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Johannes Heesters: Sein Lebensweg ist am Mittwoch im Fernsehen zu sehen.

Der Lebensweg von Johannes Heesters im Ersten

München - Philipp Engel zeichnet im Ersten den Lebensweg des Sängers und Schauspielers Johannes Heesters nach. „Johannes Jopie Heesters“ aus der Reihe „Legenden“ läuft am Mittwoch um 21.45 Uhr.

Es sind Filmbilder aus einer anderen, längst vergangenen Zeit. Man sieht einen galanten Jüngling mit Frack und Zylinder. An seiner Seite einige der hübschesten Frauen seiner Zeit wie Marika Rökk oder Brigitte Horney. Dazu Lieder voller Liebe und Sehnsucht. Wenn Johannes Heesters auftrat – egal ob als Operettensänger oder Schauspieler – eroberte er die Frauenherzen im Sturm.

Johannes Heesters: Alles Gute zum 106. Geburtstag 

Jopie Heesters - seine große Karriere

Um die 70 Jahre ist es her, dass „Jopie“ mit Filmen wie „Der Bettelstudent“ oder „Illusion“ zum Star wurde. Inzwischen ist Heesters kaum glaubliche 106 Jahre alt. Zwar machen seine Augen nicht mehr mit, und auch beim Laufen muss er gestützt werden, doch wenn der gebürtige Niederländer singt, klingt die Lebensfreude in seiner Stimme. Die ARD hat ihm nun ein Filmporträt gewidmet. „Johannes Jopie Heesters“ aus der Reihe „Legenden“ läuft am Mittwoch, 23. Dezember, um 21.45 Uhr im Ersten.

Mit Fotos und Filmausschnitten zeichnet Regisseur Philipp Engel Heesters’ Lebensweg nach – von der Geburt als Spross einer Kaufmannsfamilie im niederländischen Amersfoort über seine ersten Theaterengagements bis hin zu seinen großen Erfolgen beim Film und auf der Bühne. „Ich bin leider ach so schüchtern, und das Reden fällt mir schwer“, singt der einstige Dandy – eine Behauptung, die man als charmante Untertreibung bezeichnen darf. Denn schüchtern wirkt Heesters wirklich nicht, und die Frauen lagen ihm zu Füßen.

Dennoch hielt die Ehe mit Louisa H. Ghijs mehr als 50 Jahre, bis die Schauspielerin und Operettensängerin 1983 starb. „Er war ein Mann, der wusste, wo sein Hafen ist“, kommentiert seine ältere Tochter Wiesje. Auch seine jüngere Tochter Nicole, seine zweite Frau Simone Rethel sowie Freunde und Weggefährten kommen zu Wort, ebenso wie Heesters selbst.

Engel schildert ihn als umjubelten Star, der vor allem als Graf Danilo in Franz Lehárs „Lustiger Witwe“ begeisterte, aber auch Ohrwürmer sang wie „Man müsste Klavier spielen können“ oder „Ich knüpfte manche zarte Bande“. Private Bilder und Aufnahmen zeigen ihn als liebevollen Vater, der seine Töchter mit der Kutsche in die Schule fährt, als vergnügten Gastgeber oder als Spaßvogel, der bei einer Einladung auf einmal im stibitzten Abendkleid der Gastgeberin erscheint.

Auch das dunkle Kapitel des Nationalsozialismus wird nicht ausgespart – eine Zeit, die Heesters viel Kritik einbrachte. Vor allem in den Niederlanden warfen ihm die Menschen vor, mit den nationalsozialistischen Machthabern kooperiert zu haben. Der Film zeigt ihn als unpolitischen Künstler, der seine Karriere verfolgen wollte, der das System aber nie aktiv unterstützte. „Es kommt rüber, dass er sich in der damaligen Zeit distanziert verhalten hat“, meint die fast 46 Jahre jüngere Simone Rethel, die seit 1992 mit ihm verheiratet ist. Und Heesters erinnert sich: „Der Hitler hat mich, glaube ich, gerne gehabt, er hat auch gesagt: ,Du bist der beste Danilo, den ich jemals gesehen habe, und das soll ein Kompliment sein‘.“ Auch der umstrittene Besuch des Operettenstars im Konzentrationslager Dachau wird aufgegriffen. Warum es dazu kam und was der Zweck dieses Besuchs war, bleibt jedoch weiter unklar.

Fast 90 Jahre steht Heesters nun auf der Bühne. Es sei faszinierend, dass er die ganze Entwicklung des Films miterlebt habe, von den Anfängen der Fotografie über den Stummfilm bis hin zu Farbfilmen, sagt Regisseur Engel. Als lebende Legende will sich der am Starnberger See lebende „Jopie“ aber nicht sehen, meint zumindest seine Frau Simone: „Er will ja einfach aktiv dabei bleiben, das ist das, was sein Lebenscredo ist.“ Und auch Heesters selber träumt noch einmal von einer eigenen Rolle, nur für ihn geschrieben, ein bisschen wie die Quintessenz seiner 106 Jahre: „Das möchte ich noch machen, eine schöne Rolle, Charakter, komisch, dramatisch, dass man sagt, ja, das ist gelebt!“

Cordula Dieckmann

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