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Live aus dem frisch renovierten Deutschen Theater in München: Michael Mittermeiers Auftritt im Rahmen seines aktuellen Programms „Blackout“ wurde im März aufgezeichnet. RTL zeigt ihn an diesem Samstag ab 22.30 Uhr. Auf DVD ist „Blackout“ bei Sony erschienen

Programm "Blackout"

Mittermeier: Warum er Dirndlwitze macht

München - Am Samstag zeigt RTL das Programm "Blackout" von Michael Mittermeier. Mit dem Münchner Merkur sprach er vorab über was er Witze reißt und welche Kollegen er sich anschaut...

Komiker Michael Mittermeier über die RTL-Ausstrahlung seines Programms „Blackout“ an diesem Samstag

Der Dorfener Bursch Michael Mittermeier begann seine Karriere vor 27 Jahren mit „Zapped – ein TV-Junkie knallt durch“. Heute gehört der 48-Jährige zu den erfolgreichsten Komikern Deutschlands. RTL zeigt an diesem Samstag ab 22.30 Uhr eine Aufzeichnung seiner Show „Blackout“. Im Interview spricht der „Michl“ über Helene Fischer und Otto, „politische Leichthäppchen“ und Witzklau.

Wie würden Sie „Blackout“ beschreiben?

Es ist angriffslustig und macht Spaß, aber es hat auch eine gute Schärfe drin. Die Leute mögen es, wenn ich von meiner Jugend auf dem Land erzähle, weil es authentisch ist.

Sie machen darin sehr drastische Dirndlwitze. Wie kommen Sie darauf?

Wir Comedians denken das Drumherum anders oder können es anders in Worte packen. Im Urlaub habe ich einen dicken hässlichen Russen gesehen, der eine dicke hässliche Russin im Arm hatte. Der „Normalo“ denkt: „Was für ein Paar?“. Ich überlege: „Die Wirtschaftssanktionen gegen Russland wirken. Jetzt müssen die Jungs wieder mit ihren Alten ran.“ Ich habe einen andern Filter im Kopf.

In der RTL-Show sprechen Sie den Papstrücktritt und Pferdefleischskandal an. Das ist alles ewig her.

Den Rücktritt kannst du in zehn Jahren noch spielen, es ist eine Standardinfo. Damals hatte ich eine Nummer zu Berlusconi, das war die Zeit seines Rücktritts – die ist auf der DVD im Bonusmaterial zu sehen. Der Pferdefleischskandal war damals schon zwei Jahre alt und – das ist der Wahnsinn – die Leute reagieren immer noch! Hier wird es immer interessanter. Was passiert in fünf Jahren?

Ihre politischen Nummern wurden in einer Kritik als „Leichthäppchen“ bezeichnet. Ärgert Sie das?

Die Tageszeitung rezitieren können alle. Gib’ mir einen neuen Dreh! Es sagt nichts über die Qualität aus, ob jemand mehr Politisches drin hat. Stand-up-Comedy kann beides beinhalten. In meinem Publikum sitzen SPD- und Grüne-Wähler. Ich habe auch Linke. Also haben bei mir die Nummern andere Sprengwirkungen. Bei einem politischen Kabarettisten sitzen Hunderte, die seine Meinung teilen.

Schauen Sie sich Shows von Kollegen im TV an?

Ja, aber wenn’s nicht gut ist, bleibe ich nicht dran. Es ist vergeudete Lebenszeit. Ich will Leidenschaft auf der Bühne! Ich werde auch nie Diener des Publikums sein.

Sie nehmen sich bei „Blackout“ den Kampuschfilm und Hitler vor. Sind die Leute mittlerweile offener?

Im Ausland hat mich ein Kollege mal gefragt, warum man bei uns nicht über Hilter reden darf. Aber über was sollten wir sonst reden, wenn nicht über unsere Geschichte? Die Kampuschnummer ist eine meiner moralischsten, die ich je gemacht habe. Da wird’s persönlich, da sage ich meine Meinung. Die Leute mit dem Zeigefinger sind feige, sie selbst sind nicht greifbar.

Klauen Sie sich Witze?

Nein, das machen andere. Todesstrafe.

Sie haben oft Anke Engelke und Bastian Pastewka gelobt, wenn Sie gute Comedians nennen sollten. Mario Barth schaffte den Weltrekord, als ihn an zwei Tagen im Berliner Olympiastadion 116 498 Zuschauer bejubelten. Was halten Sie davon?

Da waren viele Leute. Ich denke nicht in Weltrekorden, ich mache Comedy. Wir werden gerne in einen Topf geworfen, aber hier gibt es viele Spielarten wie in der Musik. Hallo? Helene Fischer? Die ist akrobatisch, die zieht viel aus. Das ist eine nette Musicalsängerin. Aber scheinbar hat sie mit ihren Lieder selbst ein Problem. Warum würde sie sonst in ihren Shows gute Lieder wie „I love Rock’n’ Roll“ nachsingen? Das wäre, als würde ich eine Stunde lang Otto-Nummern machen!

In „Blackout“ erzählen Sie davon, wie Sie ein englischer Zuschauer mit „Go home Fritz“ beschimpfte.

Das war eine harte Reaktion. England ist ein brutales Land in der Stand-up-Comedy, ich mag aber die Herausforderung. Die haben alleine in London so viele Comedians wie wir in ganz Deutschland.

Warum? Bei uns ist auch ein Markt da, wie Ihre Sendung zeigt…

Wir sind mit einer Verspätung von 40 Jahren gestartet. Nach dem Krieg kam bei uns lange nichts, dann das politische Kabarett. Diese Unterteilung zu Comedy gibt es auch nur in Deutschland. Das fing erst in den Neunzigern mit meiner Generation an. Beim Programm „Zapped“ war ich verzweifelt, ich komme genauso aus der Linken-Szene, ich war auch auf jeder Demo, ich wähle dieselbe Partei – nur kann ich doch nicht auf der Bühne reden wie ein 70 Jahre alter Kollege!

Wo sehen Sie Stand-up-Comedy in 20 Jahren?

Vor zehn Jahren wollten alle Jungen nur berühmt werden, heute nehmen viele die Herausforderung dieser Kunstform an. Aber wir haben bislang nur einen jüdischen Vertreter mit Oliver Polak! Na ja, wir haben auch alle jüdischen Künstler umgebracht.

Aber er hat sich beschwert, dass er auf sein Judentum reduziert wird.

Jeder will ihn wieder in eine Schublade stecken. Klar, er macht die Holocaust-, ich die Hitler-Nummer. Er darf das. Er macht auch andere Sachen!

Das Gespräch führte Angelika Mayr.

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