Der lange Kampf um Günther

- Ende vergangener Woche gab die ARD bekannt, Günther Jauch werde Mitte nächsten Jahres mit einem eigenen Talkformat die Nachfolge von Sabine Christiansen antreten. Im Gegenzug versicherte RTL, Jauch werde auch über das Jahr 2007 hinaus seine zuschauerstarken Sendungen wie "Wer wird Millionär?", "Stern TV" oder andere "Eventshows" für den Kölner Privatsender präsentieren.

Diese Ankündigung aber ist möglicherweise erst der Anfang in einem langen Ringen um einen der begehrtesten deutschen Fernsehmoderatoren.

Der wahre Kampf um den Quotenkönig wird vermutlich noch entbrennen. Denn auch am viel beschäftigten und belastbaren Jauch wird der Aufwand für einen politischen Talk nicht spurlos vorbeigehen. Für Sabine Christiansen war der wöchentliche Auftritt am Sonntagabend um 21.45 Uhr der einzige pro Woche und mit viel Vorbereitung verbunden. Auch Jauch wird in seinem sonstigen Repertoire vermutlich streichen müssen, denn auf der politischen Bühne sind Ausrutscher wegen mangelnder Vorarbeit tabu.

Die Aussage von RTL, dass Jauch über das nächste Jahr hinaus sein Pensum für den Sender leisten werde, ist interpretierbar. Die ARD ist nach Brancheninformationen gewillt, Jauch in mehr Aufgaben einzubinden als ausschließlich für den Talk. Denn der 49-Jährige verfügt mit seiner eigene Produktionsfirma bereits über eine eingespielte Mannschaft, die fast aus dem Stand heraus auch andere auf sie zukommende Aufgaben lösen könnte.

Im Vergleich zu den eigenen Firmen eines Reinhold Beckmann, Johannes B. Kerner oder Jörg Pilawa, die auch vom Privatfernsehen zum öffentlich-rechtlichen Funk wechselten, ist Jauchs Produktionsapparat bereits vor dem Wechsel ausgereift genug, um nicht nur das eigene neue Format zu stemmen. Und dieser Aspekt macht es für die ARD zusätzlich reizvoll, mit dem Moderator gleichzeitig den versierten Produzenten vielleicht exklusiv an den Sender zu binden. Exklusivität haben auch die anderen - wie Beckmann und Pilawa - der ARD zugesagt.

RTL wird dennoch um Jauch selbst und seine Kenntnisse kämpfen wollen, denn nach Experteneinschätzung macht allein Jauchs Präsenz im Programm des Senders rund einen Prozentpunkt Marktanteil der insgesamt rund 15 Prozent in der Zielgruppe der wirtschaftlich relevanten Zuschauer zwischen 14 und 49 Jahren aus. Jeder Prozentpunkt wird mit einem Marktwert von fast 100 Millionen Euro angesetzt. Diese grob geschätzte Summe ist das Volumen, das besonders der Dauerbrenner "Wer wird Millionär?" dem Sender beschert.

Zwar würde Jauch durch den Verlust von "Wer wird Millionär?" die Moderationsgage entgehen, aber angesichts neuer Produktionsaufträge wäre dieses Szenario zu verschmerzen. Aber "Wer wird Millionär?" wird nicht von Jauch, sondern von der Firma Endemol ("Big Brother") hergestellt, die sich vielleicht mit RTL nach einem neuen Protagonisten umschauen müsste. "Stern TV" wird hingegen von Jauch produziert. Die Sendung könnte mit einem anderen Moderator - gerüchteweise wurde schon Oliver Geißen genannt - fortgeführt werden. "Stern TV" gilt auch als geschützt, denn das Magazin belegt einen Sendeplatz für so genannte Drittanbieter, die RTL aus lizenzrechtlichen Gründen anbieten muss.

Das Programmambiente, das die ARD hat, könnte für den Produzenten Jauch so interessant sein, dass selbst der vielfach geforderte Verzicht auf Werbeverträge zu verschmerzen wäre. Und noch ein anderer Aspekt wäre verlockend - der Fußball, der bei der ARD ständig zu Hause ist. Und den hat RTL für Jauch nach dem Ende der WM erst einmal nicht mehr zu bieten.

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