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Die fünf Burschen von LaBrassBanda aus Übersee am Chiemsee wollen Deutschland und dann Europa erobern: Manuel Winbeck, Manuel da Coll, Stefan Dettl, Oliver Wrage und Andreas Hofmeir (v.l.) treten heute beim ESC-Vorentscheid in der ARD als erste Band von insgesamt zwölf Kandidaten an.

LaBrassBanda beim Vorentscheid

Schafft es "Nackert" zum Eurovision Song Contest?

München - LaBrassBanda, die Bläser-Combo aus Bayern, will mit „Nackert“ das Ticket für den Eurovision Song Contest lösen. Der Vorentscheid läuft am Donnerstagabend in der ARD.

Muss man erst mal irgendwie verdauen, muss man erst mal verarbeiten. Die fünf Burschen von LaBrassBanda, dieser bayerischen Dampfhammer-Vollgas-Bläser-Combo, könnten zukünftig in einem Atemzug mit Freddy Quinn, Cindy & Bert, Lena Meyer-Landrut und den Kessler-Zwillingen genannt werden. Herrje, was ist denn jetzt schon wieder passiert?

Ruhig Blut, alles gut, aber LaBrassBanda hat nun mal einen Traum: Sie will genauso wie Lena, Cindy und Co. für Deutschland beim Eurovision Song Contest antreten – und zwar mit ihrem neuen Song „Nackert“. Manuel Winbeck, der Posaunist von LaBrassBanda, sagt: „Wir haben erst auch überlegt, ob das das richtige Format für uns ist. Schlager, Chansons und solche Sachen. Aber dann haben wir entschieden, dass es eine gute G’schicht ist.“ Heute Abend, 20.15 Uhr, ARD, beginnt die G’schicht, dann geht’s um die Eurovisions-Wurst. Dann ist der deutsche Vorentscheid in Hannover. Zwölf Bands, darunter auch die Söhne Mannheims (allerdings ohne ihren Star Xavier Naidoo), singen um die Wette (siehe Randspalte). Nur der Sieger darf am 18. Mai im schwedischen Malmö für Deutschland auf die Bühne.

LaBrassBranda, 2007 gegründet am Chiemsee, hat schon in Nowosibirsk, in Moskau und Simbabwe gespielt, in Bayern gehören sie längst zu den großen Sternen am weiß-blauen Musikhimmel. Aber so ein Auftritt beim „Eurovision Song Contest 2013 – Unser Song für Malmö“ ist noch mal eine andere Kiste. „Wir polarisieren“, sagt Manuel Winbeck, 31. „Viele wählen uns nicht, weil sie keinen Bock auf Bayern haben.“ Das ist zumindest die Befürchtung. Weil es im Rest Deutschlands vielleicht doch als Humptata-Folklore rüberkommt, wenn da plötzlich fünf Burschen in Lederhosen samt ihren Blasinstrumenten auf der Bühne auftauchen.

Obwohl natürlich das Gegenteil der Fall ist. Progressiver, tanzbeinanstachelnder, partyschweinchenmäßiger als LaBrassBanda war der Freistaat in Sachen Blasmusik wahrscheinlich nie. Aber Klischee bleibt nun mal Klischee. Manuel Winbeck sagt: „Die Leute im Ausland sind viel unvoreingenommener.“ Die lassen sich ohne mit der Wimper zu zucken auf den boarischen Techno ein, auf diesen urwüchsigen Blech-Reggae. Oder wie auch immer dieser Höllensound heißt, den Stefan Dettl (Gesang, Trompete), Oliver Wrage (Bass), Manuel da Coll (Schlagzeug), Andreas Hofmeir (Tuba) und Manuel Winbeck ausgeheckt haben.

Klar, die Nummer beim Vorentscheid kann auch in die Hose gehen. Zumal ihr Lied „Nackert“ spätestens eine Autostunde jenseits des Weißwurstäquators auf blankes Unverständnis stoßen könnte. Auf blankes Textunverständnis. Hier schon mal eine kleine Kostprobe, das ist der Refrain: „Fahr mim Bulldog in de Wiesn leg mi nackert an mein See/ weil die Nackertn gspiern nackert grod an See so wunderschee/ schau mi o wei i di mog, und am liaban daad i gor nimma geh.“ Und, ois verstanden?

Vielleicht läuft es aber auch ganz anders. Sänger Stefan Dettl hat das Grundsatzprogramm von LaBrassBanda, ihr großes Blasmusi-Manifest mal in folgenden schönen Satz gekastelt: „Wir sind ausgezogen, um die Wucht des Blechs zu erforschen.“ Und richtig spitzenmäßiges Blech überwindet bekanntlich jeden Graben, wenn’s gut läuft, sogar den Weißwurstäquator. Die fünf Bayern treten heute Abend als erste Band auf, und sie haben noch mindestens drei Asse im Ärmel, warum das in der TUI Arena zu Hannover doch noch ein Siegeszug sondergleichen werden könnte.

Ass Nummer 1: der Auftritt. Der Auftritt, der alle wegblasen soll. Vor lauter Energie. „Wir spielen live – wie immer“, sagt Manuel Winbeck. Das war die Bedingung der Band, sonst hätten sie bei der Gaudi gar nicht erst mitgemacht. Denn komplett live, also Gesang und Instrumente, das ist nicht allzu üblich beim Vorentscheid.

Ass Nummer 2: die Frauen. Manuel Winbeck sagt: „Es sind immens viele Frauen unter den Zuschauern.“ Und die, das ist die Hoffnung, könnten ja auf diese feschen oberbayerischen Burschen abfahren, selbst wenn sie aus Buxtehude kommen und kein einziges Wort Bairisch verstehen. Die spontane Liebe muss natürlich so weit gehen, dass sie augenblicklich zum Telefon greifen und für die LaBrass-Burschen abstimmen.

Ass Nummer 3: das sagenhafte Bulldog-Versprechen. Manuel Winbeck sagt: „Wenn wir in Hannover gewinnen, dann fahren wir mit dem Eicher-Traktor, Baujahr irgendwann in den Fünfzigerjahren, nach Malmö.“ Höchstgeschwindigkeit 18 km/h. Geplante Fahrzeit: drei Wochen. „Wer mitfahren will, ist herzlichst eingeladen“, sagt der Posaunist.

Das wär’s doch. Erst umpa-umpa-umpa auf der Bühne, dann brumm-brumm-brumm auf der Landstraße. Bayerischer könnte der Eurovision Song Contest nicht sein. Wunderbare Aussichten.

Stefan Sessler

So wird gewählt

Beim Vorentscheid „Eurovision Song Contest 2013 – Unser Song für Malmö“ hat sich die ARD für ein Wahlsystem in vier Schritten entschieden. Alle drei Wertungen haben das gleiche Gewicht.

Schritt 1 – Das Onlinevoting der Radiowellen

Auch bei „Unser Star für Baku“ wählten die Popwellen der ARD Favoriten, doch floss dies nicht ins Endergebnis ein. Heuer schon. Bis um 20 Uhr können die Fans auf den Internetseiten von Radiostationen (unter anderem auf der von Bayern 3) abstimmen. Die Resultate werden gesammelt und nach dem ESC-Schema für jede Radiowelle umgerechnet.

Schritt 2 – Das Juryvoting

Die Mitglieder Anna Loos, Tim Bendzko, Peter Urban , Roman Lob und Mary Roos vergeben 12, 10, 8, 7, 6, 5, 4, 3, 2 und 1 Punkt(e) ebenfalls nach dem bewährten ESC-Schema.

Schritt 3 – Zuschauervoting per Anruf und SMS

Nach den Auftritten können die Zuschauer abstimmen.

Schritt 4 – Das gesamte Votingergebnis

Am Ende werden die Punkte der drei Abstimmungen zusammengezählt. Ein Titel kann maximal 36 Punkte bekommen. Beim Gleichstand gewinnt das Lied, das am häufigsten 12 Punkte erhielt.

Der Gewinner-Titel darf am 18. Mai beim ESC-Finale für Deutschland starten. Die ARD überträgt ab 21 Uhr live aus Schweden.

Hier finden Sie alla Kandidaten für Malmö im Songcheck

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