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Eine Prostituierte wartet in Netzstrümpfen in einem Bordell auf einen Freier.

Frauenrechtlerinnnen protestieren

War die ARD-Sex-Doku eine Puff-Werbung?

Boppard - Zwei Jahre haben die Autorinnen der ARD-Dokumentation "Sex made in Germany" im Rotlichtmilieu recherchiert. Nun steht ihr Beitrag als "Dauerwerbesendung" für Bordelle am Pranger.

Heftige Kritik an einer ARD-Dokumentation über Prostitution in Deutschland hat die Frauenschutzorganisation Solwodi geübt. Die am Montagabend im Ersten ausgestrahlte Sendung „Sex Made in Germany“ sei eine „Dauerwerbesendung“ für einzelne Bordelle gewesen und habe den Eindruck vermittelt, Prostitution sei in Deutschland mittlerweile ein sauberes Geschäft geworden. erklärte „Solidarität mit Frauen in Not“ (SOLWODI) am Donnerstag in Boppard.

Hier können Sie die Folge in der ARD-Mediathek sehen (ab 22 Uhr)

Eine Dokumentation zu einem so heiklen Thema kann sich nicht darauf zurückziehen, journalistisch neutral schildern zu wollen, nicht anzuklagen, nicht zu verurteilen“, sagte die Vorsitzende des Vereins, die Ordensschwester Lea Ackermann. Zwar hätten die beiden Journalistinnen in ihrer Reportage durchaus kritische Töne angeschlagen und auf die Zwangsprostitution ausländischer Frauen in Deutschland hingewiesen. Dennoch hätten sie das Ausmaß von Menschenrechtsverletzungen an den Frauen verharmlost. Schließlich machten Zwangsprostituierte zwei Drittel der Gesamtzahl Prostituierter in Deutschland aus.

"Der Sex in Berlin ist günstig wie nirgendwo"

Das Team von „Die Story im Ersten“ hat in Stuttgart Europas größten Puff besucht, der 55.000 Freier im Jahr zählt. Die Reporter sprachen auch mit einer jungen Frau, die sich im Netz an Männer versteigert. Sie findet das erregend. Erstgebot: 1 Euro. „Das ist wie bei eBay.“

Die Dokumentation versucht zu veranschaulichen wie sich eines der liberalsten Prostitutionsgesetze Europas, das Deutschland 2002 mit noblen Absichten erlassen hat, auf die Realität auswirkt. Ziel war es eigentlich, Prostituierte aus der Illegalität holen. Den großen Reibach, den nun die Bordellbetreiber machen, hat man vermutlich nicht vorhergesehen. Alles ist möglich - bis hin zu menschenverachtenden Flatrate-Tarife für Sex. „Jetzt ist alles legal. Der Bordellbesitzer kann gut schlafen“, sagt ein Flatrate-Club-Betreiber in "Sex made in Germany". „Der Sex in Berlin ist günstig wie nirgendwo.“ Es sei genauso wie im thailändischen Pattaya. 1,2 Millionen Männer kaufen täglich Sex in der Bundesrepublik.

Autorinnen von "Sex made in Germany" recherchierten zwei Jahre lang

„Die Qualität ist gut, und alles hat seine Ordnung“, sagt ein Däne beim Besuch in einem norddeutschen Bordell. 300 Kilometer führen seine Landsleute dafür. Und das sei noch nicht mal extrem. Männer fliegen aus Amerika und Asien als Sextouristen zu Sechs-Tage-Reisen nach Deutschland ein. Flatrates gibt es schon ab 49 Euro.

Vor allem für Osteuropäerinnen bedeutet dieser Boom häufig großes Leid. Die Reportage schildert zum Beispiel das Schicksal einer Rumänin. Sie musste bis zu 40 Freier am Abend bedienen, bis die Behörden das Bordell schlossen - aus gesundheitlichen Gründen. Eine deutsche Prostituierte beteuert, viele ihrer Freundinnen verdienten sich Geld mit Sex dazu: „Viele Mädels, die machen ihr Abi, studieren, kommen trotzdem hierher, für ein bis zwei Tage über das Wochenende Geld zu verdienen, weil sie es nicht als weiter schlimm ansehen.“

Die Autorinnen Tina Soliman und Sonia Kennebeck haben zwei Jahre im Milieu recherchiert, sprachen mit Frauen, die dort freiwillig als Prostituierte, Pornostar oder Webcam-Hure arbeiten. Sie trafen Zuhälter und einen Bordellbetreiber, den sie auch zu Hause im Kreise der Familie besuchen durften. Er ist alleinerziehender Vater von vier Kindern. Seine Töchter schickt er auf ein englisches Elite-Internat. Seine Kinder sieht er nicht in dem Gewerbe: „Das wäre unvorstellbar.“

kna/dpa

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