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Erst drei Wochen vor Drehbeginn fiel die Entscheidung: Johannes Herrschmann spielt Karl Valentin (hier mit seiner Kollegin Bettina Redlich).

Porträt

"Mein Bekanntheitsgrad hält sich in Grenzen"

Johannes Herrschmann spielt die männliche Hauptrolle in Jo Baiers ARD-Fernsehfilm "Liesl Karlstadt und Karl Valentin"

Der Film heißt "Liesl Karlstadt und Karl Valentin" - eine ungewohnte Reihenfolge. "Der Mann steht bewusst nicht an erster Stelle", erklärt Produzentin Claudia Rittig. Doch auch wenn Regisseur Jo Baier ("Wambo", "Nicht alle waren Mörder") die Geschichte des legendären Münchner Künstlerduos Karlstadt und Valentin erzählt, so ist doch der eigentliche Held der schlaksige Kerl mit dem maskenhaften Gesicht und der Melone auf dem Kopf.

Das liegt nicht nur am Charisma Valentins, von dem alle sprachen, die ihm je begegneten, sondern auch an Johannes Herrschmann, der dieser Legende in der heute um 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlten Verfilmung sein Gesicht leiht. Angst, dass man ihn nach der Ausstrahlung auf der Straße nur noch als "Herrn Valentin" anspricht, hat der Schauspieler nicht. "Schließlich habe ich im Film deutlich mehr Haare auf dem Kopf als in Wirklichkeit", witzelt er. "Außerdem habe ich bereits in so vielen Kino- und Fernsehproduktionen mitgespielt, und trotzdem hält sich mein Bekanntheitsgrad noch in Grenzen."

Die Münchner kennen Herrschmann aus dem Volkstheater, dem Metropol oder aus Serien wie "München 7", Kinogänger aus zahlreichen Rudolf Thome-Filmen, aus "Bandagistenglück" oder "Zugvögel". In den letzten Jahren häuften sich für Herrschmann, der seit dem Schauspielstudium an der Hochschule der Künste in den Achtzigern in Berlin lebte, die Angebote aus dem süddeutschen Raum. Deshalb zog der gebürtige Landshuter vor kurzem mit seiner Familie nach München. "Ich habe jetzt schon gelegentlich Heimweh nach Berlin. Wenn man so lange dort lebt, entsteht einfach eine tiefe Verbundenheit mit der Stadt", bekennt er. "Aber ich hatte nach 25 Jahren Berlin die Nase auch ziemlich voll."

Zur Produktion von "Liesl Karlstadt und Karl Valentin" stieß er nach eigener Aussage "fast schon unanständig spät". Es sei ja "sattsam bekannt", dass die Produktionsfirma damals recht lange nach einem geeigneten Hauptdarsteller gesucht habe. Erst drei Wochen vor Drehbeginn sei er beim Vorsprechen gewesen: "Naja, und anschließend ging alles sehr schnell, die Zeit drängte ja auch", erinnert er sich.
Als echter Bayer und noch dazu als Schauspieler war Herrschmann natürlich mit Karl Valentin, seinem absurden Humor, seinen Texten und seinen Auftritten vertraut.

In Jo Baiers Film sind auch einige Ausschnitte aus bekannten Sketchen von Valentin und Karlstadt zu sehen. "Nachzuspielen, was jeder im Original kennt, hat mir anfangs schon Respekt eingeflößt", gesteht der 50-Jährige: "Aber wenn man sich entschließt, eine Rolle wie den Valentin zu spielen, gehört das eben dazu. Man muss diesen Teil der Figur behandeln wie jede andere Rolle. Dann funktioniert es auch."

Tatsächlich empfand Herrschmann während der Dreharbeiten die Sketche als weitaus einfacher als die Szenen über den privaten Valentin. "Ich habe zur Vorbereitung jede Menge Briefe und viel Material von und über Valentin gelesen. Aber daraus einen Charakter hochzurechnen, der möglichst viel mit einer bekannten Person gemein haben sollte, ist schon eine Herausforderung", sagt der Schauspieler, der allerdings schon Lob aus berufenem Mund bekam: "Valentins Familie war nach einer ersten Vorführung sehr zufrieden. Ich muss die Person im Großen und Ganzen also getroffen haben".

Ulrike Frick

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