"Mir gefror das Blut zu Eis"

- Der Schauspieler Michael Degen (Jahrgang 1932) überlebte als jüdischer Junge den Holocaust und schrieb 1999 den Bestseller "Nicht alle waren Mörder" über Menschen, die ihm und seiner Mutter während des Krieges Unterschlupf boten. Jo Baier hat die Geschichte nun fürs Fernsehen verfilmt. An der Seite von Stars wie Hannelore Elsner, Katharina Thalbach, Axel Prahl und seiner Filmmutter Nadja Uhl spielt der zehnjährige Aaron Altaras, selbst ein jüdischer Schüler aus Berlin, den jungen Michael Degen.

Du hast schon in einigen Filmen mitgespielt. Was war diesmal anders?

Aaron Altaras: Bisher spielte ich Nebenrollen in Filmen, die in der Jetztzeit spielen. Das war meine erste Hauptrolle, und das in einem historischen Film.

War das schwierig?

Aaron: Schon. Anstrengend fand ich es, nach einem Tag am Set auch noch nachts zu drehen. Da hat man nicht mehr so viel Kraft.

Was hat besonders Spaß gemacht?

Aaron: Die Szene, in der Michael seinen Freund Rolf kennenlernt, war schön. Wir mussten sie recht oft wiederholen. Martin Stührk, der den Rolf spielt, und ich mussten jedesmal lachen, wenn wir uns anschauten.

Bleibt da auch hinterher eine Freundschaft?

Aaron: Schwierig. Wir können uns kaum sehen. Martin lebt in München, ich in Berlin. Wie war es für dich, in eine HJ-Uniform zu schlüpfen? Aaron: Hat eigentlich Spaß gemacht. Wenn ich mir vorstelle, dass früher böse Menschen, Nazis, das anhatten, ist es aber auch unheimlich. -ö-ö-ö.- Trotzdem gefiel’s dir ? Aaron: Ja, ich mochte das Verkleiden. Diese originalgetreue Uniform am Körper fühlte sich an wie ein kompletter Taucheranzug.

Wie ging es dir, als du den echten Michael Degen getroffen hast?

Aaron: Ich mochte ihn sehr. Er hat mir vieles genau erzählt.

Hast du sein Buch gelesen?

Aaron: Ja.Und ich finde, dass der Film sehr nah dran ist. Natürlich steht im Buch viel mehr drin -es ist halt länger.

Eigenartig, eine noch lebende Person zu spielen?

Aaron: Ja, ich fragte mich immer, ob er wirklich so war, wie ich ihn darstelle. Er hat mir das immer wieder versichert, was mich sehr gefreut hat.

Hat du darüber nachgedacht, wie du dich damals verhalten hättest?

Aaron: Oft sogar. Ich denke, dass ich Verfolgten geholfen hätte. Wissen tu ich’s nicht, ich habe den Krieg nicht erlebt.

Und an Stelle von Michael?

Aaron: Ich glaube, mir wäre es peinlich gewesen, eigenes Zuhause zu haben und anderen zur Last fallen zu müssen, um zu überleben.^

Was wusstest du vorher über die NS-Zeit?

Aaron: Viel, auf einer jüdischen Schule bekommt man eine ziemliche Vorbildung. Ich las aber auch von mir aus Bücher, etwa das Tagebuch der Anne Frank.

Hast du durch die Arbeit am Film Neues gelernt?

Aaron: Viele Details, über Flieger und so. Man wird ein bisschen auf eine Zeitreise entführt.

Wie war die Zusammenarbeit mit Jo Baier?

Aaron: Er hat uns viel Improvisationsfreiheit gegeben.

Hast du die genutzt?

Aaron:Nicht sehr, weil ich im Film nicht viel rede. Aber Katharina Thalbach brauchte nur zwei Stichwörter und spielte drauf los.

In welcher Szene war dir die Hilfe des Regisseurs besonders wichtig?

Aaron: Wenn der russische Offizier Michael anschreit, weil er nicht glaubt, dass er als Jude überlebt hat. Da gefror mir das Blut zu Eis.

Deine Mutter ist Schauspielerin, dein Vater komponiert Filmmusik. Du bist vorgeprägt...

Aaron: Ziemlich. Aber meine Eltern halten sich zurück. Laufend Tipps zu erhalten, könnte ich nicht ertragen.

Das Gespräch führte Werner Kurzlechner.

ARD, Mittwoch,um 20.15 Uhr

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