Kurt Krömer tritt nach oben

München - "Ich bin 32, ich hab' Zeit und ich lass' mich auf das Spiel ein." Mit dieser Einstellung steht Kurt Krömer, der Kreuzberger Borat im gepflegten Retro-Anzug, von heute an zehnmal montags nach Mitternacht in der ARD vor der Kamera (0.35 Uhr). Titel seines halbstündigen, neuen Formats: "Krömer ­- Die internationale Show".

Herr Krömer, seit wann tragen Sie Anzüge?

Seit meiner Herrenausstatterlehre 1991.

Wird ein Clown, der Anzug trägt, ernster genommen als einer mit einer roten Nase?

Ich glaube, dass der Clown ohne rote Nase einfach die Weiterentwicklung ist. Ich seh' mich ja nicht als Roncalli-Clown, sondern in Anlehnung an Leo Bassi zum Beispiel, der aussieht wie so ein Sachbearbeiter von der AOK. Ich glaube, dass meine Basis gelegt ist mit der Clownsfigur Kurt Krömer und dass man darauf jetzt aufbauen kann.

Sollte man Clowns überhaupt ernstnehmen?

Natürlich nicht. Wir sind für Unterhaltung zuständig, und da kann jeder sein eigenes Zeug reininterpretieren.

Wo hört der Spaß auf?

Was ich nicht gerne mache, ist, dass ich nach unten trete, also mir Leute rauspicke, die es schlechter haben als ich. Da ist bei mir der Humor vorbei. Für meine Einspieler zum Beispiel gehe ich hin und verarsche meine Intendantin; über die Putzfrau, die das Foyer sauber macht, würde ich nie was sagen. Mein Motto: Kurt Krömer tritt nach oben.

Der neue "Krömer" startet im politischen Lokalkolorit: Klaus Wowereit ist Ihr erster Gast. Ein Wunschkandidat für den Berliner-Schnauze-Talk?

Ich hab' ja Klaus Wowereit schon drei Jahre angeschrieben. Da dachte ich, ich geh' jetzt mal persönlich ins Rote Rathaus und in sein Büro. Und hab' dann gesagt: Also, Herr Wowereit, entweder Sie kommen jetzt nächste Woche zur Aufzeichnung und haben als Gast Spaß an der Sendung oder ich komm' jetzt jeden Tag vorbei. Er war schon ein Wunschkandidat, aber es ist nicht so, dass ich nur Berliner Originale in meiner Sendung haben will. Mir ist wichtig, dass die Gäste verschieden sind. Ich bin sehr stolz, denn das sind wirklich Leute, die was zu erzählen haben.

Und sie bringen Geschenke mit.

Genau. Wir haben die Gäste vertraglich dazu verpflichtet, dass sie Kurt Krömer Geschenke mitbringen im Wert von null Euro bis fünf Euro.

Was verändert sich in der neuen Show?

Also geändert hat sich natürlich, dass ich viel reifer geworden bin, ich bin intelligenter geworden und ich habe zwölf Kilo abgenommen. Nee, ich glaube, dass es einfach mit der Entwicklung zu tun hat, dass man sein Mutterschiff gefunden hat: erstens die ARD, zweitens das Format. Kurt Krömer ist wieder alleine. Ich hab' Talks und zwei Einspielfilmchen. Ich glaube, ich bin jetzt so langsam angekommen. Das können wir längerfristig fahren.

Wären Sie ein guter Harald-Schmidt-Erbe?

Wöchentlich ein oder zwei Late-Night-Talks -­ das schließe ich aus. Da möchte ich lieber einmal im Jahr zehn oder zwölf Shows am Stück produzieren. Ich will mich noch ein bisschen austoben. Eine Late-Night-Show mit Krömer ist, glaube ich, erst so ab 50 Jahre angesagt. Aber das ist noch völlig weit weg. Bin ja noch jung (kichert), bin ja erst 22.

Das Gespräch führte Teresa Grenzmann

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