Bei "Maybrit Illner" ist einiges neu

Berlin Mitte: - Berlin - Nach "Sabine Christiansen", "Beckmann" und "Johannes B. Kerner" steht jetzt auch Maybrit Illner in Gänsefüßchen. Der ZDF-Polittalk "Berlin Mitte" heißt ab sofort wie seine Moderatorin: "Mabybrit Illner".

Von diesem Donnerstag an (22.15 Uhr) wird die Diskussionsrunde außerdem um 15 Minuten auf eine Stunde verlängert und bekommt ein neues Gewand. Und überhaupt soll nach siebeneinhalb Jahren einiges anders werden in der Talksendung.

Vor allem der Namenswechsel ist laut ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender Programm: weg von den paar Quadratkilometern rund um den Bundestag, wo sich Politiker auf Schritt und Tritt begegnen, hin zu den Betroffenen. "'Berlin Mitte' ist eine regionale Bezeichnung, eine Zustandsbeschreibung", sagt Brender.

In der Sendung, die im vergangenen Jahr eine Durchschnittsquote von 12 Prozent (2,3 Millionen Zuschauer) hatte, sollen stärker als bisher jene Menschen zu Wort kommen, die die Folgen des "politischen Handels und Nicht-Handels" ausbaden müssen, sagt Illners Redaktionsleiter Wolfgang Klein. Zwar verzichtet "Maybrit Illner" auch in Zukunft nicht auf den Streit der Politiker. "Aber wir wollen nicht mehr nur fünf Schlipsträger und einen Professor in der Runde", sagt die Journalistin. Schon seit längerer Zeit habe die Sendung immer mehr das gängige Talk-Schema aufgelockert. Jetzt werde es nur "ein bisschen mehr, ein bisschen schöner".

Die alerte Moderatorin wird nicht mehr an ihrem Stuhl im Studio-Halbrund kleben, sondern wie WDR-Kollege Frank Plasberg ("Hart aber fair") zu den Gästen auf der neuen Studio-Tribüne schreiten und sie befragen. Geplant sind auch ein "Fakten-Check" und mehr Einspielfilme sowie Videobotschaften der Zuschauer. Anders als Plasberg, der per "touch screen" seinen Gästen mit Daten, Kurzfilmen und Umfragen immer wieder gern in die Parade fährt, setzt Illner auf die eingespielte Zusammenarbeit mit der Regie. "Wir erfinden das Fernsehen nicht neu", sagt Brender.

Mit der Reform reagiert das ZDF auch auf den Wandel der Politik unter der großen Koalition. Wo der offene Disput dem Koalitionsfrieden geopfert wird und sich die Unterschiede zwischen den beiden großen Parteien oft nur bei den Stellen hinter dem Komma finden, wird Fernsehen schnell langweilig. Auch die Untergangsszenarien, die vor der vergangenen Bundestagswahl in den Politik-Sendungen hin- und hergewälzt wurden, tragen offenbar nicht mehr. "Die Leute wollen Lösungen", sagt Brender.

Als abschreckendes Beispiel nennt Illner die zunehmend verästelte Debatte um die Gesundheitsreform, "bei der viele Menschen irgendwann ausgestiegen sind". Die Politiker sollen laut ZDF-Chefredakteur jetzt "auf den Prüfstand" und mit den Menschen "draußen im Land" konfrontiert werden. Vor allem sollen mehr junge Leute im ZDF-Studio Unter den Linden Platz nehmen.

Gelassen reagiert das ZDF auf die ARD-Planspiele, nach dem Weggang von Sabine Christiansen den Polittalk im Ersten ebenfalls am Donnerstag zu platzieren. "Dann müssten wir reagieren", sagt Brender. "Aber ich glaube nicht, dass das droht".'

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