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Engagiert nachgefragt hat Dunja Hayali (r.) auf der Demo. Dort erhielt sie auch äußerst aggressive Antworten.

„Sie senden das doch eh nicht!“

"Lügenpresse"-Vorwurf: Journalistin veröffentlicht Material von AfD-Demo

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München - Moderatorin Dunja Hayali wird vorgeworfen, sie habe bei ihrer Auswahl für einen Beitrag des ZDF-"Morgenmagazin" aus Erfurt bewusst aggressive Stimmen ausgewählt. Daraufhin veröffentlicht sie ihr ungekürztes Interviewmaterial.

Es ist schon beeindruckend, wie ruhig sie bleibt. Inmitten des Lärms, der gereizten Stimmung, auf einem Klangteppich aus „Wir sind das Volk“- und „Volksverräter, Volksverräter!“-Rufen stellt Dunja Hayali ihre Fragen. Die Journalistin möchte es genau wissen. Will erfahren, warum die Menschen hierher gekommen sind: zur AfD-Demo vergangenen Mittwoch in Erfurt.

Für das ZDF-„Morgenmagazin“ schnitt sie die geführten Interviews zu einem fast vierminütigen Beitrag zusammen. Wir hören eine Frau, die mit einer Kerze in der Hand auf dem dunklen Platz vorm unbeleuchteten Erfurter Dom steht, weil sie sich angesichts der Flüchtlingsströme Sorgen um die Zukunft Deutschlands macht; oder den Mann, der nicht versteht, weshalb „nur junge Männer bei uns“ ankommen. Eine andere Frau, die lautstark die Ungerechtigkeit anprangert, dass sie „500 Euro Rente“ bekomme, ein „Moslem aber 670“. Und schließlich Björn Höcke, AfD-Fraktionsvorsitzender im Thüringer Landtag, der sich darüber freut, dass Hayali, die Deutsche mit irakischen Wurzeln, sich so vorbildlich integriert hat und das Land „genauso liebt wie ich“.

Doch kaum ist der Beitrag gesendet, folgen die Vorwürfe: Hayali habe bewusst Menschen ausgewählt, die aggressive Stimmung verbreiten. Stichwort: „Lügenpresse“. Das ließ die 41-jährige Journalistin nicht auf sich sitzen – und veröffentlichte nun sämtliches Interviewmaterial von der AfD-Veranstaltung im Internet. Dazu ihr Kommentar: „Der Vorwurf der Zensur, Fälschung, Selektion und Lügenpresse war nach dem Beitrag über die AfD-Demo zu erwarten. Auch deshalb stellen wir nun alle Interviews in voller Länge, also ungekürzt ins Netz. Schauen Sie bitte bis zum Ende, machen Sie sich ein eigenes Bild.“

Positive und negative Kommentare in den Sozialen Netzwerken

Das veröffentlichte, etwa 30-minütige Video macht zweierlei deutlich: Erstens, wie schwierig es für Journalisten ist, aus dem gesammelten Material auszuwählen und einen repräsentativen Beitrag des Gesamteindrucks zu produzieren. Und zweitens, wie vorbildlich genau das dem „Morgenmagazin“-Team gelungen ist. Denn tatsächlich wurden vor allem die Teilnehmer herausgekürzt, die sich bei einer Veröffentlichung ob ihrer wirren Argumentation schlichtweg blamiert hätten. Man darf davon ausgehen, dass sie vor sich selbst geschützt werden sollten. Selbst die Taschenspielertrick-Argumentation von Höcke, der versucht, vor den klaren Fragen auszuweichen, indem er der Journalistin spitzfindig Polarisierung vorwirft, wurde nicht gezeigt. Ebenso die offensichtlich betrunkenen Demonstranten. Stattdessen schnitten die Verantwortlichen die Wortbeiträge so zusammen, dass die wesentlichen Ängste, die bestehen, deutlich werden.

Die Kommentare in den Sozialen Netzwerken zu Hayalis Veröffentlichung reichen übrigens von „Nur das, was dem Staat passt, wird gezeigt. Ich glaubte auch nie an zensierte Nachrichten. Nur leider ist das Realität...“ bis „Echt mal ein offener und ehrlicher Beitrag. Hut ab!!!“

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