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Raus aus der Kitschfalle: Francis Fulton-Smith als Kommissar La Bréa (Szene mit Valerie Niehaus).

Mannsbild aus dem Silberwald

Start der Krimiserie „Kommissar LaBréa“: Francis Fulton-Smith ermittelt ab heute im Ersten

In Zeiten wie diesen haben es echte Kerle schwer. Der Kulturbetrieb sucht eher weiche Jungs, von Wirtschaft bis Kino sind Frauen auf dem Vormarsch und dürfen dabei sogar Frauen bleiben. Keine leichte Phase also für Männer vom Schlage eines Francis Fulton-Smith. Der Münchner Schauspieler ist nämlich der maskuline Prototyp: Lederjacken-Attitüde, 36-Stunden-Bart – ein Mannsbild wie aus dem Silberwald. Francis Fulton-Smith ist so gestrig wie Meister Proper und doch bestens im Geschäft. Das hat Gründe.

Offenbar gibt es auch in Zeiten wie diesen einen Bedarf nach Helden alter Schule. Und da auch die Nachfrage nach Krimiserien ungebrochen ist, darf FFS, das bayerische Kraftpaket mit britischem Pass, ab heute als Titelheld in der Serie „Kommissar LaBréa“ (ARD, 20.15 Uhr) auf Verbrecherjagd gehen. In Folge eins haut er alles um, was in seinen Bannstrahl gerät: die Nachbarin (Valerie Niehaus), sein Team (Chiara Schoras, Bruno Bruni) und am Ende natürlich auch den Täter, Blutfußmörder genannt, ein fieser Kerl, der Frauen meuchelt und irgendwann LaBréa selbst an den Kragen will. Das ist dramaturgisch hanebüchen und vor allem konventionell. Aber der Zuschauer soll eingelullt werden mit den Versatzstücken hiesiger Kriminalunterhaltung: ein alleinerziehender Witwer in der Titelrolle, eine zarte Romanze, ein buntes Ermittlerteam (Boss mit Intuition, Freak mit Herz, Weib mit Hirn), ein süßer Hund, eine vorlaute Tochter und sämtliche Klischees vom touristisch verwertbaren Drehplatz – diesmal: Paris. Die Mischung aus Urlaubsziel und Tatort funktioniert nun mal vortrefflich, und das Erste ist dafür von Venedig („Donna Leon“) über halb Skandinavien bis nach Triest („Commissario Laurenti“) unablässig auf Reisen.

Für die neue Serie ist Francis Fulton-Smith keineswegs die schlechteste Wahl. Eben auch, weil er an verwehte Heimatfilm-Epochen erinnert. Nicht umsonst ist in seiner bekanntesten Rolle die ganze Filmsippe nach seinem Filmberuf benannt („Familie Dr. Kleist“). Da fühlen sich viele in überschaubare Zeiten zurückversetzt, als man haushaltende Gattinnen noch mit Frau Kommerzienrat anreden durfte. Viele von Francis Fulton-Smiths Filmen tragen irgendwas mit Herz, Liebe, Glück oder Gefühl im Titel. Seit seiner Schauspielausbildung an der Münchner Otto-Falckenberg-Schule ist er auf Beziehungsrollen abonniert. Gern spielt er sie an der Seite von Christine Neubauer. Fast immer wird darin Triviales verhandelt. Und wenn er mal etwas Härteres wie einen Wehrmachtsoffizier gibt, dann zielsicher in revanchistischer Fernseh-Sülze wie „Die Gustloff“.

Aus dieser Kitschfalle, so Fulton-Smith selbst, soll ihm nun Alexandra von Grote s Romanreihen-Verfilmung LaBréa helfen. „Ich kann ja nicht immer der freundliche Arzt aus Eisenach sein“, sagt er offen und fügt hinzu: „Bei Dr. Kleist hat eben immer die Sonne zu scheinen.“ Aber was soll’s: „Ich bin gut im Geschäft“, sagt er gut gelaunt und brüllt über die voll besetzte Tafel der Pressepremiere seiner neuen Rolle „es ist angerichtet“ hinweg, als niemand sonst die Gabel erhebt.

So ist er eben: geradlinig, männlich, ein Machertyp, im Film wie privat, wo er mit seiner zehn Jahre jüngeren Frau Verena Klein in München lebt. Daran gibt es wenig zu kritisieren, das Publikum sucht Darsteller wie ihn in Filmen wie diesem. Wäre die Produktionsfirma teamWorx nicht bislang mit all ihren Serienprodukten baden gegangen, man müsste sich dennoch ernstlich Sorgen um die Quote machen. Ein Gefühl, das FFS unbekannt sein dürfte – dem Steward Granger der Gegenwart.

Von Jan Freitag

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