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Von Zwängen gebeutelt: Der erfolgreiche Psychiater Dr. Magnus Sorel (Axel Milberg) steckt selbst in der Krise. Höchste Zeit, sein Leben zu ändern.

Schauspieler Axel Milberg

„Es macht immer Spaß, ein Ekel zu spielen“

München - Schauspieler Axel Milberg spricht im Interview über seine Rolle als zwangsgestörter Psychiater in Dani Levys ARD-Fernsehfilm „Der Liebling des Himmels“.

In diesem Film kommt für den Protagonisten alles auf einmal. In „Der Liebling des Himmels“ spielt Axel Milberg den berühmten Hamburger Psychiater Dr. Magnus Sorel, der selbst in einer tiefen Krise steckt. Eine Patientin zeigt ihn wegen sexueller Nötigung an, ein Unbekannter stiehlt ihm seine Tagebücher und noch dazu outet sich sein Sohn als schwul. Für den von diversen Zwängen befallenen Psychiater ist das ein Desaster. Warum die Zuschauer die Komödie, die das Erste am heutigen Freitag um 20.15 Uhr zeigt, anschauen sollen, erläutert Milberg im Interview.

In „Der Liebling des Himmels“ spielen Sie einen zutiefst neurotischen Menschen – haben Sie auch selbst irgendwelche Ticks?

(Lacht.) Nein, ich glaube nicht. Wobei – vielleicht hab’ ich welche, aber weil mir das so vertraut ist, merke ich es gar nicht. Ich kratze mich am Kopf, ich fummele mir gerne im Gesicht herum. So Sachen sind das eher. Ich wechsele die Straßenseite, wenn mir Menschen entgegenkommen, aber das ist unbewusst. Weil ich denke, dass sie mich erkennen könnten.

Sie werden nicht gern erkannt?

Nun, mir fehlt dieses Gen, wenn es denn ein Gen ist, sich über die eigene Prominenz wahnsinnig freuen zu können. Da gibt es ja viele Kollegen, die gehen in ein Restaurant und drehen sich hin und her, bis sie sich für einen bestimmten Tisch entschieden haben, und sprechen laut mit der Serviererin und überlegen: „Ach, vielleicht ist der Platz da vorne doch der bessere.“ Und ich husche hinein, meistens mit dem Rücken zum Raum. Wenn Sie so wollen, ist das ein Tick. Ich werde beobachtet – das stört eigentlich ein bisschen, weil es mein Sammeln, mein marottöses Sammeln stört. Marottös – bitte schreiben Sie das, das ist das Lieblingswort meiner Frau.

Sie machen also lieber im Ausland Urlaub, wo Sie marottös die Menschen beobachten können?

Nein, nein, so schlimm ist es auch wieder nicht. Ich möchte mich nicht beklagen. Ein paar Tricks gibt’s ja doch, sich unsichtbar zu machen. Ich habe da eine kleine Kollektion verschiedenfarbiger Kappen, die ich mir auf den Kopf drücke, und damit geht’s ganz gut.

Und wenn Sie doch jemand erkennt und man Sie um ein obligatorisches Selfie bittet?

Dann ist das völlig in Ordnung. Neulich kam jemand auf mich zu und fragte: „Ach, entschuldigen Sie, könnten Sie ein Foto von mir machen?“ Und dann hab ich ein Foto gemacht von der Person. Völlig unerkannt. Das hat mich gefreut. (Lächelt.)

Der Dr. Sorel, den Sie verkörpern, ist nicht so freundlich. Hat’s denn Spaß gemacht, so ein Ekel zu spielen?

Ja, das hat total Spaß gemacht. Mir macht es immer Spaß, unsympathische Menschen zu spielen. Wobei ich oft erst danach durch die Presse das Wort unsympathisch höre. Vorher verheimlichen mir das alle, erst hinterher komme ich drauf: Ach so, der ist gar nicht nett, gell?

Warum sollen wir uns als Zuschauer diesen Typen antun?

Nun, uns ist ja allen klar: Komödie funktioniert, wenn zum Beispiel ein Arsch gezwungen wird, ein besserer Mensch zu werden. Das ist nicht weit weg von uns selbst. Wir werden bessere Menschen niemals freiwillig, sondern weil wir dazu gezwungen werden. Weil wir in Lebenssituationen merken, dass wir alles, was uns wichtig ist, verlieren, wenn wir uns nicht am Riemen reißen – die große Liebe, die Liebe der Kinder, den Job oder was auch immer. Also konstruieren wir eine Figur, die überheblich ist, die gepeinigt ist von verschiedenen Marotten – Zählzwang, Waschzwang, Menschenscheu, Homophobie. Er weiß vielleicht vieles über andere, aber sich selbst kennt er nicht, sich selbst kann er nicht helfen. Das ist die Ausgangssituation. Und diesem Menschen mutet die Geschichte Ungeheuerliches zu. Und dabei schauen wir ihm vergnügt zu. Ich habe gerne das Drehbuch gelesen, ich habe die Figur gerne gespielt und ich habe den Film auch gerne gesehen, der extrem dicht ist. Ich glaube, wenn man ihn mehrmals sehen würde, man würde noch vieles entdecken.

Haben Sie viel geprobt? Regisseur Dani Levy ist ja eigentlich kein Freund von Proben, oder?

Wir haben nicht eine einzige Probe gemacht, wir haben immer gleich gedreht. Mir wurde nur gesagt: „Verlass’ diesen Raum nicht, da kommt die Kamera nicht hinterher.“ Und los ging’s. Oft ist das erste Mal Drehen mit zwei, manchmal drei Kameras das, was man im Film sieht. Etwa die lange Szene, in der ich nachts zu meiner kranken Frau nach Hause komme – das haben wir genau ein einziges Mal gedreht. Das ist eine Szene, die fünf Seiten lang ist. Und Sie sehen jede Nuance dieser Achterbahnfahrt der Gefühle.

War das dann für Sie ein bisschen wie Theater spielen?

Ja, daran hat’s mich erinnert. Es war ein großes Vergnügen! Das einzige Problem ist, du willst danach nie wieder probieren. (Lacht.)

Das Gespräch führte Katja Kraft.

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