurz, allein den Medien den Verfall der Sitten vorzuwerfen.

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