Die Kugeln dürfen weiter rollen

München - Die "Lottofee" ist nicht in Gefahr. Mit dieser Klarstellung reagierten der Deutsche Lottoblock und der Hessische Rundfunk (HR), der die Ziehung der Lottozahlen für die ARD überträgt, am Donnerstag auf entsprechende Spekulationen der privaten Lottovermittler.

Der Deutsche Lottoverband hatte das vorläufige Ende von Günther Jauchs "5 Millionen SKL Show" bei RTL zum Anlass genommen, auch anderen Sendungen wie der Ziehung der Lottozahlen das Aus vorherzusagen. Die "Lottofee" werde sich "einen neuen Job suchen müssen", hieß in einer Erklärung des Verbandes. Der seit Jahresbeginn geltende Glücksspielstaatsvertrag verbietet Werbung im Fernsehen für öffentliche Glücksspiele. Ausgenommen sind jedoch Veranstaltungen, die traditionell in Verbindung mit dem Fernsehen präsentiert werden und die vorrangig gemeinnützigen Zwecken dienen.

Lottoblock-Sprecher Klaus Sattler erklärte: "Die Ziehung der Lottozahlen in der ARD und im ZDF hat keinen werblichen Charakter, sondern ist eine Information der Sender. Sie trägt in erheblichem Maße zur Transparenz und Seriosität des Zahlenlottos bei." Zwar verbiete der Glücksspielstaatsvertrag Werbung, doch sei die Ziehung der Lottozahlen von dieser Regelung ausgenommen.

Auch der Hessische Rundfunk wies die Darstellung des Lottoverbandes zurück. Die Ziehung der Lottozahlen sei keine Unterhaltungsshow, sondern eine Informationssendung, erklärte HR-Sprecher Tobias Häuser: "Es handelt sich auch keineswegs um eine Werbesendung für die staatlichen Lotto-Gesellschaften." Dieser Beurteilung schloss sich das bayerische Innenministerium als Aufsichtsbehörde für das Glücksspiel an. Man sehe keinen Grund für ein Fernsehverbot der Ziehung, sagte ein Sprecher auf Anfrage unserer Zeitung. Der Lottoverband hatte unter Berufung auf den neuen Staatsvertrag erklärt, nun drohe neben der Ziehung der Lottozahlen auch Sendungen wie "Aktion Mensch" (ZDF), und der ARD-Fernsehlotterie "Ein Platz an der Sonne" das Aus.

Dem widersprach für die ARD der Fernsehprogrammdirektor des Norddeutschen Rundfunks, Volker Herres. Sendungen wie die ARD-Fernsehlotterie erspielten Geld zum Wohle von Sozial- und Umweltprojekten. Ein Verbot solcher Sendungen wäre "schwer nachvollziehbar". Die "Gralshüter gesellschaftlicher Correctness entwickeln hierzulande allmählich ein Verhältnis zu Glücksspielen wie das viktorianische Zeitalter zum Sex", so Herres an die Adresse der Länder.

Die ARD-Fernsehlotterie selbst sieht keinen Anlass, die Reihe "Das unglaubliche Quiz der Tiere" aufgrund der neuen Rechtslage zu überarbeiten. Das Format sei keine Lotterieshow, so Lotterie-Sprecher Ulrich Markus Trofimov gestern: "Man kann nicht spielen und nicht gewinnen." Das Quiz mit Frank Elstner ist derzeit die einzige Produktion des Senderverbundes, die im Zusammenhang mit der Fernsehlotterie steht. Die nächste Ausgabe ist für den Herbst geplant. Das ZDF hat derzeit keine Show zugunsten ihrer Soziallotterie "Aktion Mensch" im Programm.

Und auch für die "5 Millionen SKL Show", zuletzt ausgestrahlt im Dezember vergangenen Jahres, gibt es Hoffnung. Die Süddeutsche Klassenlotterie (SKL) führt derzeit Gespräche über eine mögliche Fortsetzung der Show. Dabei gehe es um Modifizierungen, die das Format mit dem neuen Staatsvertrag in Übereinstimmung bringen sollen, erklärte die SKL am Donnerstag. Zuvor hatte die zuständige Niedersächsische Landesmedienanstalt (NLM) dem Sender RTL mitgeteilt, dass die "rundfunkrechtliche Unbedenklichkeit" angesichts des Glücksspielstaatsvertrags derzeit nicht bescheinigt werden könne. RTL-Geschäftsführerin Anke Schäferkordt bestätigte, dass die für den 30. August geplante nächste Ausgabe aus dem Programm genommen worden sei.

Nach Ansicht des Lottoverbandes geht es nicht nur um Sendeplätze im Fernsehen, sondern um das Überleben von Lotto und Lotterien, die auf Werbung angewiesen seien "und die einen maßgeblichen Beitrag zur Finanzierung von Sozial-, Breitensport- und Kulturprojekten leisten". Die im Staatsvertrag festgelegte Reduzierung der Werbung entziehe 10 000 kleinen Läden und Kiosken ihre Existenzgrundlage.

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