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Schauspielerin Rosel Zech

„Man muss nicht immer schick aussehen“

Rosel Zech über ihre Rolle in „Um Himmels Willen“, ihre neue, alte Heimat Berlin und ihre Leidenschaft für Fußball

Die derzeit erfolgreichste ARD-Serie (Marktanteil: 22 Prozent) heißt „Um Himmels Willen“. Seit sieben Jahren laufen die tragikomischen Geschichten um die Konflikte zwischen einer Nonne (Janina Hartwig) und einem Bürgermeister (Fritz Wepper). Heute startet die achte Staffel mit 13 neuen Folgen (jeweils dienstags um 20.15 Uhr). Mit dabei ist auch wieder Schauspielerin Rosel Zech als Mutter Oberin. Gleich ihre erste große Rolle – in Rainer Werner Fassbinders Film „Die Sehnsucht der Veronika Voss“ (1982) – bescherte der heute 66-Jährigen einen „Goldenen Bären“. Zech wirkte ferner in dem Mehrteiler „Die Bertinis“ (1989) mit, war als „Die indische Ärztin“ (1993 bis 1995) zu sehen und in Krimireihen wie „Der Alte“ und „Derrick“. Am Münchner Residenztheater spielte sie unter anderem im „Zerbrochnen Krug“ (1997) und am Volkstheater in „Afterplay“ (2000), wofür sie den Merkur-Theaterpreis erhielt.

-Werden die Münchner Ihnen nicht gram sein, dass Sie zu den Preußen übergelaufen sind?
Keine Ahnung – habe ich mich doch mehr oder weniger klammheimlich aus dem Staub gemacht. (Lacht.) Bis jetzt hat sich noch keiner seine Enttäuschung anmerken lassen. Außerdem ist noch nicht raus, ob ich für immer in Berlin bleibe. Bisher gefällt es mir aber sehr gut.

-Wollten Sie alte Sehnsüchte stillen oder Ihre Geburtsstadt neu entdecken?
Beides! Es war wohl der berühmte Koffer, den ich hier immer noch stehen hatte. Seit der Wende, seit Berlin wieder eine offene Stadt ist, sind meine nostalgischen Gefühle zur alten Heimat gewachsen. Und als mir eine Wohnung in Charlottenburg, in dem Viertel, in dem ich groß geworden bin, angeboten wurde, war die Sache entschieden. Ich fand es reizvoll, mein Leben und mein Wohnen noch einmal neu zu inszenieren.

-Aber Sie können jetzt abends nicht mehr im eigenen Bett schlafen, wenn Sie für neue Folgen von „Um Himmels Willen“ vor die Kamera müssen. Die Erfolgsserie, die in München und Landshut gedreht wird, soll ja weitergehen.
Das ist ein kleiner Nachteil, zugegeben. Aber dennoch freue ich mich auf die Fortsetzung dieser schönen Arbeit. Ich bin da sehr gerne dabei.

-„Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“ heißt es bei Udo Jürgens...
Das ist ein schöner Schlager, ansonsten aber Blödsinn. Wenn das so wäre, hätte ich viel verpasst.

-Sie haben tolle Kinofilme gemacht unter Rainer Werner Fassbinder, in herausragenden Theaterinszenierungen mitgewirkt unter Peter Zadek und anderen großen Regisseuren. Aber so richtig populär wurden Sie mit ihrer ersten Serienrolle als Nonne, als Mutter Oberin...
Ich nehme es staunend und natürlich auch freudig zur Kenntnis. Irre wird es nur, wenn ich schon mal mit meinem Rollennamen als „Frau Dr. Dr. Reuter“ auf der Straße angesprochen werde.

-Wie ertragen Sie eigentlich Ihre Ordenstracht? Eitel darf man dafür nicht sein, oder?
Nein, das darf frau nicht sein. Manchmal erschrecke ich vor mir selbst, wenn ich mich in der Garderobe im Spiegel betrachte. Als Nonnen sind wir ja kaum geschminkt. Aber dann kommt wieder eine Aufnahme, wo ich mir sage: Ja, das ist es. So ist es völlig richtig. Man muss nicht immer schick aussehen, das kann auch Sorgen bereiten...

-Das Filmkloster Kaltenthal hat schon länger eine neue Chefin. Schwester Lotte wurde durch Schwester Hanna ersetzt. Was hat sich geändert?
Nicht viel. Außer das Hanna viel jünger ist als ihre Vorgängerin.

-Sie kommen mit Janina Hartwig (Schwester Hanna) genauso gut klar wie früher mit Jutta Speidel (Lotte), die wir in der 100. Folge als Gast noch mal wiedersehen?
Ja, sonst würde mir die Arbeit keinen Spaß machen. Ich finde es wichtig, mit Kollegen am Set gut auszukommen. Da werden die Terrains rechtzeitig abgesteckt, das ist wie beim Fußballspiel. Als Schauspieler bist du Teamplayer. Da kannst du nicht gegen jemand in deiner eigenen Mannschaft spielen. Das muss zusammen gehen. Und wenn es mal nicht so recht passt – auch das gibt’s –, dann muss man sich zusammennehmen.

-Mit Fritz Wepper, der als Bürgermeister Wöller die männliche Hauptrolle spielt, ist gut Kirschen essen?
Der ist völlig in Ordnung. Fritz ist ein Profi, genauso ein alter Theaterhase wie ich oder unser „Bischof“, Horst Sachtleben, mit dem ich schon am Münchner Residenztheater gespielt habe.

-Ihre Filmfigur, die Mutter Oberin, ist bekanntlich ein fanatischer Fußballfan, die sogar den Bischof warten lässt, wenn ein spannendes Spiel im Fernsehen übertragen wird. Wie viel versteht Rosel Zech vom Fußball?
Von den Regeln her wenig, von den Emotionen her umso mehr! Ich mag diesen Sport sehr, schaue mir einiges an, auch wenn ich nicht selber ins Stadion gehe.

-Sind Sie Fan des FC Bayern München?
Am ehesten bin ich noch Fan der Nationalmannschaft. Aber da muss man manchmal ziemlich leidensfähig sein. In letzter Zeit habe ich mich schon gefragt, warum ich mich bloß für die interessiere.

-In „Um Himmels Willen“ bittet die Mutter Oberin den Ex-Nationalspieler Fritz Rickenbacher, gespielt von Horst Janson, sogar um ein Autogramm. Wer ist Ihr persönlicher Fußballgott?
Da gibt’s keinen. Ich fand Jürgen Klinsmann ganz toll, aber nicht als Spieler, sondern als Trainer. Wie der bei der WM 2006 unsere Jungs motiviert hat – Hut ab! Wenn ich das mit meinem Beruf vergleiche, hat mich das doch sehr an Fassbinder oder Zadek erinnert.

Das Gespräch führte Harald Heinzinger.

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