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„Der ESC ist eine Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen“: Die 26-jährige Levina tritt am Samstag in Kiew für Deutschland an.

Interview zum Eurovision Song Contest

Levina will in die Top Ten

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München - Ihr Sieg beim deutschen Vorentscheid war eine klare Sache. Mit dem Titel „Perfect Life“ wird Isabella Levina Lueen, die sich Levina nennt, Deutschland am Samstag (ARD, ab 21 Uhr) im Finale des Eurovision Song Contest (ESC) vertreten. Wir sprachen mit der 26-Jährigen, die gerade auch ihr Debütalbum „Unexpected“ vorgelegt hat.

Wie bereiten Sie sich auf das Finale vor – haben Sie an der Performance noch etwas geändert?

Levina: Die wird natürlich noch einmal anders sein als beim Vorentscheid, ich habe ja hier eine viel größere Bühne. „Perfect Life“ soll schon auch optisch ein bisschen herausstechen, damit es die Zuschauer erreicht. Lassen Sie sich überraschen!

Wenn Sie sich zurückerinnern – was war Ihr erster Gedanke, als klar war, dass Sie nach Kiew fahren werden?

Levina: Ich habe mich unglaublich gefreut. Ich bin sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit bekomme, im Finale des ESC zu singen.

Hatten Sie eine Vorahnung, dass Sie den Vorentscheid gewinnen?

Levina: Nein, ganz ehrlich, ich habe das überhaupt nicht erwartet, ich bin davor ja auch noch nie vor Fernsehpublikum aufgetreten. Ich hatte natürlich die Songs geübt, ich wusste dass ich singen kann, aber ich wusste nicht, wie das Publikum auf mich reagiert.

Auf Ihnen ruhen große Erwartungen, Ihre beide Vorgängerinnen sind Letzte geworden – wie gehen Sie mit dieser Hypothek um?

Levina: Ich lasse mich davon nicht unter Druck setzen. Für mich ist es das erste Finale. Natürlich will ich das Ergebnis für Deutschland verbessern, und zwar nicht nur um ein, zwei Plätze. Mein Ziel ist es, in die Top Ten zu kommen.

In den Sozialen Netzwerken wird Jahr für Jahr diskutiert, ob da die richtige Interpretin und der richtige Titel gewählt wurden – verfolgen Sie das? Und wie gehen Sie damit um, dass viele, die sich da äußern, Deutschland eine erneute Pleite prophezeien?

Levina: Negative Kritik gibt es immer, man darf sich davon nicht aus der Ruhe bringen lassen. Ich konzentriere mich auf den Song, ich finde ihn toll und ganz viele Fans auch, sonst hätten sie ihn nicht gewählt.

Musik sei Ihr Plan A, haben Sie gesagt – gibt es auch einen Plan B?

Levina: Nein! Mein Plan ist die Musik!

Wenn Sie schon immer Musik machen wollten, war es dann auch schon immer Ihr Plan, beim ESC anzutreten?

Levina: Nein. Ich war immer damit beschäftigt, Songs zu schreiben und aufzutreten, sodass Castingshows zeitlich sowieso nie gepasst haben. Die Idee, mich für den ESC-Vorentscheid zu bewerben, hatte ich ganz spontan, eigentlich hatte sie eine Freundin. Erst da dachte ich: Eigentlich ist das genau das, was ich machen will, auf internationaler Ebene.

Was ist Ihre früheste Erinnerung an den ESC?

Levina: Stefan Raab mit „Wadde hadde dudde da?“ (interpretiert beim Finale 2000, Red.) ist mir noch gut in Erinnerung, weil das so eine lustige Performance war. Aber der Sieg von Lena im Jahr 2010 war schon das Ereignis, das mir den ESC richtig nahe gebracht hat.

Das Schicksal vieler deutscher Teilnehmer aus den vergangenen Jahren zeigt, dass – sieht man einmal von Lena ab – eine gute Platzierung keinen dauerhaften Erfolg garantiert...

Levina: Das ist mir bewusst. Ich muss halt das Beste daraus machen. Der ESC ist eine Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen, und diese Möglichkeit nutze ich. Ich habe ja gerade ein Album aufgenommen, von dem ich hoffe, dass es gut ankommt und mich die Leute dann auch live sehen wollen.

Wenn man Sie nach Vorbildern fragt, welche würden Sie da nennen?

Levina: Da gibt es einige, die ich gut finde und aus deren Stil ich mir meinen eigenen Stil bastele. Amy Winehouse beispielsweise, die hatte so viel Gefühl in der Stimme, das fand ich ganz toll, Stevie Wonder mag ich, Coldplay schaffen es immer, Hits zu schreiben, die ganze Stadien mitsingen. Dann gibt es noch Musiker wie Beyoncé oder Bruno Mars, deren Performance mir sehr gut gefällt.

Ihr Titel „Nothing at all“ von der gerade erschienenen CD „Unexpected“ ist ein Lied, in dem es auch um Fremdenfeindlichkeit geht. Nun ist es ja oft so, dass Politik in Songtexten das Publikum polarisiert. Fürchten Sie nicht Stimmen, die sagen: „Die soll singen und nicht Politik machen?“

Levina: Ich mache nicht Musik weil ich politisch bewegt bin, aber sie ist ein Thema für mich, neben vielen anderen. Und wir leben nun mal in Zeiten, in denen über Migration diskutiert wird. Das ist ja auch keine völlig verrückte Aussage, die ich da mache in dem Lied, es geht nur darum, dass man vielleicht erst einmal nachdenken sollte, bevor man sein eigenes Leid auf andere projiziert. Wir leben alle in derselben Welt.

Der ESC soll ja eine völkerverbindende Veranstaltung sein, nun gibt es aber den Konflikt zwischen der Ukraine und Russland, und die russische Kandidatin darf nicht in Kiew auftreten. Was sagen Sie dazu?

Levina: Ich finde das sehr schade, dass dieser Konflikt den ESC überschattet, umso mehr glaube ich, dass wir Teilnehmer mit Musik ein Zeichen setzen müssen und zeigen, dass das eine Sprache ist, die alle verstehen, egal in welchem Land sie leben.

So klingt Levinas Debütalbum „Unexpected“:

Dass Levina keine Hobbysängerin ist, die sich auf die große Bühne verirrt hat, merkt man auch ihrem neuen Album an. Klar, die Macher sind kein Risiko eingegangen, die Arrangements von „Unexpected“ (Sony) sind solide – allerdings im allerbesten Sinne. Synthesizer, hinreichend Hall und satter Streichersound an den richtigen Stellen, dazu Levinas raue Stimme machen diese CD zu einer homogenen, stimmigen Sache. Nicht jeder Titel bleibt im Ohr, der eine oder andere hat dafür das Zeug, auch im Radio gut abzugehen, neben „Perfect Life“ zum Beispiel gleich der erste Song, „The Current“, außerdem „Love me all the Time“, Nothing at all“ und vor allem das flippige „Stop right there“, das durchaus auch ESC-tauglich gewesen wäre. Levina hat musikalisch ihren eigenen Kopf, sie verbindet Melancholie mit dem Mut zur Message und liefert Wohlfühlpop, der trotzdem sehr erwachsen klingt. Ein Erstling, der aufhorchen lässt.


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