Der Mensch hinter dem Amt

- "Wenn man in dieser Rolle Fehler macht, würde einem das Publikum wohl nie verzeihen. Man sagt, der Papst sei unangreifbar. So jemanden zu spielen, ist eine große Verantwortung." Michael Mendl ist sich der Bürde, die er trägt, wenn er in Gero von Boehms Dokudrama "Karol Wojtyla - Geheimnisse eines Papstes" Johannes Paul II. spielt, durchaus bewusst. "Eine schwierige Aufgabe, aber auch eine ganz besondere Ehre", freut sich der 61-Jährige.

Schon die Vorbereitung auf diese Figur unterschied sich grundlegend von der sonst üblichen Prozedur vor Dreharbeiten. "Natürlich habe ich mir viele Bilder und Aufnahmen vom Papst angesehen, doch sie alle zeigen ihn ja eigentlich immer bei offiziellen Anlässen." Sich menschlich in ihn hineinzudenken, falle daher viel schwerer als bei anderen historischen Figuren, so Mendl. "Früher haben wir oft flapsig gesagt: Der Papst geht auch aufs Klo. Aber solch allzu menschlichen Dinge zu zeigen, war dann auch wieder nicht unsere Absicht."

"Der Beruf des Pfarrers und der des Schauspielers haben eine Menge Berührungspunkte."

Michael Mendl

Eine Balance zwischen dem Menschen Karol Wojtyla und seiner Funktion als Papst musste also gefunden werden. "Wir wissen nicht, wie er tatsächlich war. Deshalb habe ich selbst in Szenen, die ihn in privaten Gesprächen zeigen, den Menschen weitestgehend hinter seinem Amt verschwinden lassen." Dafür studierte Mendl spezielle Haltungen des Papstes und den ihm eigenen Sprachduktus. "Selbst seine Gedankenwelt wollte ich ganz vorsichtig in meine Art der Darstellung mit einbringen. Einfach war das nicht. Aber spannend."

Im Mittelpunkt von Gero von Boehms Dokudrama steht neben Karol Wojtylas Lebenslauf vor allem sein Verdienst um die Öffnung des Eisernen Vorhangs und die Beendigung des Kalten Krieges. Zahlreiche Zeitzeugen von Michail Gorbatschow bis Helmut Kohl kommen zu Wort. Für Kritik an dem oft auch umstrittenen Kirchenvater bleibt da bei nur sechzig Sendeminuten kaum Platz.

"Ich habe versucht, ein wenig von seinem Starrsinn als charakterliche Farbe mit hineinzubringen. Und auch in den fiktiven Gesprächen mit seinem Gärtner, der im Gewächshaus oder im Park als eine Art Vertreter der Menschheit auf den Vertreter Gottes trifft, werden Themen wie künstliche Befruchtung angerissen. Die Kritik daran muss sich dann aber jeder Zuschauer selbst herausziehen", verteidigt Mendl von Boehms Konzept.

Dabei stehe er persönlich der Kirche keineswegs kritiklos gegenüber. "Ich versuche, nach den zehn Geboten zu leben, und gehöre somit zur Gemeinschaft der Christen", betont der Schauspieler, der einst in Lünen als unehelicher Sohn eines katholischen Priesters zur Welt kam. "Aber die Gebote der Kirche selbst sind für mich nicht wirklich maßgebend. Ich gehe mit meinen Kindern ab und zu hin und schau' mir kritisch an, wie sich die Kirche verändert. Zu meckern gibt es aber noch immer einiges . . ."

Dass der Film nun pünktlich zum ersten Todestag des Papstes laufen wird und sich damit in das Medienspektakel einreiht, das rund um den Tod von Johannes Paul II. veranstaltet wurde, ist für Michael Mendl in Ordnung. "Das gehört zum Showbusiness dazu, und die katholische Kirche macht Showbusiness im besten Sinne. Wenn man so will, haben der Beruf des Pfarrers und der des Schauspielers eine Menge Berührungspunkte", schmunzelt Mendl.

Natürlich habe auch er sich ab und zu gefragt, ob man dem Papst nicht die letzte Würde raube, indem man seinen körperlichen Verfall so genau dokumentiere. "Doch er selbst wollte es so. Ja, wenn man böse sein wollte, könnte man sogar von einer Art Eitelkeit oder Vermessenheit sprechen", sagt Mendl nachdenklich. "Schließlich hat er im Grunde genommen gesagt: Christus hat am Kreuz gelitten - und ich leide jetzt auch." Doch solche Überlegungen anzustellen, sei nicht Aufgabe des Films, betont Michael Mendl noch einmal. "Diese Gedanken kann sich jeder Zuschauer hinterher selbst machen."

ZDF, morgen, um 21 Uhr.

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