Kritik an ZDF-Interview mit Ahmadinedschad

Berlin - Der Zentralrat der Juden kritisiert das Ahmadinedschad-Interview im ZDF. Man hätte damit dem iranischen Präsidenten eine Plattform als „notorischen Holocaust-Leugner“ geboten.

Das von „heute journal“-Moderator Claus Kleber geführte ZDF-Interview mit dem iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad ist beim Zentralrat der Juden in Deutschland auf Kritik gestoßen. Zentralrats-Präsident Dieter Graumann sagte der „Bild am Sonntag“: „Ich bin sehr enttäuscht, dass ein angesehener deutscher Journalist - und obendrein in einem öffentlich-rechtlichen Sender - derart dreiste Bemerkungen einfach unwidersprochen lässt und so dem notorischen Holocaust-Leugner Ahmadinedschad bereitwillig die Plattform gibt, um sein übles Gift zu verbreiten.“

ZDF-Sprecher Alexander Stock teilte am Sonntag auf dapd-Anfrage mit, Kleber sei ein Kenner der Region und der geopolitischen Zusammenhänge. „Er hat sich auf das Gespräch intensiv vorbereitet und mit Absicht nicht durch Nachfragen eine 'Diskussion' über die Position Ahmadinedschads zum Holocaust angestoßen“, betonte Stock. „Diese hätten dem iranischen Präsidenten nur die Gelegenheit geboten, seine bekannten Thesen auszubreiten.“

Verständnis für kritische Diskussion

Das ZDF habe das Interview in seinen Sendungen und im Onlineangebot durch eine breite Berichterstattung flankiert, um den Zuschauern eine Einordnung des Gesprächs zu ermöglichen. Darüber hinaus habe es im Zweiten ein großes Interview mit dem israelischen Verteidigungsminister, Ehud Barak, gegeben, der auf Ahmadinedschads Drohungen reagiert habe. „Eines der seltenen Interviews mit dem iranischen Staatschef zu führen, ist eine besondere journalistische Herausforderung. Das ZDF hat Verständnis dafür, dass das Ergebnis auch kritisch diskutiert wird“, fügte Stock hinzu.

Der im Iran geborenen Grünen-Politiker Omid Nouripour sprach der „Bild am Sonntag“ zufolge von einem „moralischen Versagen“ Klebers. Nouripour sagte der Zeitung: „Kleber hat die blutige Unterdrückung der Proteste gegen das Regime im Iran gar nicht erst thematisiert, was ein schwerwiegender journalistischer Fehler ist.“ Denn die Menschenrechtsfrage im Iran sei von der Atomwaffenfrage inhaltlich gar nicht zu trennen.

Das ZDF wies diese Kritik zurück. In der Langfassung des Interviews (www.heute.de) sind KIebers Fragen zu Menschenrechten in Iran dokumentiert. In der im „heute journal“ am 19. März ausgestrahlten Kurzfassung des Gesprächs sei diese Passage „wegen der journalistisch gebotenen Fokussierung auf die aktuelle atomare Bedrohung“ nicht enthalten gewesen, teilte der Sender mit.

dapd

Rubriklistenbild: © dapd

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