Das ist der „große Vorsitzende“: Helmut Schleich als Franz Josef Strauß (l.), Wolfgang Krebs als Edmund Stoiber. foto: br

Die Lust an der Verkleidung

München - In seiner neuen Satiresendung "SchleichFernsehen" (BR) macht der Kabarettist Helmut Schleich das, was er am besten kann: Er spielt den Franz Josef Strauß, den Otti Fischer, den Papst.

„Exklusivinterview“, „Experte“ - zu viele „x“, um diesen Satz beim ersten Mal unfallfrei über die Bühne zu bringen. Also nimmt Helmut Schleich noch einmal Anlauf für seine Anmoderation, bevor die Zuschauer im Fernsehstudio des Bayerischen Rundfunks in Unterföhring (Kreis München) herzlich über ein Interview mit Papst Benedikt lachen können. Aufgezeichnet wird hier die erste Folge der neuen Satireshow „SchleichFernsehen“, und wer Schleich kennt, der weiß, dass der Kabarettist und Parodist sowohl im Kostüm des Heiligen Vaters als auch unter der sorgfältig gekämmten grauweißen Haartolle von BR-Chefredakteur Sigmund Gottlieb steckt.

Der berühmte Fernsehjournalist, der den Pontifex Maximus im Gespräch en passant des Schwarzsehens überführt - einer der Höhepunkte der ersten Folge des neuen Formats, die an diesem Freitagabend um 22.30 Uhr im Bayerischen Fernsehen zu sehen ist. Die Lust an der Verkleidung ist Programm, wie Schleich nach der Aufzeichnung im Gespräch mit unserer Zeitung erläutert. „Mit immer weniger Geld und immer weniger Personal immer besser zu werden, dieses Diktat, das nicht zuletzt fürs Fernsehen gilt, haben wir zum Motto der Sendung gemacht.“ Deswegen, so hat Schleich seinem staunenden Publikum gleich zu Beginn weisgemacht, habe er das Studio selbst bauen und die Requisiten selbst zusammensuchen müssen. Und so tummeln sich der Gastgeber und seine Gäste in einer gebraucht wirkenden Kulisse zwischen altmodischem moosgrünen Sesselpärchen und unaufgeräumtem Büro. Und im Hintergrund: eine Rumpelkammer.

Wie der Herr, so das Gescherr. Zum festen Personal der neuen Sendung gehört außer der Assistentin Frau Meisel (Julia Urban) auch der von Wolfgang Krebs verkörperte Edmund Stoiber, der - so will es das Drehbuch - für Gotteslohn Hilfsarbeiten verrichtet, Hauptsache, er darf vor die Kamera. Und das Stimmungsbüro Kreitmeier, das die Musik zur Show liefert - „verhaltensauffällige Mitarbeiter des BR, unkündbar“. Sie spielen, sozusagen nebenher, zum Nulltarif.

So ganz aus der Luft gegriffen ist dieses Szenario nicht, im Hintergrund stand, wie Schleich verrät, der Wunsch des BR, „das, was ich schon gespielt habe im Fernsehen und auf der Bühne, in einer Sendung zusammenzufassen“. Für seine Verwandlungskunst ist er eben bekannt und berühmt. Oder, mit anderen Worten: „Es gibt Parodien, die man von mir erwartet. Der Papst, Ottfried Fischer, Franz Josef Strauß - die muss ich einfach zeigen.“ Keine Frage, dass das Publikum im Studio an diesem Abend nicht nach Hause geschickt wird ohne Auftritt des „großen Vorsitzenden“, für den es sich - nach entsprechender Aufforderung - sogar von den Sitzen erhebt. Und Schleichs FJS poltert unter großem Gelächter auch gleich los, fordert dazu auf, gefälligst ihm zu huldigen und nicht Ludwig II., diesem „Wittelsbacher Warmduscher“.

Das Gedenken an den „Kini“ ist der weißblaue Faden, der sich - aus gegebenem Anlass - durch diese erste Sendung zieht und der unter anderem verwoben wird zu einer abenteuerlichen Theorie über das Ende des Märchenkönigs. Aber zu viel soll davon nicht verraten werden, auch nicht von den „Archivpralinen“, die Schleich regelmäßig servieren wird.

Der Blick geht nicht nur in die Vergangenheit, auch Aktuelles steht in kurzen Soli auf dem Programm - soweit das in einer Sendung, die vorher aufgezeichnet wird, eben möglich ist. Er träume von einer Live-Show, gesteht Schleich, während er sich den Schweiß von der Stirn wischt, „das hat eine ganz andere Spannung, außerdem spart man sich Diskussionen darüber, was man vor der Ausstrahlung noch schnell rausschneidet“. Machbar scheint für die kommenden Folgen das Procedere, am Tag aufzuzeichnen und am Abend zu senden. Für die Premiere an diesem Freitag, da ist sich der Kabarettist sicher, hat er beim BR Quotenkredit. Schließlich läuft am gleichen Abend in der ARD Fußball.

Wer nach dem Spiel gleich zum „SchleichFernsehen“ umschaltet, kann sich mit gleich mal mit Julia Urban bekanntmachen. „Ich wollte ein neues Gesicht“, kommentiert der Münchner diese Besetzung: „Julia ist eine tolle Schauspielerin. Sie kann eine Kabarettistin spielen, ohne eine sein zu müssen.“ Außerdem lernt der Zuschauer Sebastian Daller kennen, einen ebenso jungen wie verrückten, auf jeden Fall hochmusikalischen Niederbayern, der mit seinen ätzenden Gstanzln über Politik und Zeitgeist das Saalpublikum im Sturm erobert hat. Sparzwang hin, Recycling her, ein Helmut Schleich ist eben doch immer für schöne Überraschungen gut.

von Rudolf Ogiermann

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