Letzte Live-Ziehung

Lotto: Das Ende einer Ära

Hamburg - Die ARD überträgt am Samstag um 23.15 Uhr die letzte Lotto-Ziehung live im Fernsehen. Ein Ära geht damit zu Ende.

Sie gehörte zum Samstag wie die Bundesliga: Die live übertragene Ziehung der Lotto-Zahlen in der ARD war für Millionen Deutsche lange Zeit ein Teil ihres festen Rituals. Nach 48 Jahren ist nun Schluss: Zum letzten Mal wird an diesem Samstag (23.15 Uhr) der Vorgang direkt übertragen. Und dennoch dürften sich viele Lottospieler freuen – durch den neuen Sendeplatz kehrt wieder Verlässlichkeit ins Glücksspiel zurück.

Als im vergangenen Monat das Aus der Live-Ziehung bekannt wurde, vermuteten viele einen Zusammenhang mit einer der größten Pannen in der deutschen Lotto-Geschichte. Anfang April musste beim Mittwochslotto die Ziehung nachträglich für ungültig erklärt werden, weil zwei Kugeln nicht in die Trommel fielen. Den Jackpot abräumen und dann den Gewinn wieder aus den Händen geben müssen – dieser Albtraum wurde wahr. Doch damit soll das Ende der Live-Ausstrahlung nichts zu tun haben, die Ziehung soll modernisiert werden.

Im ZDF lief bereits vergangenen Mittwoch die letzte von einer „Lottofee“ moderierte Sendung. Statt ein paar Minuten mit Heike Maurer gibt es jetzt nur noch die ohne Moderation präsentierten schnöden Zahlen. Im Vergleich deutlich besser hat es dagegen im Ersten die „Lottofee“ Franziska Reichenbacher. Sie bleibt auf dem Bildschirm, nur dass sie künftig in einer Aufzeichnung zwischen „Sportschau“ und „Tagesschau“ stark verkürzt um 19.57 Uhr die Ziehung präsentieren wird. Dieser Sendeplatz soll fest bleiben.

Reichenbacher steht auch stellvertretend für die nachlassende Bedeutung der Lotto-Übertragungen. Obwohl die 45-Jährige seit 1998 die Ziehung moderiert, konnte sie nie die Bekanntheit ihrer Vorgängerin Karin Tietze-Ludwig erreichen. Denn schon seit langem hat die Lotto-Ziehung nicht mehr den Stellenwert. Und auch der Stellenwert des Lottospielens nahm ab: Von 2003 bis 2012 sank beim Spiel 6 aus 49 der Umsatz um 1,7 auf 3,6 Milliarden Euro pro Jahr.

Es ist nicht so, dass die Deutschen nicht mehr spielen mögen. Doch gibt es inzwischen wesentlich mehr Lottoangebote und mit den zwar illegalen, aber beliebten Angeboten im Internet Konkurrenz. Bei der ARD dürfte da mancher wehmütig an die Zeit zurückdenken, als der Sender das Glücksspiel praktisch wie einen Behördenakt betrieb. Bis weit in die Achtzigerjahre hieß es stets zum Auftakt der Ziehung der Lotto-Zahlen: „Der Aufsichtsbeamte hat sich vor der Ziehung von dem ordnungsgemäßen Zustand des Ziehungsgerätes und der neunundvierzig Kugeln überzeugt.“

Zu Beginn wurden die Kugeln in einem nüchternen Studio gezogen und dann die Zahlen auf Teakholzklötzchen präsentiert. Seit den Siebzigerjahren wurde die Lottoziehung immer bunter. Wer den Live-Kick braucht, kann nach wie vor bei der Ziehung dabei sein. Der Deutsche Lottoblock zeigt diese im Internet unter www.lotto.de. Neue Glücksbringer sind Chris Fleischhauer und Nina Azizi.

Für die letzte Live-Ziehung im Fernsehen scheint übrigens die „13“ ein guter Tipp zu sein. Bei der ersten, noch nicht übertragenen Ziehung 1955 kam die 13. Bei der ersten übertragenen Ziehung 1965 kam ebenfalls die 13. Da müsste es doch mit dem Zufall zugehen, wenn nicht auch in diesem historischen Moment die 13 kommen sollte.

Von Anton Pfau

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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