Ich lese keine Verträge

- Nachdem er sich und dem Publikum mit "Verstehen Sie Spaß?" Anfang der Neunziger bewies, dass er nicht unbedingt tauglich zur Begeisterung der Massen ist, hat Harald Schmidt in der Late Night Show seine Bestimmung gefunden. Gerade ist sein ARD-Vertrag um ein Jahr und 43 Ausgaben von "Harald Schmidt" (Mittwoch und Donnerstag, 22.45 Uhr) verlängert worden. Doch seine Fans kommen in Zukunft auch wieder im Vorabendprogramm auf ihre Kosten, wo der 49-Jährige ab morgen sein Uraltquiz "Pssst..." mit zunächst einem Dutzend Ausgaben wiederbelebt.

Jeweils vier Prominente entlocken Heldinnen und Helden des Alltags ihre Geheimnisse ­ ausgefallene Berufe, erstaunliche Fähigkeiten oder bemerkenswerte Marotten. In der ersten Folge bilden Jenny Elvers-Elbertzhagen, Herbert Feuerstein, Frank Plasberg und Christine Westermann das Rateteam.

Sie wagen mit "Pssst..." einen Neustart im Vorabendprogramm der ARD. Wie kam es dazu?

Harald Schmidt: Wir haben das, glaube ich, vor 15 Jahren mal mit 80 Folgen im Dritten Programm des WDR gemacht. Das war damals ganz erfolgreich. Dann haben wir es parodistisch in meiner Show aufgegriffen. Und da entstand die Idee, ob wir das nicht überhaupt mal wieder machen sollten.

Und das passiert nun, nach 15 Jahren.

Schmidt: Wir haben erst mal zwölf Folgen ins Programm genommen. Allerdings ist 18.50 Uhr ein sehr, sehr schwieriger Sendeplatz, aber das ist nicht mein Problem.

Welche Vorgabe müssen Sie erreichen, damit es als Erfolg gilt?

Programmdirektor Günter Struve hat mir gesagt, dann, wenn es mir gelänge, die fünf Prozent, die die ARD jetzt hat, auch nur um ein Fitzelchen zu steigern. Das klingt leicht, ist aber auf dem Termin wirklich nicht einfach. Aber wenn "Pssst..." ein Quotenerfolg werden sollte, dann, rumsdada, werden neue Folgen in Auftrag gegeben, und schon muss man wieder ran. So hektisch geht es in unserer Branche zu.

Wie zufrieden sind Sie mit hren Einschaltquoten bei "Harald Schmidt"?

Schmidt: Ich habe immer die Diskussion mit dem Redakteur, ob die Zuschauerzahl zählt oder der Marktanteil. Für mich zählen die Zuschauerzahlen, denn ich sage immer: Marktanteile kaufen keine Bücher! Wenn ich also 1,5 Millionen Zuschauer habe, dann gehen die auch ins Kabarett und kaufen Zeitungen und so weiter. Ein guter Marktanteil ist ja desto schwieriger, je früher man sendet. Man weiß ja, warum Shows im ZDF bis 0.40 Uhr dauern, weil natürlich immer mehr Leute einschlafen oder sterben vor dem Fernseher, aber die Kiste läuft weiter. Das bedeutet, dass es prozentual gesehen weniger Zuschauer werden, aber der Marktanteil steigt. Je später die Sendung, desto mehr Marktanteil. Also kann der Sendeplatz nach meinem Geschmack gar nicht spät genug sein. Aber wir sind vorgezogen worden, damit auch die "Tagesthemen" sehr viel besser laufen. Das ist der berühmte Audience Flow. Wir schieben uns ja die Zuschauer zu. Erst heißt es "Gute Nacht", dann kommt das Wetter, dann kommt der gelbe Frosch, dann kommt ein Trailer für etwas, was eben auch unser Publikum anspricht ­ und dann komme ich, es sei denn, es läuft Fußball.

Wird es auch heuer Extraausgaben so wie mit Olli Dittrich als Franz Beckenbauer geben, und ist die Zusammenarbeit mit Sportmoderator Waldemar Hartmann endgültig auf Eis gelegt?

"Nee, das war ja nun wirklich einer der großen Erfolge im letzten Jahr, und da ist geplant, dass wir während der Olympischen Spiele zusammen nach Peking gehen. Nachdem sich das im Wintersport so bewährt hat ­ eswar ja zunächst nicht klar, dass das so ein Erfolg werden würde ­, hat man sich dieses Format auch für 2008 gesichert.

Wie wappnet sich ein Harald Schmidt gegen die vom Kollegen Günther Jauch so benannten "Gremlins" in den ARD-Gremien?

Schmidt: Ich hatte mit den Gremien nie etwas zu tun. Wann immer ich jemandem begegnet bin, der nach Gremium aussah, habe ich mich sofort an ihn drangeworfen. Ich habe damit nie Schwierigkeiten gehabt, aber das hat sicher auch damit zu tun, dass ich Verträge weder selbst verhandele, noch lese. Schon seit Jahren nicht mehr. Es gibt immer Menschen, die da sozusagen in der Materie sind, die sagen: "Unterschreib mal hier!" ­ und das mache ich dann. Ich bin leider mit dieser Gremiendiskussion nicht so vertraut, Verwaltungsräte, Rundfunkräte und so weiter. Dazu bin ich natürlich aber auch mit zu vielen Intendanten persönlich eng befreundet. Wir klären das meistens bei einem Glas Rotwein.

Sie werden in diesem Jahr 50, und dazu gibt es eine Gala in der ARD. Sind Sie jemand, der sich gerne feiern lässt oder hätten Sie diesen Tag, den 18. August, lieber verschwiegen?

Ich konnte mich nicht dagegen wehren. Der für mich zuständige Redakteur Klaus Michael Heinz bearbeitet jeden, der in etwa nach Nachruf aussieht, schon mal vorab. Und ich habe ihm eigentlich versprochen, in diesem Jahr zu sterben, damit er das dann senden kann. Wie es aber aussieht, habe ich mich doch ganz gut erholt, und jetzt läuft das halt als Hommage zum Geburtstag. Es ist aber geheim, und wenn ich nicht dauernd die Geheimabsprachen mitkriegen würde, dann wüsste ich nicht, was da passiert. Aber es wird in etwa das sein, was über Alfred Biolek und Rudi Carrell und so weiter aus den Archiven zusammengestellt worden ist. Es wird jedenfalls nicht so sein, dass ich an einem Tisch sitze mit einer karierten Tischdecke darauf, und dann kommt Karl Moik und umarmt mich von hinten, ohne dass ich das weiß.

Das Gespräch führte Wolfgang Wittenburg.

ARD, ab morgen, jeweils dienstags bis freitags, um 18.50 Uhr.

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