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Neue Folgen von „Raus aus den Schulden“

Letzte Hoffnung Zwegat

Ein eher bieder gekleideter Mann steht an einer Tafel und rechnet. Das klingt nicht gerade nach einer erfolgreichen Fernsehsendung. Doch der Mann ist Schuldnerberater Peter Zwegat und sein Format „Raus aus den Schulden“ ein Erfolg. Am Mittwoch starten auf RTL um 21.15 Uhr die neuen Folgen.

Eigentlich sieht Peter Zwegat aus, als würde er zum Einschlafen nicht Schäfchen, sondern Erbsen zählen. Zur quietschbunten RTL-Welt passt der grauhaarige Schuldnerberater mit der sorgenvollen Stirn nicht im Mindesten, dennoch gehört er neben Moderatoren wie Dieter Bohlen oder Günther Jauch zu den Stars des Kölner Privatsenders.

Jetzt ist Peter Zwegat mit seiner Beratungssendung „Raus aus den Schulden“ sogar für den wichtigen Grimme-Preis nominiert – die Jury lobte seine „authentische, engagierte und uneitle Coaching-Tätigkeit“. Ob der 59-Jährige die Auszeichnung bekommt, wird erst am 25. März bekannt gegeben, schon von heute an hilft er in zwölf neuen Folgen der Reihe wieder verschuldeten Familien aus der monetären Misere: Ein Ehepaar, das mit einem verlustreichen Lampenladen 400 000 Euro Miese aufgehäuft und sich bei dieser Gelegenheit auch noch mit der Familie überworfen hat, oder ein alleinerziehender Vater, der nach vielen Schicksalsschlägen auf 80 000 Euro Schulden hockt und schon an Selbstmord dachte – die neuen Fälle sind allesamt ernst, und die Not der Betroffenen ist groß.

„Das Thema ist aktueller denn je und brennt immer mehr Menschen unter den Nägeln“, sagt Peter Zwegat – nicht nur deshalb rechnet RTL wieder mit starkem Zuschauerinteresse. Die Ursachen der geschilderten Notlagen sind vielfältig: Arbeitslosigkeit, Krankheit, Trennung, Scheidung oder übersteigerter Konsum sind einige Gründe. Was ist zu tun, wenn die finanziellen Verpflichtungen nicht mehr erfüllt werden können? „Nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern die Gläubiger darüber informieren. Und fachkundigen Rat in den seriösen Schuldnerberatungen einholen“, sagt Zwegat.

Eine gänzlich humorfreie Zone ist „Raus aus den Schulden“ dennoch nicht: Gerade der geradezu heilige Eifer, mit dem Zwegat sich engagiert, wenn er etwa an einer Stehtafel penibel Ausgaben und Einnahmen seiner Klienten auflistet, tadelnd Ausgaben für Zigaretten moniert und verzweifelt fragt, ob es nicht doch noch irgendwo ein Sparbuch oder eine Oma mit Sparstrumpf gibt, sorgt manchmal für Schmunzeln. Der in Berlin lebende gelernte Sozialpädagoge hilft seit 20 Jahren als Schuldnerberater klammen Verbrauchern. Bis zu sieben Millionen Deutsche seien überschuldet, bei ihnen reicht das Geld also nicht für die laufenden Ausgaben und Ratenzahlungen, erklärt Zwegat: „Wir unterscheiden zwei Begriffe. Den der Verschuldung und den Begriff der Überschuldung. Verschuldet bin ich, wenn ich bei irgendjemandem fünf, zehn oder 15 000 Euro Schulden habe. Von einer Überschuldung spricht man, wenn meine Einnahmen nicht reichen, um für einen längeren Zeitraum oder dauerhaft meine Ausgaben inklusive der Ratenbelastung zum Beispiel für das Auto zu decken.“

Seine Beobachtung: „Die Schuldner werden immer jünger. 22 Jahre alt, 22 000 Euro Schulden, keinen Job in Aussicht, das ist noch nicht die Regel, aber in den letzten Jahren immer häufiger Realität.“ Und was tut man, damit man nicht in der Schuldenfalle landet? „Immer mit spitzem Bleistift rechnen, sich die ein oder andere Reserve zurücklegen und überlegen, ob man ein Produkt wirklich braucht und ob es bezahlbar ist“, rät Zwegat.

In seiner Sendung sagt der Mann mit dem Taschenrechner im Gepäck den Klienten aber nicht nur, dass sie ihr Auto verkaufen und bei Freunden Geld borgen müssen, sondern bemängelt auch charakterliche Defizite oder macht sich gar über die Zukunft der Ehe zweier Schuldner Gedanken. Denn natürlich ist „Raus aus den Schulden“ nicht nur deshalb Quotenzugpferd, weil das Format in Zeiten der Finanzkrise einen Nerv trifft, sondern weil sie Emotionen schürt, Mitleid mit unverschuldet in Not geratenen Schuldnern weckt oder Empörung über offenkundig arbeitsscheue Klienten schürt. Die Rechnung geht auf: Zuletzt durfte sich RTL über stattliche Marktanteile von bis zu 26,2 Prozent freuen, im Schnitt sahen vier Millionen Menschen zu.

Und wie hält Peter Zwegat die tägliche Auseinandersetzung mit schwierigen und berührenden Schicksalen aus? Er gibt sich abgeklärt: „Es ist ähnlich wie bei einem Arzt, der nicht bei jedem Blutstropfen umfällt. Ich halte eine professionelle Distanz zu meinen Klienten. Auf der anderen Seite gibt es natürlich Fälle, die mich sehr traurig machen.“
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von Cornelia Wystrichowski

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