Das Lebenskorsett aufgebrochen

- Mit einem elf Millionen Euro teuren Prestigeprojekt startet das ZDF ins neue Jahr: In dem Abenteuerdreiteiler "Afrika, mon amour", der ab heute ausgestrahlt wird, spielt Iris Berben (56) eine Dame aus den oberen Kreisen Berlins, die 1914 aus ihrer unglücklichen Ehe nach Deutsch-Ostafrika flieht und dort Krieg, Schicksalsschläge und Liebeswirren erlebt.

Neben ihr spielen unter anderem Robert Atzorn und Pierre Besson. Regie führte Carlo Rola.

Bei den Dreharbeiten zu "Afrika, mon amour" sind Sie vom Pferd gestürzt und haben sich am Knie verletzt. Ist der Film deshalb erst auf den letzten Drücker fertig geworden?

Iris Berben: Die Verletzung spielte dabei natürlich eine Rolle. Es war mir zwar dank Schiene und Physiotherapie möglich, die Dreharbeiten fortzusetzen, doch das Ganze hat uns vierzehn Tage gekostet. Es war sowieso eine Ausnahmeproduktion. Wegen des großen Aufwands waren wir atemlos bis zum Schluss, haben bis kurz vor Weihnachten synchronisiert.

Es gab ja noch weitere widrige Umstände, die die Dreharbeiten in Kenia erschwert haben.

Berben: Wenn du in Afrika drehst, kannst du nicht einfach in ein Studio gehen, wo man sich gesichert bewegt, sondern man muss sich der Natur stellen. Mal schwemmte ein Fluss uns ganze Drehorte weg, mal konnten wir wegen der Tiere nicht filmen. Wir waren in der Nähe einer Wasserstelle für Elefanten, und die Ranger konnten die Herde eine kurze Zeit bändigen, aber irgendwann nahmen die Tiere sich ihr Recht. Diese ganzen Umstände waren sehr aufregend, aber auch sehr bereichernd, denn sie haben uns mit unseren exakten Zeitplänen, dem ständigen Wettbewerb, dem ewigen Rennen unsere Grenzen spüren lassen. Es brachte uns zum Innehalten, das habe ich als sehr angenehm empfunden.

Sie würden also nicht sagen: So etwas tue ich mir nicht noch einmal an.

Berben: Im Gegenteil, es bleibt trotz aller Strapazen so etwas wie eine ungestillte Sehnsucht. Ich bin ja neugierig auf das Fremde, Ungewohnte, auch wenn es manchmal schwierig und anstrengend ist.

Fremd und ungewohnt war sicher auch Ihre Rolle in diesem Historienfilm: Sie spielen eine Frau, die Anfang des 20. Jahrhunderts aus ihrer Ehe mit einem preußischen Offizier nach Afrika flieht.

Berben: Da gab es viele spannende Facetten. Der Film spielt in einer Zeit, die man fast nur aus der Literatur kennt. Dann die soziale Stellung, in der diese Frau lebt, in welchem Lebenskorsett sie steckt. Schließlich bricht sie aus ihrer gesicherten Existenz aus, wird durch die Umstände nach Afrika geworfen, erlebt dort die Kolonialzeit, den Ersten Weltkrieg, muss plötzlich in der fremden Kultur überleben. Diese Zeit ist ja noch nicht so unendlich lange her. Das zeigt uns, wo wir heute stehen, wie viele Dinge damals nicht möglich waren, für uns heute aber selbstverständlich sind.

Als Hauptdarstellerin ruht die Verantwortung für diesen elf Millionen Euro teuren Dreiteiler zu einem großen Teil auf Ihnen. Es ist das größte Projekt, das die Produktionsfirma Ihres Sohnes bislang gestemmt hat. Sind Sie jetzt vor der Ausstrahlung sehr nervös?

Berben: Natürlich fühle ich mich verantwortlich und bin nervös. So zynisch möchte ich nie sein, dass ich glauben würde, dass der Erfolg kalkulierbar ist, dass gewisse Zutaten und große Namen schon reichen würden. Manchmal scheinen alle Zutaten zu stimmen, aber ein Film funktioniert nicht, und oft weiß man nicht, woran es liegt. Der Zuschauer entscheidet, er muss emotional berührt sein. Aber was berührt ihn? Das ist das Geheimnis unseres Berufes. Wir können nur mit größtem Respekt und größter Sorgfalt unsere Arbeit machen, ob der Film dann angenommen wird, kann man nicht berechnen. Es gibt kein Rezept für einen Erfolgsfilm, und das ist das Wunderbare.

Wieso ist das wunderbar?

Berben: Dieses kalte Berechnen, wer der Zuschauer ist und was er will, das Zuschneiden des Programms auf bestimmte Zielgruppen, das funktioniert Gott sei Dank nicht. Sonst wäre es ja ein berechnender und kein künstlerischer Beruf, und dann würde man sich nicht mehr trauen, Geschichten voller Visionen und Wünsche zu erzählen.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski.

ZDF, heute sowie am 10. und 14. Januar, je um 20.15 Uhr.

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