Kuppelshow: Der Kuhstall als Quotenknüller

Köln - Die RTL-Reihe "Bauer sucht Frau" bricht alle Rekorde. Die fünfte Folge der aktuellen Staffel sahen am Montagabend acht Millionen Zuschauer. Nicht einmal der erfolgsverwöhnte Günther Jauch mit seinem Quiz "Wer wird Millionär?" erreichte diese Zahl.

Wenn Bernhard aus Niedersachsen, Furthi aus Bayern, Markus aus Baden-Württemberg und Jürgen aus Schleswig-Holstein auf Brautschau gehen, schaut (fast) ganz Deutschland zu. Das jedenfalls legen die kontinuierlich steigenden Quoten der rustikalen Kuppelshow des Kölner Privatsenders nahe. Inzwischen liegt der Marktanteil bei 26 Prozent, selbst die "Tagesschau" schaffte am Montag nur knapp 16 Prozent.

Für Moderatorin Inka Bause, die es jüngst sogar auf Thomas Gottschalks berühmte "Wetten, dass...?"-Couch bei der Konkurrenz vom ZDF schaffte, hat der grandiose Erfolg damit zu tun, dass ihre Kandidaten "einfach authentisch" sind: "Wir sagen denen nicht, in wen sie sich verlieben oder wen sie heiraten sollen. Wir lassen uns überraschen, was die Bauern und ihre Frauen so veranstalten."

Und die Kamera ist immer dabei, etwa, wenn Jürgen gegenüber einer ersten potenziellen Partnerin herausrutscht, dass sie ihm besser gefiele, wenn sie "ein bisschen schlanker" wäre, wenn Bernhard seiner Angebeteten nahe legt, sich einstweilen um den Hund zu kümmern, während er noch auf das Feld des Nachbarn fährt oder wenn Furthis Flamme am ersten Tag schon nach kürzester Zeit entsetzt aus dem Kuhstall flieht, weil sie es da "keine Sekunde länger" aushält.

Gründe genug für den Bayerischen Bauernverband, zum RTL-Produkt auf Distanz zu gehen. Zwar werde in "Bauer sucht Frau" durch schöne Landschaftsbilder "Lust aufs Landleben" gemacht, doch was die Arbeit in einem landwirtschaftlichen Betrieb angehe, habe die Reihe "mit der Realität nichts zu tun", so Verbandssprecherin Brigitte Scholz gegenüber unserer Zeitung. Im Vordergrund stehe vielmehr der Voyeurismus.

Von "einer schönen, augenzwinkernden Lebensrealität" schwärmt dagegen RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger. Die Sendung sei " eine Romantic Comedy, die traditionelle Vorstellungen vom Landleben mit vielen Sehnsüchten verbindet". Den sensationellen Quoten zum Trotz will der Sender die Zuschauer mit Geschichten von einsamen Landwirten auf der Suche nach Zweisamkeit allerdings nicht übersättigen. Die laufende Staffel werde nicht verlängert und ein vierter Durchgang erst nach einer "angemessenen Pause" von bis zu einem Jahr folgen.

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