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„Natürlich, wir streiten uns auch oft, wir sind nur Menschen“: Mira Awad (l.) und Noa alias Achinoam Nini treten mit „There Must Be Another Way“ für Israel an.

Eurovision Song Contest

Ein bisschen Frieden

Mit ihrem Auftritt beim Schlagerfestival in Moskau wollen die Jüdin Noa und die Araberin Mira ein Zeichen setzen

Es könnte alles so einfach sein im Nahen Osten. Das ist – in aller Kürze – die Botschaft der Sängerinnen Noa und Mira, die beim Eurovision Song Contest am 16. Mai mit einem Friedenslied für Israel antreten. „Was zwischen zwei Menschen möglich ist, muss auch zwischen zwei Völkern möglich sein“, sagt die von jemenitischen Juden abstammende Noa in Tel Aviv. Sie arbeitet schon seit acht Jahren mit der christlichen Araberin Mira Awad zusammen, mit der sie inzwischen eng befreundet ist.

„Meine Bedingung für eine Teilnahme bei der Eurovision war, dass auch Mira mitkommt“, erzählt Noa, die bereits seit Jahren auch international bekannt ist. Ihre Friedensbotschaft klingt für westliche Ohren logisch und fast banal, bringt die beiden Frauen jedoch in ihrer Heimat in Schwierigkeiten. „Wir haben beide einen Preis für unsere Ansichten gezahlt“, sagt die 1969 in Tel Aviv geborene Noa, die in ihrem Heimatland als Achinoam Nini bekannt ist.

Mira Awad berichtet von Hassforen im Internet – auf Hebräisch und Arabisch. Der 33-jährigen Sängerin wird vorgeworfen, sie diene der israelischen Besatzungsmacht als Feigenblatt. „Mein Bruder macht sich Sorgen um mich“, sagt die Sängerin und zuckt mit den Schultern. Aber sie bereue keine Sekunde ihre Entscheidung, mit Noa aufzutreten. Sie wolle sich „nicht einbunkern“, sondern ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen.

Die Israelin Noa hat wiederum mit Vorbehalten rechtsgerichteter Landsleute zu kämpfen. „Die absurdeste Kritik war, dass Israel zwei Araberinnen zur Eurovision schickt“, sagt sie in Anspielung auf ihre jemenitische Abstammung und lächelt dabei bitter. Aber es gebe auch Unterstützung von Israelis und arabischen Fans: „Das gibt uns Kraft.“

Sie seien beide sehr aufgeregt, gestehen Noa und Mira. Und: „Wir haben noch nichts anzuziehen.“ Ihr Lied „There Must Be Another Way“, das vergangenen Monat bei einer Vorauswahl die meisten Stimmen bekommen hatte, erzählt von großem Leid und der Sehnsucht nach Frieden in der Region. Die Frauen singen den Text auf Englisch, Hebräisch und Arabisch. „Wir haben einen langen, harten Weg hinter uns gebracht, Hand in Hand, und die Tränen fließen umsonst, der Schmerz hat keinen Namen, wir warten nur auf den Tag danach“, heißt es in dem Lied.

„Wir wollen eine alternative Stimme aus der Region sein“, sagt Mira Awad, die in Israel auch als Schauspielerin erfolgreich ist. „Wir wissen, dass die Realität schlimm ist, und sind nicht naiv.“ Doch angesichts immer neuen Blutvergießens verlieren die beiden Optimistinnen manchmal die Hoffnung. „Natürlich, wir streiten uns auch oft, wir sind nur Menschen“, sagt Noa, aber beide lachen dabei: „Wir haben auch nicht alle Antworten.“ In Krisensituationen identifiziere sich jeder zunächst einmal reflexartig mit dem eigenen Lager. „Aber danach reden wir wieder und kommen immer zu dem gleichen Schluss – Gewalt ist nicht der richtige Weg.“

von Sara Lemel

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