"Es hat mich stark mitgenommen"

- Ein Millionenpublikum kennt sie als labile ARD-"Tatort"-Kommissarin Charlotte Sänger, nun macht Andrea Sawatzki mal wieder einen Abstecher zur Komödie. In "Helen, Fred und Ted" spielt die 43-Jährige eine Psychotherapeutin, die mit zwei Kollegen (Friedrich von Thun und Sawatzki-Ehemann Christian Berkel) eine Gemeinschaftspraxis gründet. Dabei erweisen sich die drei Seelenklempner zwar als sehr begabt bei der Lösung der Probleme anderer, doch bei ihren eigenen privaten Sorgen benehmen sie sich ziemlich dilettantisch.

Waren Sie selbst schon einem beim Psychotherapeuten?

Andrea Sawatzki: Vor diesem Film dachte ich, dass das Zeitverschwendung ist und dass man seine Probleme selber lösen muss, statt sich von einem wildfremden Menschen beraten zu lassen. Im Zuge der Dreharbeiten hatte ich aber die Gelegenheit, eine Therapiestunde zu machen, und die hat sich dann auf vier Stunden ausgedehnt. Dabei dachte ich vorher, ich hätte keine Probleme.

Ist es nicht sehr aufwühlend, wenn einem jemand so tief in die Seele blickt und vergrabene Erinnerungen weckt?

Sawatzki: Es war äußerst spannend und hat viel Positives bei mir bewirkt. Gerade was das Thema Kindererziehung betrifft, war das für mich sehr interessant. Manchmal tut ein Denkanstoß von außen eben gut. Es hat mich allerdings auch stark mitgenommen.

Sie standen für den Film mit Ihrem Mann Christian Berkel vor der Kamera. Haben Sie mit ihm nach Feierabend über Ihre möglichweise neu gewonnenen Einsichten diskutiert?

Sawatzki: Normalerweise sprechen wir nicht groß über die Arbeit, wenn wir zusammen drehen, wir können gut zwischen Beruflichem und Privatem trennen. Aber dieser Film hat uns beide sehr berührt. Wir haben viel über unsere eigene Kindheit gesprochen und natürlich auch sehr intensiv über unsere Kinder und die Gefahren, die in der Erziehung lauern. Das war sehr schön.

"Helen, Fred und Ted" ist von eher ungewöhnlicher Machart und verweigert sich einfachen Erzählmustern, wie sie im deutschen Fernsehen gängig sind. Waren die Dreharbeiten schwieriger als üblich?

Sawatzki: Unsere Regisseurin Sherry Hormann bat uns bei der ersten Leseprobe, uns nicht zu verstellen, nicht zu spielen. Wir sollten ganz wir selbst sein. Ich hatte am Anfang aber ein Problem damit, denn man neigt als Schauspieler dazu, sich hinter seinen Rollen zu verstecken.

Dann steckt in der Figur der Helen also viel von Ihnen selbst?

Sawatzki: Ja, die Helen hat wirklich viel von mir. Für mich ist die Schauspielerei eine Art Therapie, und alle Figuren, die ich mir so aussuche, sind für mich fürs Weiterleben notwendig. Auch wenn das jetzt ein wenig pathetisch klingt.

Für den Film mussten Sie sich aber nicht nur im übertragenen Sinne, sondern auch buchstäblich ausziehen. Sie sind in einer relativ freizügigen Bettszene zu sehen...

Sawatzki: Mit bricht da kein Zacken aus der Krone, wenn man mich so sieht. Ich mag das nicht, wenn die Frauen in Liebesszenen noch was anhaben oder sich krampfhaft zudecken. So ist das im richtigen Leben doch nicht. Man muss die Sache so realistisch wie möglich spielen, sonst sieht es verklemmt aus.

Und wie geht es mit "Helen, Fred und Ted" weiter? Das Ganze schreit ja geradezu nach einer Fortsetzung...

Sawatzki: Wir würden alle wahnsinnig gerne weitermachen. Es würde sich anbieten, einzelne Patienten über mehrere Folgen zu begleiten. Das ist ja der Sinn einer Therapie, dass sich der Zustand des Patienten auf Dauer verbessert, und das könnte man dann wunderbar zeigen. Die Verantwortlichen warten jetzt natürlich erst einmal auf die Einschaltquoten.

Eine Art Therapie via Bildschirm also?

Sawatzki: Ich würde mir wünschen, dass sich Familien oder Freunde das gemeinsam ansehen und danach über ihre Eindrücke sprechen. Therapie ist ja für viele Menschen in Deutschland noch ein Tabuthema. Vielleicht kann der Film auch ein bisschen dazu verführen, über sich und seine Ängste zu reden.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski.

ARD, heute und am kommenden Mittwoch, jeweils um 20.15 Uhr.

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