Die Krux mit der Bürgerversammlung

München - Andi Kaiser ist der "Kaiser von Schexing": der Bürgermeister eines fiktiven 5000-Einwohner-Ortes in Bayern. Die TV-Serie von Franz Xaver Bogner, die heute Abend im Bayerischen Fernsehen läuft, zeigt kuriose Geschichten aus dem Rathaus-Alltag, die irgendwo im Freistaat passiert sind. Auch unsere Zeitung hat sich in Rathäusern der Region umgehört ­ und süffisante Episoden ausgegraben.

Serie: Kurioses aus dem Rathaus-Alltag

Kaum war er Oberbürgermeister von München geworden, schon tippte Christian Ude los. Nach rund acht Jahren ­ es war 2001 ­ erschienen "Meine verfrühten Memoiren". "München bleibt auch nichts erspart", scherzte er damals oft. Inzwischen ist der Sozialdemokrat in seiner letzten Amtsperiode; bei der Kommunalwahl 2014 will er nicht mehr antreten. Skurrile Geschichten wird er trotzdem noch erzählen können, wenn auch ein bisschen überspitzt. Da war zum Beispiel mal die Sache mit einer schwierigen Bürgerversammlung . . .

"Oiso, i muas jetz wos song. Wissn S', wias bei mir in der Straß' zuageht? Mir kenna auf d'Nacht koa Aug' zuamacha, weil's wia de Narrischn bei uns durchsausn. Woanders geht's ja a, dass ma a Schuidl aufstellt und de ganze Straß' werd a Tempo-dreißig-Zone!" Nachdem der Anwohner sich wieder hingesetzt hatte, bedankte sich der Bürgermeister für die "sachliche Diskussion"; innerhalb eines Jahres wurde eine Tempo-30-Zone eingeführt. Bei der nächsten Bürgerversammlung meldete sich der Mann erneut zu Wort ­ zufrieden war er nicht.

"Wissen Sie, wos die Deppn jetz ogstellt ham? De ham bei uns so a Schuidl aufgstellt, so Tempo-30 ­ und wos huift des? Überhaupt nix! Wenn ma wos Gscheits macha wui, dann muas ma scho die Fahrbahn enga macha und Baam pflanzn und a paar Schwelln neibaun. Man muas so a richtige Verkehrsberuhigung herbringa." Auch an diesem Abend bedankte sich der Bürgermeister für die "sachliche Diskussion". Innerhalb des kommenden Jahres, schrieb er in seinen verfrühten Memoiren, "ist es gelungen, verkehrsberuhigende Maßnahmen durchzuführen". Aber bei der darauf folgenden Bürgerversammlung meldete sich der Anwohner wieder zu Wort ­ und wieder war er sauer.

"Da ham de doch glatt de Fahrbahn, wo eh scho vui z'eng is, no enga gemacht, dassd' kaum no durchkummst. Und wenn's da amoi pressiert, damits d' no rechtzeitig zur Arbeit kummst, dann haut's de bei dene blädn Schwelln mitm Schädl gegen s'Autodach." Der Bürgermeister bedankte sich für die "sachliche Diskussion" ­ und sagte: "Wir werden uns nach Kräften bemühen, die konstruktiven Vorschläge umzusetzen." Liebe Leser! Kennen auch Sie eine kuriose Geschichte aus Ihrem Rathaus? Dann schreiben Sie uns: Münchner Merkur Bayern-Redaktion Stichwort "Rathaus-Alltag" Paul-Heyse-Straße 2-4 80336 München Oder per E-Mail: bayern@merkur.de

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