Was macht eigentlich Manuel Andrack?

Es ist offenkundig, Manuel Andrack ist um Integration bemüht. Er lernt saarländisch zu sprechen, nach saarländischer Art Würste zu grillen, und auch beim Ministerpräsidenten hat er sich schon vorgestellt. Im vergangenen Jahr ist Andrack nach Saarbrücken umgesiedelt, der Liebe wegen.

Nach 43 Jahren hat er Köln verlassen, wo er zur Schule gegangen ist, studiert und anschließend auch gearbeitet hat. Seine Bilanz nach einem halben Jahr in der Fremde: „Toll wandern kann man hier. Sehr schön. Absolut.“ Und, was ihm noch besser gefällt: „Die Leute feiern auch Karneval und stehen gerne an der Theke.“

Ärgerlich sei nur, dass er nicht mehr mit dem Fahrrad ins Stadion fahren könne. Gemeint ist die Spielstätte des 1. FC Köln, sein Lieblingsclub. Dort besitzt er weiterhin eine Dauerkarte. Die Integrationsversuche im selbst gewählten Exil unternimmt Andrack höchst medienwirksam. Immer dabei ist die Kamera, die alles dokumentiert. Zu sehen ist das Ergebnis in einer zwölfteiligen Sendereihe des Saarländischen Rundfunks mit dem Titel „Ich werde Saarländer“. Das erste große Fernsehprojekt von Andrack seit seinem Ausstieg aus dem Team von Harald Schmidts Late-Night-Show im September ist ab morgen jeweils freitags um 18.50 Uhr zu sehen.

Über die Trennung von Harald Schmidt und das Aus von Schmidt & Pocher möchte er nicht sprechen: „Ich bin doch nicht wie Rudi Carrell, der immer Kollegen und Ex-Kollegen bewertet hat.“ Nach einer kurzen Pause fügt er dennoch hinzu: „Ich habe immer gesagt, dass ich dem Projekt keine lange Zukunft mehr gebe.“

„Autor und Wanderer“ stehe nun auf seiner Visitenkarte, sagt Andrack. Er schreibt Kolumnen, Reisereportagen und unterhält einen Internetblog. Meist geht es dabei um eines seiner Spezialgebiete, das Wandern, den 1. FC Köln oder die Ahnenforschung. Vor allem aber tingelt er von Wolfsburg nach Osnabrück, von Trier nach Augsburg und sonstwohin. Dort hält er „basisdemokratische Lesungen“, wie er es nennt. Am Eingang bekommen die Gäste einen Stimmzettel und können selbst entscheiden, ob sie Passagen aus dem aktuellen Buch „Von wem habe ich das bloß. Auf den Spuren meiner Ahnen“ hören wollen oder unveröffentlichte Texte.

Als Ersatz für seine Auftritte im Fernsehen sieht er die Lesungen nicht. „Ich suche nicht die Öffentlichkeit und google meinen Namen auch nicht dreimal am Tag, wie das Kollegen machen.“ Dennoch sei es ein tolles Gefühl, wenn die Leute applaudieren. An seinem sechsten Buch arbeitet er seit über zwei Jahren. Einmal mehr ist König Fußball an der Reihe. Die Veröffentlichung kann sich allerdings hinziehen, genau genommen hat das nur Andracks Lieblingsclub in der Hand. „...und dann das Champions-League-Halbfinale FC Valencia gegen den 1. FC Köln“, lautet der Arbeitstitel. Gegenstand ist ein Briefwechsel zwischen Andrack und einem Freund, der vor Jahren nach Spanien ausgewandert ist. Erscheinen soll das Buch, wenn es tatsächlich zu der Begegnung kommt. Und das wird irgendwann der Fall sein, da ist sich Andrack sicher: „Wir haben jetzt den Poldi. Da ist alles möglich.“

Eine Französin in Deutschland

Am Anfang war ihre Stimme. Mehr gehaucht als gesprochen, mehr französisch als deutsch. Während die Kamera Abend für Abend über das nächtliche Köln schwenkte und in dicken gelben Buchstaben die Namen der Gäste eingeblendet wurden, begrüßte Nathalie Licard aus dem Off die Zuschauer der Harald-Schmidt-Show. Über die Jahre wurde sie wie Manuel Andrack zu einem festen Bestandteil der Sendung. Immer öfter tauchte sie vor der Kamera auf, als Sidekick vor der Musik, als Reporterin für Spezialeinsätze, als Co-Moderatorin.
Ende Oktober 2007 war für sie Schluss bei Harald Schmidt. Auf die Gründe will sie nicht näher eingehen. "Ich übe für die nächsten Lesungen", antwortet sie auf die Frage, was sie zur Zeit so mache. Im November hat sie das Buch "Ich bin gespannt wie gekochtes Gemüse - Eine Französin in Deutschland" veröffentlicht. Daneben wirkt sie in Werbespots mit und gehört dem Rateteam der Sendung "Dings vom Dach" im HR-Fernsehen an.
Nathalie Licard lebt in Köln. "Meine Heimat ist Frankreich", sagt sie. "Köln aber auch." Ein Hörbuch möchte sie heuer herausbringen und ein Bühnenprogramm. Und es gebe da ein Fernsehprojekt. Näheres will sie nicht verraten: "Es ist noch zu früh."

Jochen Lehbrink

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