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„Plopp, das heißt Stopp, nur noch einen Hopp, dann bleibt es dabei“ – so sang und ploppte Michael Schanze ab 1977 in der ZDF-Kinderquizsendung „1, 2 oder 3“, die er acht Jahre lang moderierte.

„Ob Ihr wirklich richtig steht...“

Michael Schanze über „1, 2 oder 3“: „Plötzlich musste ich spontan sein“

Eine ganze Generation kennt diesen Satz: „Ob Ihr wirklich richtig steht, seht Ihr, wenn das Licht angeht.“ Das ZDF-Kinderquiz „1, 2 oder 3“ feiert seinen 40 Geburtstag - wir haben mit Moderator Michael Schanze gesprochen.

In Ehren ergraut: Michael Schanze feierte heuer seinen 70.

„Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht“ – Generationen junger Zuschauer kennen diesen Spruch aus dem ZDF-Kinderquiz „1, 2 oder 3“. Populär wurde die Sendung, in der Schülerinnen und Schüler Fragen beantworten, indem sie sich auf das entsprechende Feld stellen, durch Michael Schanze, der sie von 1977 bis 1985 präsentierte. Aus Anlass des 40. Geburtstags des Formats erinnert sich der heute 70-Jährige, der schon lange seine Showkarriere an den Nagel gehängt hat, an die Anfänge und erzählt, was er heute macht.

Hätten Sie damals gedacht, dass sich die Sendung so lange im Programm hält?

Michael Schanze: Nein. An so etwas denkt man nicht. Es war etwas Neues, und es hat mich interessiert, deshalb habe ich zugesagt.

Wie ist man auf Sie als Moderator gekommen?

Schanze: Ich habe damals im ZDF die Show „Hätten Sie heut’ Zeit für mich?“ präsentiert, die sehr erfolgreich war, wollte aber eigentlich mit dem Fernsehen schon wieder aufhören und Sport und Latein fürs Lehramt studieren. Und genau um diese Zeit herum rief mich ein Produzent aus Hamburg an und fragte mich, ob ich mir ein Quiz vorstellen könne. Ich weiß noch, dass ich gesagt habe: Nee, Quiz ist nichts für mich, das ist wie in der Schule. Wenn der Lehrer „1848“ sagt, und dir fällt die Paulskirche nicht ein, dann ist der Tag schon versaut. Ich hätte allerdings neulich zufällig im Britischen Fernsehen ein Ratespiel für Kinder gesehen namens „Runaround“, so etwas könnte ich mir vorstellen. Darauf meint der Produzent zu mir: „Willst Du mich veräppeln, genau dieses Format wollte ich Dir anbieten!“

Haben Sie auch am Konzept mitgewirkt?

Schanze: Das kann man so sagen. Die ursprüngliche Idee war sehr amerikanisch: Wenn ein Kind auch nur eine Antwort nicht wusste, war es schon draußen und durfte nicht mehr mitspielen. Ich fand das unmenschlich und schon gar nicht kindgerecht. Deshalb haben wir es zuerst so gemacht, dass man bei einer falschen Antwort keinen Ball bekam und eine Runde aussetzen musste. Wir haben aber schnell gemerkt, dass das Aussetzen zu hart war und haben auch das gestrichen. Dass das „Plopp“ sogar zu einer Art Markenzeichen wurde, daran hat wohl keiner gedacht, als ich mit der Idee dieses Wangenschnalzers daherkam.

Und dann gab es da ja noch das „Kamerakind“...

Schanze: Stimmt, es war übrigens gar nicht so leicht, das durchzusetzen. Da gab’s ne Menge Einwände, nicht zuletzt von den Kameraleuten selbst: „Wo kommen wir denn da hin, wenn ein Kind unseren Job macht?“ Am Ende fanden es dann irgendwie alle gut.

Das ZDF hat versucht, das erste „Kamerakind“, Karsten Herrmann, ausfindig zu machen. Können Sie sich an Karsten erinnern?

Schanze: Ja klar, sogar sehr genau. Das war so ein Knirps mit Brille. Alle Augen waren ja auch auf ihn gerichtet, so etwas hatte es im deutschen Fernsehen bis dato nicht gegeben.

Was war für Sie die einschneidendste Erfahrung mit und in „1, 2 oder 3“?

Schanze: Einfach alles. Die Zuschauer kannten mich von Abendsendungen, wo ich nach einem festen Drehbuch als Entertainer im schicken Anzug daher kam. Und plötzlich war ich der, der in Turnschuhen herumsprang und spontan sein musste.

Sie haben vor ein paar Jahren in einem Interview gesagt, das Fernsehen sei kein Medium für Mittsechziger – was haben Sie damit gemeint?

Schanze: Naja, dass das Fernsehen primär von jungen Leuten bestimmt wird. Ich war ja auch mal jung und habe mich gefreut, eine Chance zu bekommen. Den 65-Jährigen möchte ich erleben, dem in diesem Alter eine Show angeboten wird.

Da fällt mir Thomas Gottschalk ein, der seit dem Abschied von „Wetten, dass...?“ ja schon alles Mögliche probiert hat...

Schanze: Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich muss allerdings sagen: Die Häme, die jetzt manchmal auch von Kollegen über Thomas ausgegossen wird, verurteile ich. Die vergessen alle, dass die Pfade, auf denen sie bequem wandeln, von Thomas Gottschalk damals erst mit dem Buschmesser freigeschnitten wurden.

Sie selbst weinen der großen Show keine Träne nach?

Schanze: Nein. Ich habe im Jahr 1999 einen Schlussstrich gezogen. Den „Flitterabend“ (eine Spielshow für Brautpaare im Ersten, Red.) hatte ich ja ohne Not drangegeben, wir waren damals immer noch ein Quotenrenner mit bis zu elf Millionen Zuschauern. Allerdings hab ich mir schon Anfang der Neunziger immer mal wieder die Frage gestellt, ob ich mein Leben lang eine Showtreppe herunterkommen will. Mit dem Ende meiner Ehe war dann der Zeitpunkt gekommen, zu neuen Ufern aufzubrechen. Seit der Jahrtausendwende spiele ich nur noch Theater. Heute weiß ich, mit dieser Entscheidung habe ich genau das Richtige getan. In einer Woche habe ich Premiere mit Kleists „Zerbrochnem Krug“ bei den Festspielen auf Schloss Neersen bei Mönchengladbach. Für die Rolle des Dorfrichters Adam habe ich mir eine Glatze rasieren lassen. Daran sehen Sie, wie ernst ich diesen Beruf nehme.

Für Bühnenrollen sind Sie ausgebucht, in Filmen oder Serien sieht man Sie selten. Fehlt Ihnen das nicht?

Schanze: Ich habe zwar eine Zeit lang fast Ausschlag bekommen, wenn ich vor eine Kamera musste, aber das hat sich geändert. Ich hatte ja neulich eine kleine Rolle in „Um Himmels Willen“, das hat sehr viel Spaß gemacht. Gegen eine schöne Rolle in einem Film hätte ich nichts einzuwenden. Zwei, drei interessante Angebote hatte ich auch schon, aber die kamen zu kurzfristig, um die Dreharbeiten mit meinen Theaterverpflichtungen zu koordinieren. Aber das kommt noch. Ich will nur hoffen, dass man nicht auf die Idee kommt, den Schanze nur noch mit Glatze zu besetzen – irgendwann hätte ich meine Haare schon gerne wieder.(Lacht.)

Das Gespräch führte Rudolf Ogiermann.

Die Jubiläumsshow

zum 40. Geburtstag läuft an diesem Samstag um 20.15 Uhr im ZDF. Moderatoren sind Elton und Steven Gätjen. Drei Kinderteams, angeführt von Schauspielerin Stephanie Stumph, Sänger Mark Forster und Comedian Bülent Ceylan, kämpfen um Punkte. Weitere Jubiläumsgäste sind Moderator Günther Jauch und Sängerin Helene Fischer. Das ZDF kündigt außerdem einen Blick zurück auf die schönsten Momente aus 1000 Folgen „1, 2 oder 3“ an.

Das „1, 2 oder 3“-Jubiläum mit Steven Gätjen und Elton (4. u. 5. v. l.) sowie Mark Forster, Bülent Ceylan und Stephanie Stumph wird an diesem Samstag gefeiert.

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