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„Der Martin Brambach spielt das wirklich so, dass man ihn erwürgen möchte“: Senta Berger war im Merkur-Interview voll des Lobes für ihren Kollegen, der am Samstag in „Unter Verdacht“ einen frauenverachtenden Richter spielte.

Interview

Martin Brambach: „Ein bisschen spießig bin ich sicher“

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München - Martin Brambach über den Reiz von Nebenrollen, Kritik an der eigenen Arbeit und den Dresdner „Tatort“.

Er gilt als Mann für die Nebenrollen. Martin Brambach, der zuletzt in der jüngsten Folge von „Unter Verdacht“ brillierte. Nun stellt er in München den Kinofilm „Frauen“ vor. Darin spielt er hingegen eine Hauptrolle. Wobei er selbst nichts gegen die kleineren Parts hat, wie er im Interview verriet.

Liest man Porträts über Sie, ergibt sich immer dasselbe Bild: Sie werden als überaus sympathisch und herzlich beschrieben. Woher kommt diese Herzlichkeit?

Ich bin ein positiver Mensch, glaube ich. Ich bin ein harmoniebedürftiger Mensch. Das hat auch seine Nachteile manchmal. Ich würde mal sagen, das ist eine Temperamentssache. Aber dass ich sympathisch rüberkomme, das freut mich natürlich sehr.

Was man auch noch häufig über Sie liest: Dass Sie sehr akribisch arbeiten. Ihr Motto: „Man sollte anschauen, was man macht und zusehen, dass man besser wird.“ Was hätten Sie denn in der jüngsten Folge von „Unter Verdacht“ bitteschön noch besser machen können?

Das ist tatsächlich eines der ganz wenigen Projekte, wo man mal sagen kann hinterher: Da stimmt relativ viel. Ja, da habe ich Freude gehabt beim Gucken. Das ist sonst oft nicht so. Sonst gibt’s oft dann doch Szenen, in denen ich nicht ganz so gespielt habe, wie ich mir das gewünscht hätte. Nun dreht man ja auch nicht chronologisch. Manchmal wünscht man sich, man hätte schon die Erfahrung einer Szene gemacht, die im Film früher liegt, aber später gedreht wurde. Das hat man nicht und hat dann etwas zu laut oder zu intensiv gespielt. Und dann werden ja häufig Takes genommen, die man selbst nicht so gut fand, die aber dem Regisseur gefielen.

Sitzen Sie beim Ausstrahlungstermin vorm Fernseher und denken: Nein! Wieso hat er jetzt?

Ja! (Lacht.) Naja, ich mein: Das ist ja die Kontrolle der eigenen Arbeit. Als ich angefangen habe zu drehen, da war das noch viel, viel schlimmer. Weil man im Bewusstsein hat: Da schauen jetzt zwei, drei, manchmal sogar fünf oder sechs Millionen Menschen zu und sehen einen selber da scheitern in der Szene! Ja, da habe ich manchmal mit roten Ohren vorm Fernseher gesessen. (Flucht mit verstellter Stimme:) Um Gottes Willen! Wieso haste denn das so dicke gespielt? Ich habe Glück, dass ich dann immer noch Jobs bekommen habe und es trotzdem noch weitergegangen ist.

Tief gestapelt...

Naja, ich weiß ja nicht, ob Sie alles gesehen haben!

Natürlich nicht. Wie wäre das möglich – bei über 100 Filmen, in denen Sie mitgewirkt haben!

Stimmt, ich hab viel gedreht. Und sehr viel gelernt. Und als ich vom Theater kam, auch sehr viel erst lernen müssen.

Da müsste man mal in Ihren Anfängen wühlen. Was war denn der mieseste Film – bei dem Sie heute sagen: Oh je, nie wieder angucken!

(Lacht.) Oh, das kann ich gar nicht sagen. Ich hab’ zum Beispiel damals mal ne „Soko“ gemacht. „Soko Wismar“. Da hatte ich sehr, sehr Angst, dass ich dadurch in dieses Vorabendserienklischee reinrutsche und so einen Ruf wegbekomme und dann vielleicht nie wieder andere Rollen bekomme, wenn ich das zu flach spiele und das nicht irgendwas Interessantes wird. Da ging es sogar so weit, dass ich mir die Muster angucken durfte. Das hat die Produktionsfirma mir erlaubt. Die Regisseure mussten dem natürlich auch noch einmal zustimmen. Deren Bedingung war, dass sie die Muster vorher sehen dürfen. (Lacht.) Ich meine, das ist Teil meiner Arbeit. Vermutlich so wie ein Handwerker, der etwas baut und das dann noch einmal überprüfen muss. Und auch die Frage an seine Kunden: Gefällt’s Euch denn? Habt ihr immer noch Spaß dran? Letztlich ist das in der Kunst nicht ganz anders.

Wobei es sicher Schauspieler gibt, die das nicht so bedacht machen. Obwohl sie es vielleicht besser tun sollten...

Naja, man könnte es auch anders formulieren: Es gibt Kollegen, die sind so begabt, die müssen das gar nicht machen. Aber ich habe für mich festgestellt: Ich muss sehr genau arbeiten, damit ich am Ende Freude daran hab. Ich muss viel investieren. Einfach am Drehort und dann prima vista den Text machen – das kann mal gutgehen, aber das ist meistens dann doch nicht so, wie man sich das wünscht. Dann sitzt man im Hotel und ärgert sich: Mensch, hättste den Satz mal anders gemacht, das wär’s gewesen! Dem versucht man, entgegenzuwirken, indem man sich möglichst gut vorbereitet.

"Aus einem schlechten Drehbuch kann man keinen guten Film machen"

Und wie bekommt man dann diesen ekelhaften Richter aus „Unter Verdacht“ so wunderbar hin? Das Perfide ist ja, dass der einem dann und wann auch wieder Leid tut. Wie ist Ihnen das gelungen?

Naja, nun ist so eine Rolle ganz grundsätzlich schonmal ein Geschenk. Die war toll geschrieben. Das ist der Anfang. Aus einem schlechten Drehbuch kann man keinen guten Film machen. Das war hier schon sehr stimmig. Das Schwierige war ein bisschen, dass dem Mann eine Krankheit unterstellt wurde. Nämlich sowas wie Borderline. Das heißt, wir mussten uns mit dem Regisseur so ein bisschen von Szene zu Szene hangeln und überlegen: Was erzählen wir, was zeigen wir von dem? Was macht das glaubhaft, dass da jemand wirklich eine Psychose hat aber trotzdem in dem Beruf über Jahre funktioniert, ohne dass man das merkt. Dass das sozusagen nur so peu à peu rauskommt, was da ist. Die größte Schwierigkeit aber war, dieses merkwürdige Jura-Deutsch zu sprechen. Da musste ich lange üben, dass das so eine Selbstverständlichkeit kriegt. Das schönste Kompliment war, dass mir befreundete Rechtsanwälte gesagt haben, dass es glaubhaft rüberkam. Das freut mich sehr.

In dem Fall war es eine Episoden-Hauptrolle. Dabei spielen Sie sonst meist die Nebenrollen. Nerven Sie kursierende Slogans über Sie wie „Der Mann aus der zweiten Reihe“?

Also nerven gar nicht! Ich freue mich, dass ich von dem Beruf meine Familie ernähren kann. Außerdem sind es ja häufig die kleinen Rollen, die so besonders sind. Vergangenes Jahr etwa durfte ich den über 70-jährigen Erich Honecker spielen. Das ist beglückend, dass man für sowas gefragt wird. Und manchmal ist eine kleine Rolle eben auch dankbarer als eine Hauptrolle, in der man einen ganzen Film tragen muss. So eine große Rolle kann gar nicht so viele Amplituden haben wie eine kleine Figur, kann gar nicht so in Extreme gehen, denn der Zuschauer muss dann da ja mitgehen. Nicht immer, aber oftmals ist es so, dass es kleine Rollen gibt in guten Büchern, die für einen Schauspieler irgendwie interessanter sind.

"Der ,Tatort´macht großen ungeheuer großen Spaß!"

Nun treten Sie immer häufiger in den Vordergrund. Stichwort: Dresden-„Tatort“. Täuscht der Eindruck, dass es Ihnen ungeheuren Spaß macht, diesen spießigen Beamten Herrn Schnabel zu spielen?

(Lacht.) Der täuscht nicht. Das macht großen Spaß! Natürlich auch, weil der Ralf Husmann (Autor unter anderem von „Stromberg“, Anm. d. Red.) die Bücher schreibt. Ich hab mir schon lange gewünscht, mal von dem Texte sprechen zu dürfen. Im Vorfeld haben wir zusammengesessen und uns Gedanken gemacht über die Figur. Da habe ich angeregt, dass ich mir wünschen würde, dass der Herr Schnabel ein bisschen rechts ist. Ein bisschen so ein Konservativer. In Dresden ticken die Uhren eben doch etwas anders. Dass man das ein bisschen mitnimmt, ohne dass er nur ein blöder, rechter Phrasendrescher ist, das war uns schon wichtig.

Jetzt ist dieser Schnabel mal wieder so ein deutscher Durchschnittstyp, wie Sie sie gerne spielen. Wie viel Spießigkeit steckt denn in Ihnen selbst?

(Lacht herzlich.) Eigentlich hält man sich ja nicht für spießig, ne? Aber bestimmte Sachen, etwa mit den neuen Medien so ein bisschen zu hadern, das ist mir auch zu eigen. Da bin ich nicht so weit von entfernt. Ich gehe ungern ins Internet. Und ich merke, je älter ich werde, dass es mir wichtiger ist, dass es sauber ist. Wenn ich sehe, dass irgendwelche Jugendlichen den Mülleimer umtreten, dann sag’ ich was. Aus der Perspektive meines jüngeren Ichs würde ich mich heute wohl so manches Mal ermahnen. Also, eine gewisse Spießigkeit habe ich mit Sicherheit. Aber ich bin jetzt nicht so wie der Herr Schnabel! (Lacht.)

Das Gespräch führte

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