TV-Ärzte

Sie lösen alle Probleme - und haben selbst welche

Halbgötter in Weiß: Warum Arztserien aus Deutschland und den USA so erfolgreich sind - Sogar echte Ärzte finden sie gut.

Patrick Dempsey ('Grey's Anatomy') operiert auch viel an Beziehungen...

Sie sehen blendend aus, hören den Patienten aufmerksam zu und meistern selbst schwierigste Operationen mit Bravour: Ärzte bleiben die unangefochtenen Halbgötter in Weiß - zumindest im Fernsehen. In Deutschland schalten Millionen Zuschauer bei wöchentlichen TV-Serien wie "Dr. House", "Grey’s Anatomy" oder "In aller Freundschaft" ein. Damit gehören die Arztgeschichten aus Deutschland und den USA seit Jahren zu den erfolgreichsten Serien. Schließlich attestieren ihnen selbst "echte" Mediziner einen großen Bezug zur Realität.

Daher werden immer neue Programme rund um den Medizineralltag produziert. Kürzlich startete bei Sat.1 - jedoch mit weniger Erfolg - "Dr. Molly & Karl", am 29. Januar kommt die "Klinik am Alex" hinzu. Beim ZDF ist nun Wayne Carpendale in "Der Landarzt" zu sehen. Und Pro Sieben zeigt bald die achte Staffel der Nachwuchsmediziner "Scrubs" und die 15. des Dauererfolgs "Emergency Room".

... wogegen beim 'Bergdoktor' (hier Hans Sigl) die idyllische Landschaft wichtig ist.

"Eine Arztserie ermöglicht mehr als andere Serien die Flucht in eine Traumwelt", erklärt die Medienpsychologin Katrin Döveling von der Freien Universität Berlin den Erfolg dieser Formate. "Ärzte genießen ein hohes Ansehen in der Gesellschaft, deswegen sind Geschichten mit ihnen im Zentrum für viele Zuschauer besonders attraktiv." Auch seien die TV-Doktoren einfühlsamer als manch ein unter Termindruck stehender realer Arzt. "Zudem werden in den Serien gesundheitliche und zwischenmenschliche Probleme innerhalb von kürzester Zeit gelöst - das beruhigt viele Menschen.

Und wenn die Zuschauer dann noch merken, dass selbst Ärzte Probleme haben und sich dennoch für ihre Patienten engagieren, dann sehen sie das als ein Indiz dafür, dass die Welt irgendwie doch ganz gut sein kann." Eine heile Welt bot schon "Die Schwarzwaldwaldklinik". Das Team um Professor Klaus Brinkmann (Klausjürgen Wussow) zog in den 80ern bis zu 23 Millionen Zuschauer an. Der Mix aus menschelndem Mediziner und herzlichem Personal war damit eine der Initialzündungen für weitere Arztserien.

Doch heutige Formate unterscheiden sich zum Teil erheblich: Während "Der Bergdoktor" seine Patienten vor malerischer Kulisse fast liebevoll behandelt, läuft "Dr. House" griesgrämig über die Krankenhausflure, spornt aber seine Mitarbeiter zu Wunderleistungen an. Das sind laut Döveling auch die Unterschiede zwischen deutschen und US-amerikanischen Produktionen: Hiesige Doktoren arbeiten meist in anheimelnden Umgebungen und pflegen engen Kontakt zu den Patienten. Den US-Arzt hingegen scheint es vor allem in Kliniken zu geben, wo ein besonderer Fokus auf den Beziehungen zu den Kollegen liegt. Doch egal, ob die Charaktere dabei klischeehaft überzogen werden: Selbst "echte" Mediziner haben an den Arztserien kaum etwas auszusetzen. ",Dr. House‘ ist erstaunlich realistisch, was die medizinischen Fragen, aber auch die Atmosphäre und den Ton in der Medizin angeht", sagt Stefan Willich, Internist vom Berliner Universitätsklinikum Charité.

Auch der Verband der Ärzte Deutschlands, der Hartmannbund, kann den Serien nur Gutes abgewinnen. "Die Personen als Ärzte werden fast nie als arbeitsunwillig oder inkompetent dargestellt", findet Sprecher Michael Rauscher. Im Gegenteil: "Vielmehr werden sie als stets einsatzbereit und oft sogar als einfühlsam und aufopfernd für die Patienten dargestellt."

Aliki Nassoufis

Rubriklistenbild: © fkn

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