Michael Mittermeier - "Ich will immer 110 Prozent geben"

München - Mit seiner sehr speziellen Mischung aus Comedy und Kabarett war er der erste Künstler, der Fans beider Genres ansprach und so mühelos auch die großen Hallen füllte. Spätestens seit "Zapped" (1996) ist Michael Mittermeier einer der größten Stars der Szene.

Vor 20 Jahren startete der heute 41-Jährige seine Karriere. Sein Haussender Pro Sieben feiert den Meister der Stand-Up-Comedy heute ab 20.15 Uhr mit einer dreistündigen Show, bei der zahlreiche Kollegen wie Dieter Nuhr, Willy Astor, Josef Hader, Gaby Köster und Dieter Hildebrandt dem ewigen Kindskopf mit der kieksenden Stimme ihre Reverenz erweisen.

Stimmt es, dass Ihre Bühnenkarriere anfing, als Sie bei einem Konzert der Popgruppe "U 2" auf die Bühne durften und Frontmann Bono Ihnen seine Gitarre in die Hand drückte, nachdem er sich verspielt hatte?

Im Grunde hat natürlich alles früher begonnen. Ich habe schon als Zehnjähriger Theater gespielt. Aber erst nach dem "U 2"-Auftritt wusste ich, dass es nicht anders geht, dass es keine Alternative gibt. Ich kann nicht normal arbeiten und nur nebenher Künstler sein. Wenn du da auf der Bühne vor zigtausend Leuten stehst, da spürst du eine wahnsinnige Energie. In all den Jahren danach, wenn es mal hart war, habe ich immer an diesen Abend gedacht.

Inzwischen füllen Sie mit Ihren Bühenshows selbst Hallen. Was hat sich für Sie geändert in all den Jahren?

Wenig. Ich bin ein Stand-up-Comedian, gehe auf die Bühne und versuche, die Leute zu begeistern. Das habe ich damals vor 20 Leuten gemacht und mache es jetzt halt vor ein paar tausend. Klingt jetzt irgendwie blöd, ist aber so, weil ich immer 110 Prozent geben will, egal wie viele Menschen ich vor mir habe.

Dann sind Sie in Wahrheit ein Perfektionist?

Ich achte immer auf jedes einzelne Komma, weil manche Nummern auch nur dann funktionieren, wenn man sie wirklich aufs Komma genau spielt. Das ist wie bei einem Lied ­ eine falsche Note, und du kannst es vergessen. Aber trotzdem lasse ich mir auch bewusst Stellen zur Improvisation. Das hält das Programm frisch, und deshalb kann's mir nie langweilig werden.

Die Welt ist heute viel schnelllebiger als in Ihren frühen Jahren, als es noch kein Internet gab und das Privatfernsehen noch in den Kinderschuhen steckte . . .

Ich war immer ein Comedy-Darwinist. Wenn du gut bist, setzt du dich auch durch. Es ist heute nicht schwieriger als früher, nur anders. Vor allem ist die Szene anders geworden, damals gab es ja gar keine Fernsehsendungen, in die man als Kleinkünstler eingeladen wurde, und heute hat man allein schon durch das Privatfernsehen einfach ein größeres Forum. Und einer, der drei lustige Sätze sprechen kann, hat heute schon einen Manager und meist auch eine eigene Fernsehsendung.

Sie selber haben aber keine regelmäßige Show, anders als zum Beispiel Ihr Kollege Mario Barth. Wollen Sie denn keine?

Nein, ich habe immer nur Specials gemacht, weil ich das so will. Wenn man in Serie geht, muss man meistens Kompromisse eingehen und in Serie produzieren, und das mag ich nicht. Ich bin gerne live auf Tour, das ist mein Hauptgeschäft, und ich mache Specials wie jetzt die Jubiläumsshow, in der ich ja aber eigentlich nur dasitze und mich überraschen lasse.

Lachen die Leute heute über andere Sachen als vor 20 Jahren?

Nicht grundsätzlich. Eigentlich interessiert mich der Zeitgeist auch nicht, ich habe immer das gemacht, was ich gerade für richtig hielt, und das hat meistens funktioniert. Am besten ist es, wenn man seinen eigenen Stil hat und den anderen immer einen Schritt voraus ist. Oft hatte ich ein Thema, bevor es alle anderen hatten. Als ich damals in meinem Programm "Zapped" mit dem Thema Fernsehen kam, hat niemand so etwas gemacht, und viele haben mich gewarnt und behauptet, dass das nicht funktionieren würde. Und siehe da, danach hat plötzlich jeder zweite Comedian solche Nummern gemacht.

Haben sich die Tabugrenzen verschoben? Sie haben unlängst offenbar mit Katzenwitzen ein Tabu gebrochen und wurden aufs Übelste beschimpft.

Ich habe in 20 Jahren eigentlich keinen großen Skandal gehabt bis auf das jetzt mit der Katze. Ich habe seit vier Jahren eine Katze, ich setzte mich für Unicef ein, ich fahre mit Bono und Bob Geldof auf Benefizkonzerte, und jetzt wird mir vorgeworfen, dass ich zur Tierquälerei aufrufe. Das ist Schwachsinn. Aber die paar hundert besonders intoleranten Leute, die sich da aufgeregt haben, haben auch einfach zu viel Aufmerksamkeit bekommen. Wenn die Boulevardpresse nicht so eine große Sache daraus gemacht hätte, hätte das nach einer Woche keine Sau mehr interessiert.

Aber Sie provozieren doch schon gerne und gehen bewusst an die Schmerzgrenzen Ihres Publikums . . .

Ich mach' das gar nicht absichtlich, ich hab' halt einfach ein anderes Humorlevel als andere und sage das, was ich für richtig halte. Aber ich bringe nichts Hartes, nur damit sich die Leute aufregen, das hat mich noch nie interessiert. Wenn mir bei einer Nummer manchmal etwas zu hart vorkommt, nehme ich es sogar lieber raus.

Das Gespräch führte Cornelia Wystrichowski

Biografisches zu Michael Mittermeier

Nach dem Abitur studiert der gebürtige Dorfener in München Amerikanistik und schreibt seine Magisterarbeit über amerikanische Stand-Up-Comedy.

Parallel dazu übt sich Mittermeier in der Praxis, tritt 1991 mit seiner Band im Vorprogramm der "Ersten Allgemeinen Verunsicherung" auf, gastiert regelmäßig im "Quatsch Comedy Club" bei Thomas Hermanns .

Einem großen Publikum wird der Träger zahlreicher Preise durch das Programm "Zapped" aus dem Jahr 1996 bekannt, mit dem er durch den gesamten deutschsprachigen Raum tourt. Es folgen "Back To Life" (2000), "Paranoid" (2004) und zuletzt "Safari" (2007).

Regelmäßig ist Michael Mittermeier darüber hinaus in der ZDF-Show "Wetten, dass...?" zu sehen.

Seit 1998 ist er mit der Musikerin Gudrun Allwang ("Somersault") verheiratet.

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