"Lolle" im Bombenhagel

- Es hätte schlimmer kommen können. "Dresden" (ZDF) ist kein revanchistisches Pamphlet, das deutsche Kriegsschuld und Verbrechen verwischt. Der Film von Roland Suso Richter - der mit dem "Tunnel" schon Besseres, mit der Josef-Mengele-Fiction "Nichts als die Wahrheit" aber auch schon viel Geschmackloseres gemacht hat - bemüht sich ansatzweise um eine mehrperspektivische Darstellung der Nacht der Zerstörung Dresdens im alliierten Bombenhagel.

 Trotzdem ist "Dresden" in erster Linie eine Schnulze zwischen "Heimatfilm" und "Schwarzwaldklinik", mit dem Krieg als feuerroter Kulisse im Hintergrund. Drei Viertel des Zweiteilers spielen vor dem Bombenangriff. Das "Dritte Reich" als Krankenhausserie mit barmherzigen Schwestern, einem verbitterten Professor (Heiner Lauterbach) zwischen ärztlicher Pflicht und Angst, einem jungen, opportunistischen Oberarzt (Benjamin Sadler), der der Schwester an die Wäsche geht - wenn er nicht gerade im Bombenhagel blutende Landser zusammenflickt, statt in den Keller zu flüchten. Im Zentrum steht Chefarzttochter und Krankenschwester Anna, von Felicitas Woll souverän als "Lolle"-Neuauflage gespielt.

Den Feind im Keller versteckt

 Irgendwann fällt vom Himmel hoch der britische Bomberpilot Robert (John Light) in Annas Arme, die den schönen Feind im Keller versteckt, und seine Wunden mit Medizin und Sex im Krankenbett kuriert. Der Medikamentenschwarzhandel von Annas Vater und ihr eifersüchtiger Verlobter a. D. lassen die Ereignisse derart lebensbedrohlich eskalieren, dass der britische Angriff von Zuschauern und Hauptfiguren dann geradezu als Rettung aus allen Kalamitäten empfunden wird.

Wie in einer schlechten Operette

 Vierzig Minuten lang kracht und scheppert es, dann gehen Robert und Anna bedeckt mit Asche (Sühnesymbol?), aber sonst unbeschädigt ans Licht - ein Showdown wie in einer schlechten Operette. Ganz aus ist der Film erst mit dokumentarischen Bildern der wiederaufgebauten Frauenkirche und Horst Köhlers billiger Mahnung: ,Nie wieder Krieg!’ Jetzt soll man sich wohl freuen.

 Wer nicht vergessen hat, wer den Krieg vom Zaun brach, dürfte sich aber fragen, wo denn hier eigentlich die Nazis geblieben sind - abgesehen von drei, vier finster schauenden blonden Burschen mit blitzblanker Uniform, die ein paar Mal durchs Bild marschieren, der erste nach immerhin einer halben Stunde. Ansonsten erlebt man lauter moralische Deutsche in moralischen Konflikten. Der Weltkrieg kommt außer von der Seite der zivilen Opfer nur kurz über einen Sterbenden ins Bild, der flüstert: "Ich habe schreckliche Dinge getan." Unterbrochen ist das Ganze durch historische Aufnahmen. Manche von ihnen sind keine halbe Sekunde lang, die wenigsten länger als zehn Sekunden. In der zweiten Hälfte des Films verschwinden auch diese Passagen dann fast völlig.

 "Dresden" ist trivialer Kitsch, der vom Überleben erzählt. Nur Statisten sterben. Manche Themen sträuben sich eben einfach gegen das "Eventmovie". Ein seifiger Nachgeschmack bleibt.

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