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Die Journalistin und Migrationsexpertin Düzen Tekkal verstand ihre Sendezeit bei Markus Lanz zu nutzen. (Archivbild)

Markus Lanz, ZDF

„Erdogan hat den Krieg in deutsche Wohnzimmer getragen“

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Die Migrationsexpertin Düzen Tekkal konnte bei Markus Lanz die Folgen des türkischen Einmarschs in Syrien für Mitteleuropa darlegen.

Natürlich reicht eine Sendung nicht aus. Und Düzen Tekkal hatte nicht einmal ein Viertel der Sendezeit zur Verfügung. Aber sie verstand sie zu nutzen. Ihre Darlegungen zu dem vom türkischen Diktator Erdogan angezettelten Krieg in Nordsyrien waren extrem informativ. Und zeigten so zugleich die Ambivalenz des Formats Talkshow auf. Denn zum einen warten da noch andere Gäste auf ihre Präsentation, was jeden Beitrag zum Stückwerk macht. Zum anderen aber bekam hier bei Lanz das Publikum einen kondensierten Bericht über die Zustände an der türkisch-syrischen Grenze, den man so präzise, kritisch und ausführlich sonst kaum hört im Fernsehen.

Düzen Tekkal skizziert bei Markus Lanz das Vorgehen Erdogans

Düzen Tekkal, Journalistin, Migrationsexpertin und für die Rechte von Frauen eintretend, zeichnet Engagement, Leidenschaft und ein scharfer Blick auf die politischen Verhältnisse im nahen Osten wie in Mitteleuropa aus. So konnte sie bei Lanz dasVorgehen Erdogans* skizzieren, der eine ethnische „Säuberung“ plane und eine Rückkehr zu islamistischen Strukturen im Grenzgebiet anstrebe. Und eines der ersten Opfer war die kurdische Frauenrechtlerin Havrin Khalaf, von türkischer Soldateska ermordet. Ihr Bild wurde eingeblendet – eine gute Geste der Redaktion.

Dass der Versuch, die Kurden zu vertreiben, Auswirkungen auch auf uns in Mitteleuropa haben werde, konnte Tekkal eindrucksvoll schildern (Newsticker zur Situation in Nordsyrien*). Denn der Rückzug der Kurden nach türkischem Bombardement ermöglichte zum Beispiel Hunderten von besiegten IS-Anhängern die Flucht aus kurdischen Gefängnissen. Zudem hätten sich schon rund 200 000 dem Krieg Entfliehende sich auf den Weg nach Europa gemacht. Und die hier lebenden Türken und Kurden würden per religiöser Infiltration aufeinander gehetzt – ein Großteil der türkischen Moscheen untersteht dem Erdogan-hörigen Verband Ditib.

Deniz Yücel erinnert bei Markus Lanz daran, dass Erdogan schon immer Nachsicht mit dem IS hatte

Deniz Yücel*, der fast Jahr als Geisel des Diktators ohne Gerichtsverfahren in Einzelhaft verbringen musste (und darüber bei Lanz berichtete), erinnerte daran, dass Erdogan schon immer Nachsicht mit dem IS hatte. So musste ja Can Dündar, Chefredakteur der Zeitung Cumhyrriet, ins Exil fliehen, weil er staatliche türkische Waffenlieferungen an den IS aufgedeckt hatte.

Yücel wie Tekkal kritisierten die Haltung des Westens. Die Kurden hätten seinerzeit den Kopf hingehalten, so Yücel, und hätten dabei „auch für uns gekämpft“. Nun lasse man sie schmählich in Stich, schlimmer noch, so Tekkal, liefere sie Syriens Regimechef Assad aus.

Markus Lanz: Auch Ilkay Gündogan und Emre Can Thema

Auch die Affäre um die Fußballer Ilkay Gündogan und Emre Can* kam zur Sprache. Sie hatten ein „like“ unter ein Bild gesetzt, das die türkische Nationalmannschaft beim militärischen Gruß nach einem Tor zeigt – eine absolut deplatzierte Geste. Lanz kommentierte zu Recht, hier werde Fußball missbraucht für politische Zwecke.

Sein Gast Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund glaubt nicht, dass sein ehemaliger Spieler Gündogan (der das „like“ rasch wieder zurückgezogen hatte) nationalistische Tendenzen hat. Bei den Fußballstars seien die Social Media Kanäle aber insgesamt ein großes Problem. Düzen Tekken nahm die frühere Affäre, als Gündogan und Özil mitErdogan posiert hatten, zum Anlass festzustellen: „Wir haben Nationalspieler, aus denen wir trotz ihrer Privilegien keine Demokraten machen konnten.“

Von Daland Segler

Markus Lanz, ZDF, von Dienstag, 15. Oktober 2019, 22.45 Uhr. Im Netz.

*fr.de ist Teil der bundesweiten Ippen-Digital-Zentralredaktion.

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