Am liebsten zum Zirkus

München - Frithjof Vierock hat mit den großen, alten Fernsehstars gearbeitet, mit Peter Alexander - da war er erst 17 -, mit Luis Trenker, Joachim Fuchsberger oder Walter Sedlmayr. Heute feiert der zierliche, verschmitzt-melancholische Schauspieler selbst seinen 65. Geburtstag.

Bis 2002 trat er noch regelmäßig in "Tierarzt Dr. Engel" auf. Zuletzt hat er sich nach jahrzehntelanger Karriere etwas mehr Ruhe gegönnt und sich dem Pilzesammeln, seinem großen Hobby, und seinem sprechenden Wellensittich gewidmet, der mit seinen zehn Vogeljahren, wie Vierock meint, nun auch 65. Geburtstag feiere.

-Sie sind seit einem halben Jahrhundert Schauspieler. Wie kam es dazu, dass Sie bereits mit 15 in "Hulla-Hopp, Conny" neben Cornelia Froboess vor der Kamera standen?

Ich war Mitglied bei der Münchner Fitz-Kinderbühne. Mit 14 fing ich richtig zu spielen an, etwa am Theater der Jugend, wo damals auch Fritz und Elmar Wepper auftraten oder Richard Beek, der an den Kammerspielen war. 1960 wollte ich dann an die Otto-Falckenberg-Schule, aber dort hieß es, ich sei noch zu jung für die Klassen und passte nicht hinein. Man schickte mich ans Residenztheater, wo gerade ein jugendlicher Darsteller für Truman Capotes "Grasharfe" gesucht wurde, was ein schöner Zufall war. Außerdem hatte ich einen tollen Privatlehrer. Inzwischen ergaben sich auch Filme wie "Junge Leute brauchen Liebe" mit Johannes Heesters oder "Max, der Taschendieb" mit Heinz Rühmann, gedreht von Imo Moszkowicz. Er war ein besonders einfühlsamer Regisseur, der sehr gut mit Schauspielern umgehen konnte. Rühmann war wie immer sehr zurückhaltend und ernst. Damals verschwanden ja die Hauptdarsteller nach der Szenenprobe, die meist im Morgenmantel stattfand, wieder für einige Zeit, während ein textsicheres Double sie bei den stundenlangen Lichteinrichtungen vertrat. Ich hatte also mit Rühmann wenig Kontakt. Er sagte nur: "Glauben Sie, dass diese Rolle etwas für Sie ist?" Das weiß ich noch genau.

-Sie wollten also als Kind schon zum Theater?

Eigentlich zum Zirkus, das war mein Traum. Ich liebte die großen Clowns Grock und Charlie Rivel, und es gab keinen Zirkus, den ich nicht kannte. Aber am Zirkus war es ja noch schlechter um die Berufe bestellt, und mit dem Theaterspielen konnte ich für die Familie wenigstens etwas dazuverdienen.

-Sie wurden in Eisenach geboren. Wie verschlug es Sie nach München, wo Sie später - etwa im Umfeld von Helmut Dietl und Franz Xaver Bogner - als bayerischer Schauspieler wahrgenommen wurden?

Mein Vaterhaus ist in Eisenach, mein Vater war Maler, die Mutter Pianistin. Als ich geboren wurde, war das keine gute Zeit für freischaffende Künstler. Mein Vater bekam schließlich Arbeit in München bei der Reichsbahn, wo er wieder rausflog, weil er nicht in der Partei war. Obwohl meine Eltern sich mit Klavierstunden und Schildermalen so durchschlugen, hatte ich eine unbeschwerte, schöne Kindheit. Da ich in München aufgewachsen bin, sprach ich auch Bairisch. Als junger Schauspieler musste ich dagegen ankämpfen, denn ich wollte nicht Volkstheater machen. Dabei finde ich Dialekt-Anklang schön, manchmal tut man sich damit auch leichter, weil man ehrlicher spielt.

-Zuletzt waren Sie in dem Kurzfilm "Herbsttournier" zu sehen.

Ja, in dem Absolventenfilm von Dorothea Nölle mit einer süßen Story: Zwei ehemalige Tennisspieler der Bezirksliga wohnen wie ein altes Ehepaar zusammen im Wohnwagen und geraten in eine Rivalität um die Kellnerin in ihrer Kneipe. Die alten Freunde erinnern mich auch an die Monsieur-Hulot-Filme von Jacques Tati, den ich sehr verehre.

-Ist etwas dran an den Aussagen dieses Kurzfilms übers Alter und den eingespielten Alltag?

O ja. Das ist sehr stimmig erzählt und toll beobachtet: Dass die beiden alles wie immer machen, streiten und sich nichts mehr zu sagen haben. Und dass der andere hilflos ist, wenn der eine geht.

-Zuletzt ist es um Sie etwas ruhiger geworden.

Ich war in den letzten 15 Jahren viel mit Theaterproduktionen auf Tournee. Jetzt mache ich eine Pause damit, denn das ist sehr anstrengend. Ich habe in der Zeit auch TV-Angebote abgesagt. Wenn sich aber wieder eine schöne Rolle anbietet, mache ich es sehr gern.

-Was wäre so eine Rolle?

Die Männer in "Herbstturnier" zum Beispiel. Ich mag das Tragikomische. Jetzt bin ich wohl zu alt dafür, aber den "braven Soldaten Schwejk" hätte ich gerne gespielt, mit Charme und Witz. Heute wird ja vieles nur noch abgeliefert, weil nicht mehr genug Zeit dafür ist. Das Drehen damals war ganz anders.

-Wie hat sich aus Ihrer Sicht das Film- und Fernsehgeschäft verändert?

Es gibt heute eine Vielzahl von Sendern, und man kann gar nicht mehr alles mitbekommen. Wenn früher etwas Gutes kam, hat es jeder gesehen. Heute gibt es viele fürchterliche Klamotten und Comedians, die auch sehr unter die Gürtellinie gehen. Damit kann ich nicht viel anfangen.

-Wie werden Sie Ihren Geburtstag verbringen?

Ruhig. Ich bin nicht der Typ, der viel zu Empfängen geht.

Das Gespräch führte Christine Diller

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