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Beklemmend aktuell: Wotan Wilke Möhring (Mitte, mit Inka FriedrichundJan Peter Heyne) gerät als Eigentümer eines Bauunternehmens in wirtschaftliche Schwierigkeiten. „Kuckuckszeit“ zeigt die ARD am Mittwochum 20.15 Uhr.

Wotan Wilke Möhring in „Kuckuckszeit“

Alltagsechte Authentizität

Es gibt unter Schauspielern Meister der mimischen Minimalistik. Die kleinste Regung genügt ihnen, alles auszudrücken – von Angst zu Euphorie, von Freude zu Melancholie, von heiter bis wolkig und zurück.

Neben den Großen des Fachs wie Henry Fonda oder O. W. Fischer konnten stets nur wenige ihr Mienenspiel so fein variieren, ohne ihre Wahrhaftigkeit zu verlieren. Wotan Wilke Möhring kann.

Wotan Wilke wer? Schon seltsam, dass der gelernte Elektriker aus Detmold (Nordrhein-Westfalen) trotz 70 Filmrollen in zwölf Jahren noch immer nicht zur ersten Garde der Schauspieler seiner Generation zählt, dass ihn nur aufmerksame Zuschauer als das sehen, was er ist – einer der wandlungsfähigsten, eindrücklichsten, glaubwürdigsten Darsteller im Land. Ob Komödie oder Krimi, Tragödie oder Groteske – er füllt alles mit einer Authentizität, die alltagsecht wirkt, ohne das Artifizielle am Spiel zu leugnen. Möhring agiert einfach, als könne er wirklich hineinfühlen in seine Figuren und deren Wesen mit allem gebotenen Ernst freudig zutage fördern.

In diesem Spannungsfeld gibt er den dauerdichten Verlierer in Christian Züberts Filmkomödie „Lammbock“ und den verbissenen Dorfpolizisten in Christian Alvarts Thriller „Antikörper“, den großmäuligen Häftling in „Das Experiment“ von Oliver Hirschbiegel oder den netten Proll in den „Video Kings“, den quasseligen Kleinganoven in „Hardcover“ ebenso wie unlängst den wortkargen Ermittler in dem ARD -Fernsehkrimi „Zwölf Winter“ von Thomas Stiller.

In „Kuckuckszeit“, zu sehen heute um 20.15 Uhr im Ersten , spielt Möhring einen Mittelständler in einer Abwärtsspirale. Es geht so schnell nach unten in diesem Film über einen insolventen Bauunternehmer, dass der Realismus (Regie: Johannes Fabrick) fast dokumentarische Züge annimmt. Wie der 42-Jährige seiner Hauptfigur die Zügel der Unabhängigkeit langsam aus der Hand gleiten lässt, ohne Pathos, aber auch ohne aufgesetztes Understatement – das ist jene hohe Schule, die Quereinsteiger wie er nie besucht haben, um sie doch spielen zu können.

Bis zum Debüt als Schauspieler schlug sich der Überlebenskünstler so durch, als Türsteher, Model, Student oder DJ , der 1996 die „Neue Deutsche Welle“-Band DAF reanimierte. Im Jahr darauf, mit 30, wechselte er die Richtung, spontan, wie er betont, gab sein Kunststipendium zurück, debütierte mehr zufällig neben Götz George in der „Bubi Scholz Story“ und bildete sich fortan in Workshops und in der Praxis fort.

Statt das Fach also an ordentlichen Schauspielschulen zu lernen, die ihn allein wegen seines Alters ablehnen, ließ er sich in den Film treiben und konservierte somit jene joviale Ungeschliffenheit, die viele Nachzügler kennzeichnet. Wenn man ihm dann noch eine brillant mitscheiternde Inka Friedrich als Ehefrau zur Seite stellt, explodiert förmlich Möhrings Talent zur reduzierten Emphase. In „Kuckuckszeit“ braucht er so nur einen kurzen Blick ins Leere, um die Brisanz eines Mahnschreibens zu verdeutlichen, das ungelesen in der Schublade landet. Ihm reicht sein Markenzeichen, die Stimme am Ende des Satzes leicht abzuwürgen, um Verzweiflung beim Geständnis der anstehenden Pleite zu transportieren.

Seine Tränen beim Verlassen der Villa in Richtung Plattenbau mögen gespielt sein, sie nehmen den Zuschauer dennoch mit. Dabei weiter Hoffnung zu versprühen, aufs Leben, auf Neuanfänge, auf höhere Werte als Geld oder Karriere, das hat der frühere Punk beim „Betteln auf der Straße gelernt“. Das sagt Wotan Wilke Möhring ohne Aufsteigereitelkeit. Und mit minimalistischer Mimik.

Jan Freitag

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