Leistungsprämie war "Schnapsidee"

- Für den umstrittenen Honorarvertrag der ARD mit dem unter Dopingverdacht stehenden Radprofi Jan Ullrich hat ARD-Programmdirektor Günter Struve am Donnerstag die volle Verantwortung übernommen. Zumindest die Extrazahlungen für sportliche Erfolge seien im Nachhinein als "Schnapsidee" zu bewerten, sagte Struve in München. Zugleich räumte er ein, dass er den Vertrag nicht gelesen habe. Er habe sich darauf verlassen, dass seine Mitarbeiter dies richtig eingefädelt hätten, und sich nur die Eckpunkte schildern lassen.

Weil er selbst die Verantwortung habe, stehe nicht der ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf zur Disposition, sagte Struve. Er selbst werde seinen Vertrag erfüllen. Falls die ARD-Intendanten der Meinung seien, seine Schuld wiege so schwer, dass er nicht mehr tragbar sei, müsste er dies akzeptieren, sagte der 66-Jährige. Am nächsten Mittwoch soll über eine Vertragsverlängerung mit Struve für weitere eineinhalb Jahre sowie die Zukunft Boßdorfs entschieden werden.

Hororarverträge mit weiteren aktiven Sportlern

Die ARD habe nur mit Ullrich einen Vertrag mit zusätzlichen Zahlungen bei sportlichen Erfolgen abgeschlossen, betonte Struve. Die leistungsbezogene Vereinbarung räumte Ullrich bis zu 195 000 Euro jährlich ein. Es gebe noch Honorarverträge der ARD mit drei anderen aktiven Sportlern - mit dem Radprofi Erik Zabel, dem Boxer Markus Beyer sowie der Fußballerin Nia Künzer. In diesen gebe es aber keine Leistungskomponente. Künftig wolle die ARD keine Verträge mit aktiven Sportlern mehr abschließen und die bestehenden nicht verlängern.

Den Vertrag mit Ullrich als dem Tour-de-France-Sieger von 1997 hatte die ARD laut Struve 1999 geschlossen, um zu vermeiden, dass sich Ullrich an einen privaten Sender binden könnte. Aus damaliger Sicht sei dies auch sinnvoll gewesen. Ullrich bekam das Grundhonorar laut Struve unter anderem für längere Features, Porträts und längere Interviews. Zwischen Mitte und Ende 2002 habe der Vertrag geruht, weil Ullrich wegen der Einnahme von Amphetaminen gesperrt gewesen sei. Nach der öffentlichen Reue des Sportlers sei der Vertrag erneuert worden, wobei Sonderzahlungen für sportliche Erfolge eingeführt worden seien. Der Vertrag mit Ullrich sei nun zum Jahresende 2006 fristgerecht gekündigt worden.

Scharfe Kritik an den Verträgen mit den Sportlern äußerte die Deutsche Journalistenunion (dju), die die journalistische Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Senderverbundes gefährdet sieht: "Für diese Unabhängigkeit zahlen die Zuschauer ihre Gebühren. Wenn Berichterstatter und ihr Gegenüber zu Geschäftspartnern werden, wird journalistischer Objektivität und Qualität die Basis entzogen."

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