Magie und Manipulationen - 300 Stunden Olympische Spiele auf ARD und ZDF

Peking - Wer noch Zweifel an der Bedeutung der Olympischen Spiele für das öffentlich-rechtliche Fernsehen hatte, der musste am Montag bei der Pressekonferenz von ARD und ZDF nur auf das Podium eines Hamburger Nobelhotels schauen.

Dort waren nicht weniger als 19 wichtige Programmmacher und -gesichter, Direktoren und Moderatoren versammelt. Angesichts dieses Auftriebs mussten sich sogar die Talkstars Reinhold Beckmann und Johannes B. Kerner ungewöhnlicherweise auf jeweils nur einen Satz beschränken.

Nicht weniger als 300 Stunden Sport werden die beiden öffentlich-rechtlichen Fernsehsender während der Spiele vom 8. bis 24. August aus der chinesischen Hauptstadt übertragen. Etwa 400 Mitarbeiter aus Redaktion und Technik werden die Olympiasendungen produzieren. Zusätzlich zu den "Weltbildern" wollen die beiden Sender mit 30 eigenen Kameras exklusive Beiträge herstellen. "Besser waren wir noch nie auf Olympische Spiele eingestellt", sagte ARD-Programmchef Günter Struve.

Denn natürlich schwingt neben der Vorfreude auf Siege und neue Rekorde auch die Sorge um die politische Situation im Reich der Mitte mit. "Das sportliche Ereignis wird im Mittelpunkt stehen, aber ergänzt durch Beiträge drumherum, die sich mit Themen wie Menschenrechte, Minderheiten und natürlich Tibet beschäftigen", erklärte Struve. ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender nahm zur Diskussion um einen Boykott der Spiele Stellung: "Journalisten sind nicht dafür da zu boykottieren, sondern aufzuklären." Brender: "Es wird ein Weltereignis zwischen Magie und Menschenrechtsverletzungen." So werden neben den Sportreportern eben auch die politischen Korrespondenten beider Sender voll in die Berichterstattung eingebunden.

Live aus Peking waren während der Pressekonferenz Johannes Hano (ZDF) und Jochen Grebert (ARD) zugeschaltet und berichteten von ihren Problemen: "Es passiert einem dauernd, dass wir Leute in schwarzen Limousinen am Hacken haben, wenn wir draußen drehen. Der Druck ist ziemlich groß geworden, wir werden ständig verfolgt."

Doch wenn das olympische Feuer während der Eröffnungsfeuer im "Vogelnest" genannten Stadion erst einmal entzündet ist, soll das anders werden. Die Zusagen der chinesischen Regierung für eine freie Berichterstattung gibt es, ARD und ZDF wollen sie nutzen. "China ist keine Demokratie, Menschenrechtsverletzungen, Zwangsarbeit und auch Doping sind Themen", sagte Brender: "Wenn wir jedoch nicht mehr frei berichten könnten, keinen freien Zugang zu Quellen hätten oder wenn am Bild manipuliert würde, wäre ein Boykott denkbar."

Nach der Übertragung der Eröffnungsfeier, die in der Hand der ARD liegt, beginnt ab dem 9. August die umfangreiche Live-Berichterstattung. ARD und ZDF wechseln sich dabei wie in der Vergangenheit täglich ab. Zwischen 1 und 2 Uhr nachts beginnt die Übertragung, die etwa bis 17.30 Uhr andauert. Die ARD fasst die Tageshöhepunkte reaktionell von 17.40 bis 19.45 Uhr zusammen, das ZDF zeigt die Highlights sogar zur besten Sendezeit ab 20.15 Uhr bis 21.45. Beide Sender teilen sich dafür erneut ein gemeinsames Studio im internationalen Pressezentrum.

Zusätzlich sind in den Digitalsendern Eins Festival und Eins Plus sowie im ZDF-Infokanal und im ZDF-Dokukana 600 Stunden alternatives Live-Programm vorgesehen. Für das ZDF soll außerdem der chinesische Starpianist Lang Lang während der Spiele regelmäßig Land und Leute vorstellen.

In der ARD plaudern nach dem Erfolg bei den Olympischen Winterspielen vor zwei Jahren im italienischen Turin Waldemar Hartmann und Harald Schmidt wieder humoristisch als "Waldi und Harry" im Nachtprogramm ab 22.55 Uhr für eine Stunde aus dem Deutschen Haus. Schmidt hat dafür bereits für sich augenzwinkernd die Vorteile der Zensur entdeckt: "Ich sehe das positiv - wir können immer sagen, die Stimmung im Studio war der Hammer. Wenn das nicht zuhause ankommt, ist es eben rausgeschnitten worden."

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